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27. April 2007, 07:31 Uhr

Angst vor der Misstrauensspirale

Das Verhältnis zwischen der Nato und Russland kühlt sich rapide ab. Anlass: der geplante Nato-Raketenschild. Auch deshalb will Russland jetzt ein Abrüstungsabkommen aussetzen. Der russische Außenminister denkt schon an die Kündigung des Vertrags.

Zoom

Leopard-2-Panzer: "Erst sollen alle Nato-Staaten ausnahmslos den Vertrag ratifizieren"© David Hecker/DDP

Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine einseitige Aussetzung des mit der Nato 1990 geschlossenen KSE-Vertrags über konventionelle Streitkräfte wie Panzer oder Soldaten, in Europa, angekündigt. "Ich erachte es für sinnvoll, dass Russland ein Moratorium in Bezug auf diesen Vertrag verhängt", sagte Putin in seiner Rede zur Lage der Nation in Moskau. Diese Entscheidung solle so lange gültig sein, bis "alle Nato-Mitglieder ohne Ausnahme" den Vertrag ebenfalls ratifiziert haben.

Putins Ankündigung löste einen heftigen Streit zwischen der dem Verteidigungsbündnis und Russland aus. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte Moskau auf, sich weiterhin an den KSE-Vertrag über eine Begrenzung der konventionellen Streitkräfte in Europa zu halten. "Das sind Vertragsverpflichtungen. Und es wird von jedem erwartet, dass er Vertragsverpflichtungen nachkommt", sagte sie nach Beratungen der Nato-Außenminister in Oslo.

"Unsere Partner verhalten sich, gelinde gesagt, inkorrekt"

Putin begründete seinen Schritt unter anderem mit den US-Plänen für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa. "Unsere Partner verhalten sich, gelinde gesagt, inkorrekt", sagte Putin. Die Nato-Staaten seien dabei, mit ihren Militärstützpunkten näher an die russische Grenze heranzurücken. Rice bezeichnete die russischen Bedenken gegen die Raketenabwehr als "einfach aberwitzig". Der KSE-Vertrag war Ende 1990 zwischen der Nato und dem damaligen Warschauer Pakt mit dem Ziel geschlossen worden, die konventionellen Land- und Luftstreitkräfte in Europa zu verringern.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, die Nato sehe sich mit einem De-Facto-Moratorium konfrontiert und sei darüber "besorgt und sehr enttäuscht".

Auch ein Ausstieg aus dem Vertrag möglich

Auch Lawrow machte aus dem Streit keinen Hehl. "Wir können nicht unbesorgt bleiben, wenn die militärische Infrastruktur der Nato immer näher an unsere Grenzen herankriecht", sagte er und kritisierte scharf die US-Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien. Er bestätigte, dass Moskau sogar einen Ausstieg aus dem Vertrag zur Begrenzung der konventionellen Streitkräfte plane. "Wir werden uns ganz aus dem Vertrag zurückziehen, sofern es keine Bewegung gibt", sagte Lawrow.

De Hoop Scheffer entgegnete, die 26 Mitgliedsländer des Nordatlantischen Bündnisses wollten auch weiterhin eine neue Fassung des KSE-Vertrags nicht ratifizieren. Sie hielten daran fest, dass Russland zuvor sein in Istanbul gegebenes Versprechen umsetzen müsse, seine Soldaten aus Georgien und Moldawien zurückzuziehen. "Die Verbündeten sind völlig einig im Wunsch nach Ratifizierung. Aber es gibt die Istanbul-Verpflichtungen und so lange diese nicht erfüllt sind, wird es auch keine Ratfizierung des KSE-Vertrages geben."

Moskau setzt der Nato nun eine einjährige Frist für die noch ausstehende Ratifizierung des KSE-Vertrags. Wenn man nicht binnen eines Jahres zu einer Einigung komme, werde Russland aus dem weiterhin geltenden alten Vertrag von 1990 austreten, sagte ein ranghoher Kreml-Mitarbeiter der Agentur Interfax.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier riet zu einem "behutsamen Vorgehen" in der Raketen-Diskussion. "Wir sollten den Dialog mit allen direkt und indirekt Beteiligten suchen", sagte er in Oslo. "Worum es im Kern geht, ist doch, eine Spirale des Misstrauens zwischen Russland und den USA zu verhindern. Und das ist etwas, was im unmittelbaren europäischen Interesse liegt." Er sagte: "Die Nachrichten des heutiges Tages waren kein Vergnügen."

