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21. August 2008, 17:48 Uhr
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Den Kalten Krieg am Horizont

Auf den Krieg in Georgien folgt die Eiszeit zwischen Nato und Russland. Bei ihrer Sondersitzung in Brüssel suchten die 26 Außenminister jedoch vergebens nach einem effektiven Vorgehen gegen Moskau. Nato-Experte Johannes Varwick warnt im Gespräch mit stern.de vor einer Eskalation des Konflikts. Von Sebastian Huld

Eine Allianz, zwei Pole: EU-Chefdiplomat Javier Solana (l.) und die US-Außenministerin Condoleezza Rice vertreten unterschiedliche Ansichten zum Umgang mit Russland© John Thys/AFP

Nach dem Krieg im Kaukasus haben die Beziehungen zwischen Russland und den Nato-Staaten einen Tiefpunkt erreicht. Während Russland den im Friedensabkommen vereinbarten Truppenabzug aus dem georgischen Kernland weiter verzögerte, sind in Brüssel die Außenminister der 26 Nato-Staaten zusammengekommen, um ein gemeinsames Vorgehen gegen Moskau zu vereinbaren. Die Diplomaten, die das Treffen ihrer Außenminister in Brüssel vorbereitet hatten, standen vor einer doppelten Herausforderung: Sie sollen Einigkeit herstellen, wo keine ist. Und Russland gegenüber Stärke zeigen, die die Nato abseits militärischer Maßnahmen nicht hat. Das Ergebnis ist ein Kompromiss auf kleinstem Nenner, der in sechs langen Tagen und Nächten mühsam ausgehandelt wurde.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verkündete am Ende der Konsultationen den folgenden Beschluss: Nachdrücklich fordern die Nato-Staaten Russland auf, sein Militär aus dem "georgischen Kernland" abzuziehen. Bis dahin soll die Kooperation zwischen der Nato und Russland, der sogenannte Nato-Russland-Rat, gestoppt werden. Des Weiteren soll ein so genannter 'Nato-Georgien-Ausschuss' eingerichtet werden, der auf verschiedenen politischen Ebenen zu aktuellen Fragen tagen soll. Damit hat die Nato die im Frühjahr in Aussicht gestellten Beitrittsperspektive Georgiens zwar bekräftigt, auf einen beschleunigten Beitritt, wie ihn die USA und Georgien gefordert hatten, wollte sich das Bündnis jedoch nicht einlassen. Außerdem kündigte die Nato an, Georgien beim Wiederaufbau unterstützen zu wollen.

Suche nach dem richtigen Signal

Mit diesen Beschlüssen versucht die Nato, elf Tage nach dem Ausbruch der kriegerischen Auseinandersetzungen in Georgien, der Machtpolitik Russlands Einhalt zu gebieten. In den Hauptstädten der Nato-Länder war zuvor befürchtet worden, dass eine zu schwache Reaktion ihres Militärbündnisses auf Moskau wie ein Freifahrtsschein wirken könnte, sich ungehindert in die inneren Angelegenheiten seiner Nachbarstaaten einmischen zu dürfen. Mit einer entsprechend harschen Wortwahl kündigte US-Außenministerin Condoleezza Rice schon vor dem Zusammentreffen der Außenminister an, die Nato werde es nicht zulassen, dass Russland sich Georgien einverleibe, Europa destabilisiere oder einen neuen Eisernen Vorhang errichte. Die USA forderten gemeinsam mit Großbritannien, Kanada und den meisten osteuropäischen Staaten, Russland unter Druck zu setzen und den Nato-Russland Rat ganz aufzukündigen.

Die mehrheitlich westeuropäischen Staaten unter der Führung von Frankreich und Deutschland hingegen warnten davor, die Gesprächskanäle vollständig abzubrechen. Sie setzen weiterhin auf das Mittel der Diplomatie. Allerdings fürchtet man auch in Berlin und Paris, dass Russland eine zu lasche Reaktion der Nato als Signal der Schwäche verstehen könnte. Ein französischer Diplomat sagte, die Verärgerung über Russland wachse. "Wir können nicht so weiter machen, als wäre nichts passiert." Der Beschluss, den Nato-Russland Rat einzufrieren, bis Russland seine Truppen abzieht ermöglicht es immerhin, den Schein der Einigkeit gegen Moskau zu wahren. "Solange die russischen Truppen Georgien praktisch besetzt halten, kann ich nicht sehen, wie wir den Nato-Russland-Rat einberufen können", sagte de Hoop Scheffer. Nun liege es an dem Riesenreich, die Beziehungen zu den Nato-Staaten zu retten.

