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24. Juni 2011, 10:01 Uhr

Clinton droht Pakistan mit Geldentzug

Ein Mobiltelefon bestärkt den Verdacht der Amerikaner, dass Pakistans Geheimdienst Osama bin Laden gedeckt haben könnte. Nun liest US-Außenministerin Hillary Clinton dem Land die Leviten. Sie droht damit, die milliardenschwere Militärhilfe einzustellen.

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Hatte Osama bin Laden Kontakt zu pakistanischen Spionen? Ein Handy legt diesen Verdacht nahe© DPA

US-Außenministerin Hillary Clinton hat Pakistan wegen Zweifeln an der Zuverlässigkeit im Kampf gegen Extremisten mit dem Entzug der milliardenschweren Militärhilfe gedroht. Das südasiatische Land sei zwar ein entscheidender Partner der USA, doch stimmten dessen Worte und dessen Taten nicht immer überein, sagte Clinton am Donnerstag in einer Anhörung im Senat. Solange keine Konsequenzen gezogen würden, seien die USA nicht bereit, die Hilfen im bisherigen Umfang zu gewähren. Die amerikanische Chefdiplomatin ließ offen, welche Schritte sie von Pakistan erwartet. Die Regierung in Pakistan müsse aber garantieren, dass sie auf Seiten der USA stehe.

Seit 2001 haben die USA dem pakistanischen Militär mit rund 20 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen. Clinton warf der Führung in Pakistan eine unstetige Politik vor. Einmal handle sie gegen die Interessen und Werte der USA, dann wieder im Einklang mit ihnen. Das Verhältnis zwischen den USA und Pakistan ist seit langem gespannt.

In der Sitzung äußerten auch mehrere Senatoren Zweifel an der Zuverlässigkeit Pakistans. Insbesondere die Politiker, die über die Vergabe der Mittel entschieden, forderten Klarheit vom Partner, sagte etwa Clintons Parteifreund, der demokratische Senator John Kerry.

Bin Ladens Kontakte zum Geheimdienst

Die Skepsis könnte durch einen Zeitungsbericht über die Auswertung des Mobiltelefons eines Kuriers bin Ladens neue Nahrung erhalten. Der Al-Kaida-Chef hatte vor seinem Tod möglicherweise Kontakte zu Aktivisten, die dem pakistanischen Geheimdienst nahestehen. Auf einem im Haus bin Ladens gefundenen Handy seien Anrufe zur Organisation Harakat al Mudschahidin entdeckt worden, berichtet die "New York Times" ("NYT") unter Berufung auf US-Vertreter. Die Gruppe wird von den USA als Terrororganisation eingestuft. Der Zeitung zufolge unterhält sie seit Jahren geheime Kontakte zum einflussreichen pakistanischen Geheimdienst ISI.

Das Handy war während der US-Kommandoaktion auf bin Ladens Anwesen in Pakistan beschlagnahmt worden und wurde offenbar vom Boten des Al-Kaida-Chefs verwendet, der bei dem US-Einsatz ebenfalls getötet wurde. "Es ist ein ernsthafter Anhaltspunkt", sagte ein US-Beamter der "NYT". Ein weiterer US-Vertreter sagte der Zeitung jedoch, es handle sich nicht um einen schlagenden Beweis für Verbindungen bin Ladens zum ISI, da unklar sei, ob die Anrufe dem Terrorchef zuzuordnen seien.

Sollte sich dieser Verdacht allerdings erhärten, wäre dies ein weiterer schwerer Rückschlag in den Beziehungen zwischen den USA und Pakistan, die seit der Tötung bin Ladens am 2. Mai in Abbottabad stark belastet sind. Der Einsatz hatte zutage gebracht, dass der Terrorchef schon lange unbehelligt in Pakistan lebte und Fragen zu einer möglichen Komplizenschaft Pakistans aufgeworfen. Die USA ließen Pakistan vor der Razzia in bin Ladens Unterschlupf im Dunkeln.

Harakat - alter Verbündeter von al Kaida

Die Extremistengruppe Harakat al Mudschahedin ist in der Gegend um Islamabad tief verwurzelt, wie die "NYT" unter Berufung auf Experten berichtet. Harakat-Anführer verfügen demnach über enge Verbindungen sowohl zu den pakistanischen Geheimdiensten als auch zu al Kaida. In den 80er- und frühen 90er-Jahren kämpften Harakat-Anhänger in Afghanistan gegen sowjetische Truppen und gegen Indien im Kashmir-Konflikt. Wie andere Terrorgruppen auch, hat sich Harakat im Laufe der Jahre mehrmals zersplittert und umbenannt. Noch heute lebt ihr Chef, Maulana Fazlur Rehman Khalil, nach "NYT"-Angaben unbehelligt in der Nähe von Islamabad.

mlr/AFP/Reuters
 
 
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