Nach russischen Angaben haben die neuen Nato-Mitglieder Estland, Lettland und Litauen, die früher Teil der Sowjetunion waren, den ursprünglichen KSE-Vertrag von 1990 noch nicht ratifiziert. Eine Neufassung des KSE-Vertrags war 1999 zwischen den Nato-Staaten und Russland unterzeichnet worden. Russland ratifizierte den Vertrag im Jahr 2004. Die Nato-Staaten binden ihre Ratifizierung an einen Abzug der russischen Truppen aus den früheren Sowjetrepubliken Moldawien und Georgien.

KOMMENTARE (6 von 6)
 
Salzsteuer (28.04.2007, 10:44 Uhr)
Diese friedliebenden Amis
verlangen zu Recht das die russische Armee ehemalige Sovietrepubliken räumt, aber offensichtlich doch nur um diese anschliessend selber zu besetzen so wie in Osteuropa und auch in Zentralasien ( hier durch Beobachter und Berater ) geschehen. Dient das dem Frieden oder dem Dollar? Zur Erinnerung: Von den Siegermächten des 2. Weltkrieges hatte als erstes die rote Armee Deutschland komplett verlassen, die Amis befreien uns noch immer!
bR4iNST0RM (27.04.2007, 15:12 Uhr)
Mit sicherheit keine Sicherheit!
Unter dem Deckmäntelchen „Sicherheit gegen den Terror“ sind ja nun nicht nur die Amis auf Tuchfühlung mit dem nahen Osten, aber am offensichtlichsten! Hinzu kommt, dass einige „Sicherheitsexperten“ auch dieses Trittbrett erkannt haben und sich einen Platz suchen, wo sie rutschsicher mitfahren können. In Deutschland, USA, Russland und anderen „westlichen“ Staaten, wie es die engstirnigen Terrormoslems, die allerdings herzlich wenig mit dem eigentlichen Glauben der Moslems zu tun haben, immer gerne in ihre Hobbykameras propagieren, ist es fast schon ein „Sicherheitshype“, dem sich nur wenige entziehen können. Es wird sowohl intern als auch extern um Sicherheitsfragen rum debattiert, die kein Stück zur Lösung des Problems führen, sondern genau das auslösen, was die Hirnis mit ihren mobilen TNT-Vehikeln schon lange probieren: Angst sähen, damit jeder Kuscht und durch Panik unvorsichtiger als bisher wird. Liebe Terroristen: ihr habt es fast geschafft! Die Politiker sind schon so weit!
Meine Theorie: Die Amis haben eigentlich gar nichts gegen die Terrormoslems, und andersherum. Es geht nur darum Angst zu verbreiten, damit sich Kopflose Kokser in dem Bundestag vor Angst in die Hose pullern und nach und nach alles versuchen, um den UN-Sicherheitsrat davon zu überzeugen, dass die USA endlich auch den alten Kontinent unter ihre militärischen Griffel nimmt. Daraus resultieren auch strategisch wichtige Örtlichkeiten und schon hat die USA das was sie schon immer versucht haben. Die totale Überwachung des fossilen Brennstoffes und militärischer Aktionen. Damit ja keiner mehr dem Überstaat ans Bein pinkeln kann, ohne gleich zu riskieren, von der Mattscheibe zu verschwinden. So etwas nennt man einen Mix aus aktiver und passiver Kriegsführung. Auf der einen Seite Angreifen, um auf der anderen Seite rumheulen, damit die Absicht nicht so auffällt. Sehr geschickt, aber auch sehr offensichtlich. Man muss es nur mal schnallen. Und da liegt der Hund begraben.
RichardRoe (27.04.2007, 11:10 Uhr)
Es geht doch wieder nur ums Öl
Wie AxelR. schon so richtig bemerkt hat: Der Raketenschild funktioniert nicht. Das ist totaler Schwachfug. Eine Rakete mit einer anderen Rakete abschiessen funktioniert vielleicht im Fernsehen. Ansonsten evtl noch bei "normalen" Weltraumraketen (Grössenordnung der Ariane oder so). Und dann gehts auch nur weil man weiss wo, wann und in welche Richtung die Dinger fliegen.
Eine militärische Atomrakete oder sonstige Verrücktheiten abschiessen zu wollen ist nahezu fast unmöglich. Die Dinger sind recht klein, fliegen entweder sehr hoch oder sehr tief und auf jeden Fall sehr schnell.