"Das kann wirklich eskalieren"

Eine Wiederannäherung zwischen den Supermächten, mit den USA und den anderen Nato-Ländern einerseits und Russland auf der andererseits, scheint auf lange Zeit nicht absehbar. Längst macht das Wort von einem 'neuen Kalten Krieg' die Runde. Im Gespräch mit stern.de warnt der Nato-Experte Johannes Varwick: "Das kann wirklich eskalieren. Was wir derzeit erleben ist mehr als ein Kalter Krieg, der ist schon heiß." Nichtsdestotrotz müsse die Nato auf die Invasion in Georgien reagieren. "Russland muss einen Preis zahlen", so Varwick.

Ob sich die vorläufige Aufkündigung des Rats überhaupt als Druckmittel eignet, ist jedoch fraglich. Russland hat sich schon vor längerer Zeit enttäuscht von der Nato gezeigt, nachdem diese ihre Expansion auf Georgien und die Ukraine ausgeweitet hatte, die USA Abwehrraketen in Polen und Tschechien installieren wollen und die westlichen Staaten gegen den Willen Russlands die Unabhängigkeitsbestrebungen des Kosovo unterstützt hatten. "Reich an Ressourcen und militärisch wieder erstarkt, will Russland auch wieder eine Rolle auf dem Parkett der Supermächte spielen", so Frank Kupferschmidt, Experte für Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), im Gespräch mit stern.de. "Genau hier fühlt sich Russland aber übergangen.", sagte Kupferschmidt weiter. Johannes Varwick nannte die Invasion in Georgien ein "schwerwiegendes Signal". "Russland betreibt kühle Machtpolitik, so der Nato-Experte.

Auch Russland braucht den Westen

Wie wenig die Nato dem entgegen zu setzen hat, hat ihre Sondersitzung deutlich gemacht: Nicht einmal die USA haben schwerere Maßnahmen als das Ende des Nato-Russland-Rats in Erwägung gezogen. Ein militärisches Eingreifen in Georgien und damit eine direkte militärische Konfrontation mit Russland will derzeit niemand. Andere Optionen stehen jedoch nicht in Aussicht. "Aber auch die Russen sind auf gute Beziehungen zum Westen angewiesen", sagte SWP-Experte Kupferschmidt. Deshalb bezweifelt er auch ein Szenario, das dem Kalten Krieg gleichkommen könnte. "Das ist unrealistisch. Russland hat längst nicht mehr das militärische Potenzial, wie noch zu Zeiten der Sowjetunion. Was wir derzeit erleben, ist aber eine bedeutende Zäsur."

Der Nato bleibt vorerst nur der Mittelweg zwischen Annäherung zu Russland einerseits und einer gemeinsamen Haltung gegen Moskaus völkerrechtswidrige Politik andererseits. Wie schwer sich die Nato mit einer einheitlichen Strategie allerdings tut, haben die vergangenen Tage gezeigt. Nato-Experte Varwick fordert: "Russland muss sich endlich entscheiden, ob es von seinen Nachbarn gefürchtet werden will, oder ein seriöser Partner sein will. Der Schlüssel liegt in Moskau"

Von Sebastian Huld
KOMMENTARE (10 von 76)
 
