28. Dezember 2012, 20:14 Uhr

Monti stellt sich Berlusconi und Bersani in den Weg

Nach dem Rücktritt die Rückkehr? Ex-Ministerpräsident Mario Monti stellt sich als Kopf einer Koalition der Mitte dem Votum der italienischen Wähler. Er tritt damit auch gegen Silvio Berlusconi an.

Monti, Wahlkampf, Italien, Ministerpräsident, Wahl, Koalition der Mitte, Technokraten-Regierung, Berlusconi

Improvisiertes Pressestatement in Rom: Ex-Ministerpräsident Mario Monti stellt sich überraschend an die Spitze einer neuen Koalition©

Der bisherige italienische Ministerpräsident Mario Monti will an der Spitze einer Koalition der Mitte in den Wahlkampf ziehen. Er wolle einer solchen "Operation zum Erfolg verhelfen", sagte der parteilose Politiker, der von November 2011 bis zu seinem Rücktritt am vergangenen Freitag eine Technokraten-Regierung geleitet hatte, am Freitag vor Journalisten in Rom. Als Senator auf Lebenszeit kann sich Monti bei der Wahl am 24. und 25. Februar nicht persönlich um ein Abgeordnetenmandat bewerben. Montis Erklärung gingen vierstündige Beratungen mit Vertretern von Parteien aus dem Zentrum des politischen Spektrums und mit Vertretern von gesellschaftlichen Verbänden und Organisationen voraus. "Ich übernehme die Rolle des Chefs der Koalition", sagte Monti auf einer improvisierten Pressekonferenz nach dem Abschluss der Beratungen. Er wolle sich für dieses Bündnis "engagieren" und "den Erfolg garantieren". Damit tritt Monti auch gegen seinen Vorgänger Silvio Berlusconi an, der wider Erwarten seine Rückkehr auf die politische Bühne angekündigt hat. Berlusconi führt einen Mitte-Rechts-Block. In den Umfragen vorne liegt das Mitte-Links-Bündnis unter Führung von Pier Luigi Bersani, dem Chef der Demokratischen Partei (DP).

Umfragen: Montis Bündnis dritte Kraft

Monti hatte nach seinem Rücktritt bereits erklärt, er stehe nach der Wahl grundsätzlich erneut für das höchste Regierungsamt zur Verfügung. Am vergangenen Wochenende skizzierte Monti Eckpunkte seines Reformprogramms, darunter ein neues Anti-Korruptionsgesetz, ein Programm zur Liberalisierung der Wirtschaft und eine Reform des Wahlrechts. Dazu komme noch "viel rosa und grün", sagte Monti mit Blick auf Frauen- und Umweltpolitik. Der Allianz unter der Führung Montis werden 10 bis 15 Prozent der Stimmen zugetraut - der drittstärkste Wert nach dem PD-Block (40 Prozent) und dem Berlusconi-Bündnis (20 bis 25 Prozent).

Monti hatte die Regierung inmitten der Finanzkrise im November 2011 vom langjährigen Ministerpräsidenten Berlusconi übernommen. Nach der Verabschiedung des Haushalts 2013 reichte er seinen Rücktritt ein.

dho/AFP
 
 
Jetzt bewerten
7 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Italiens Haushaltssanierung Monti stellt Reformprogramm vor

Die "Agenda Monti" soll es richten: Im Internet veröffentliche der zurückgetretene Ministerpräsident Mario Monti ein Programm zur Schuldenbekämpfung.

Parlamentswahl in Italien Monti lässt sich bitten

Im Wahlkampf will er nicht mitmischen, doch wenn man ihn hinterher ruft, macht er's: Mario Monti hat sich bereit erklärt, Italien erneut als Premier zu führen - und vor seinem Vorgänger gewarnt.

Italienischer Wahlkampf Berlusconis Partei setzt auf Attacken gegen Deutschland

Bei den Euro-Partnern gilt Präsident Montis Sparkurs als Garant für eine Stabilisierung der italienischen Wirtschaft. Aus Sicht von Berlusconis Partei ist sie aber von Deutschland aufgezwungen worden.

Regierungskrise in Italien Berlusconi attackiert Monti als Deutschland-hörig

Der ehemalige italienische Regierungchef Silvio Berlusconi attestiert seinem Nachfolger eine schlechte Politik. Mario Monti habe sich den Vorgaben Deutschlands zu stark gebeugt, so der Vorwurf.

Parlamentswahl in Italien Berlusconi kündigt Kandidatur für 2013 an

Der "Cavaliere" kriegt einfach nicht genug: Silvio Berlusconi will bei der Parlamentswahl im Frühjahr noch einmal antreten und zum fünften Mal Premier von Italien werden.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?