Die Amis haben das tatsächlich schon mal geschafft, aber das war ein Versuch unter optimalsten Optimalbedingungen (und selbst da wars knapp). Und ich glaub nicht das ein Angreifer es dem Verteidiger besonders einfach machen will.
Und warum hat Ami-Land das System noch nicht selbst? Was glauben sie denn was passiert mit einer Atomrakete die in der Luft explodiert...?
Das könnte bestenfalls unangenehm werden...
Ausserdem: Kurze Exkursion in Geographie. Der Raketenschild soll Europa und Israel vor den Raketen des Iran schützen. Warum zum Henker soll der dann nach Polen?
Das es die Amis mit Erdkunde ausserhalb von Amerika nicht so genau nehmen ist ja bekannt, aber das ist lächerlich.
Amerika gehts nur ums Öl, und wenn man bedenkt was die in letzter Zeit so alles dafür getan haben, kann einem schon komisch werden. Die letzten grossen Ölfelder gibts im Raum um das Kaspische Meer.
Und der Raketenschild ist der Fuss in der Tür um dahin zu kommen.
Ampi (27.04.2007, 09:35 Uhr)
Lange genug Druck ausgeübt
Eigentlich erstaunlich das Russland so lange ruhig gehalten hat. Lange genug haben die Russen beteuert, dass sie sich das nicht gefallen lassen werden aber die USA haben trotzdem weiter Druck gemacht. Und wenn nichtmal alle NATO Staaten den KSE Vertrag ratifiziert haben, warum sollte Russland sich dann dran halten? Letzten Endes ist das der offensichtliche Versuch Russland zu isolieren, das würde kein souveräner Staat gerne sehen und Russland schon gar nicht..
Bin mal gespannt wie das mit der Berichterstattung noch so weiter geht und wann Russland offiziell zur Axis of evil gehört.
AxelR. (27.04.2007, 09:00 Uhr)
nachvollziehbar
An Putins Stelle würde ich genauso handeln. Warum ein Raketenschild in Polen oder Tschechien? Warum nicht in Deutschland oder Österreich?
Die Nato sollte sich nicht weiter ausdehnen wollen. Warum haben die USA eigentlich noch nichtmal selbst einen funktionierenden Raketenschild? Weil sowas technisch kaum zuverlässig funktioniert. Die USA haben bald Stützpunkte in der ganzen Welt und suchen mit dem "Raketenschild" nur einen Grund, weiter in den Osten vordringen zu können.
gudrun13 (27.04.2007, 08:12 Uhr)
Ohne ein Freund Russlands zu sein ...
wobei ich übrigens (auch als ehemalige DDR-Bürgerin) auch kein Freund von Bush und seinen Kumpels bin - diese Einkreisungsstrategie welche die Nato betreibt, die MUSS ganz einfach Russlands Proteste hervorrufen.
Die Absichten die dahinter stehen sind doch sogar für ein Kind durchschaubar. Die baltischen Staaten, ihr Verhalten ist ebenfalls gelinde gesagt, dem Verhalten demokratischer Staaten nicht angemessen, wollen sich jetzt revanchieren. Klar, ich verstehe sie sogar. Die Besetzung dauerte lange genug und auf wessen Seite diese kleinen Pipi-Staaten im 2. WK standen, das ist bekannt. Auch wenn es heute - halbherig, aber immerhin! - abgestritten wird. Ob dieses Verhalten klug ist - sich so gegen Rußland zu stellen - und mit der Führung in der USA ein schon abartig "gutes Verhältnis" zu pflegen (siehe Polen, dieses Land leckt ja schon die Stiefel der USA) DAS steht auf einem ganz anderen Blatt.
Und WAS bitte schön machen die USA in Georgien? Was will die Nato dort? Die Demokratie einführen? Welche Demokratie? DAs ist Humbug. Diese offensichtliche Strategie ist Teil einer gigantischen Umzingelung Russlands die von der polnischen Grenze über die baltischen Staaten im Norden bis zu den südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken reicht. DAS dies einem Herrn Putin nicht gefällt, DAS kann ich nachvollziehen. Es ist Verarsche - mehr nicht. Hier geht es nur um die Positionieren der eigenen Truppen - und sind die Raketen ersteinmal stationiert dann ist es ja wohl egal, in welche Richtung die Raketenabschussbasen gedreht werden ...
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