Administrator (21.08.2008, 17:47 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Die Diskussion läuft seit einiger Zeit off topic - daher schließen wir die Kommentare an dieser Stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
ecomoc4u (21.08.2008, 16:28 Uhr)
noch eins
@Gisella
nein gisella, ich denke du sieht es schon richtig. hier gibt es tatsächlich faschistoide kommentatoren. ....das geht von bush treuen bis nato einmischung, die ganze palette.
.
@Loki-Asgard
das es polen nie gegeben hat nehme ich dir immer noch übel. leider, weil wir oft einer meinung sind.
.
Antigabriel (21.08.2008, 13:08 Uhr)
@ Loki-Asgard
Doch. Ich kenne auch noch ihre Position. Aber dass ich Sie als einen deutschen Nationalisten bezeichnet haben soll, nur weil Sie eine andere Meinung vertraten, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen
Gisella (21.08.2008, 11:25 Uhr)
@L.A.Woman
-Sie haben völlig recht- und leider sind wir in unseren Kommentaren sehr unfair den Kommentatoren gegenüber.Uneinigkeit macht unsere "Volkvertreter" in allen Ländern nur noch stärker und uns hilflos.Das ist das, was diese Leute auch wollen.Lasst uns fair diskutieren und uns nicht gegenseitig beschimpfen. -Und hier ist meine Meinung- again- soviel Unruhe ,wie sie von den USA gesät wird, hat es seit langem nicht gegeben. Und mit seinen Freunden in Georgien und nun in den Osteuropäischen Ländern fühlt die Bush-Regierung Bestätigung in seiner Macht. Bush sucht und bezahlt die Koalition der"WILLIGEN"-und findet sie auch. Nur Frau Merkel bezahlt mit Ar... Kriecherei.
L.A.WOMAN (21.08.2008, 10:59 Uhr)
Sachlich bleiben
Das Niveau der Kommentare ist im Sinken...
Ein Versuch, zur Aktualität zurückzufinden:
Bei dem Gespräch mit Saakaschwili hätte die Kanzlerin lieber die einseitige Befürwortung zur Nato-Aufnahme gelassen.
Aber, was soll man schon von einer Kanzlerin erwarten, die grinsend das Abwerfen von Atommüllfässern in 15 Metern Tiefe beobachtet, und - obwohl die vorherigen DDR-Behörden dieses für zu gefährlich hielten - dieses ausdrücklich seinerzeit als Umweltministerin genehmigt hat.
(ZDF-Bericht).
Dem entspricht ihre Haltung in Georgien, was kümmern sie die Sorgen und Ängste ihres eigenen Volkes, Hauptsache, Bush, Cheney und die Militärs sind voll des Lobes, danach giert sie förmlich. Aber: Sie hat geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden! Jedoch opfert sie unser Land auf dem Altar der einseitigen USA Unterwürfigkeit und öffnet Tür und Tor zu unvorstellbaren Kriegsoptionen.
Unverständlich ist die Haltung von Steinmeier, jetzt könnte seine Stunde kommen. Es geht auf den Wahlkampf zu, und er hätte die erste Möglichkeit, sich abzugrenzen. Aber dazu sollte er Rückgrat haben, was kaum anzunehmen ist.
Diese unsere Regierung lässt mich um die Zukunft unseres Landes fürchten.
Loki-Asgard (21.08.2008, 09:09 Uhr)
@Antigabriel
Aber aber jetzt bin ich aber enttäuscht, erinnern Sie sich nicht mehr an unsere Diskusion über Bayern und Baden?
Antigabriel (21.08.2008, 06:35 Uhr)
@ Loki-Asgard
Übrigens: Wer seine Nachrichten von der CIA oder vom Mossad hat, weiß meistens mehr als der Rest der Welt. Jedenfalls viel mehr als von irgendeiner obskuren Internetplattform wie altermedia.
Antigabriel (21.08.2008, 06:31 Uhr)
@Loki-Asgard
Ich soll mal geschrieben haben, Sie seien ein böser deutscher Nationalist? Dass das Sommerloch derartige Verstörungen nach sich ziehen kann, hätte ich mir bisher nicht gedacht. Wenn ma schon keine Behauptungen richtig zuordnen kann, fängt man irgendwann mal an, Russen mit Georgiern zu verwechseln.
Die Russen haben nur Recht? So einfach ist die Welt also! Gehirn aus, Kreml-TV an: Wiese bin ich nicht auf diese Idee gekommen - die Russen sind im Recht.
Loki-Asgard (20.08.2008, 22:26 Uhr)
@Known
Besser Altermedia als vom Zentralrat, der cia oder dem Mossad.
Loki-Asgard (20.08.2008, 22:23 Uhr)
@Antigabriel
Sie wissen doch, Ich bin ein böser deutscher Nationalist (haben Sie mir doch mal geschrieben), wie also kann ich Pressesprecher eines Ausländischen Staates sein? Die Russen sind einfach nur im Recht, das ist alles.
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