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Kubas berühmteste Bloggerin auf Auslandstournee

In 80 Tagen um die Welt: Wovon Yoani Sánchez lange träumte, ist nun Realität. Dank der neuen Bestimmungen konnte sie aus Kuba ausreisen – mit vollem Terminkalender im Gepäck. Erste Station: Brasilien.

Von Marie Fleischhauer

  Während ihrer achtzigtägigen Reise will die Kubanerin über die Situation in ihrem Land informieren und an zahlreichen Konferenzen teilnehmen

Während ihrer achtzigtägigen Reise will die Kubanerin über die Situation in ihrem Land informieren und an zahlreichen Konferenzen teilnehmen

  • Marie Fleischhauer

Fünf Jahre lang haben die Behörden der berühmten kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez die Ausreise verwehrt, zwanzig Mal hatte sie in dieser Zeit eine Absage bekommen. Die Zeit des Wartens ist für die 37-Jährige nun seit ein paar Tagen vorbei. Die neue Reisefreiheit, die seit dem 14. Januar auf dem Inselstaat offiziell gilt und deren Wirksamkeit die Regimekritikerin mehrfach angezweifelt hatte, darf sie jetzt nutzen. Seit Ende Januar ist Sánchez Besitzerin eines blauen Dokuments mit goldfarbenen Lettern: dem neuen kubanischen Reisepass. Mit dem Erhalt der Lizenz zur Reisefreiheit hat sich die 37-Jährige viel vorgenommen: Per Flugzeug startete die Bloggerin am Sonntag eine 80-tägige Reise um die Welt. Ein Dutzend Länder will sie in den drei Monaten bereisen, erster Stopp ist Brasilien.

Am heimischen Flughafen José Martí in Havanna begleiteten die Bloggerin große Solidaritätsbekundungen – Nachrichtenagenturen, Freunde und Familienmitglieder wollten mit eigenen Augen sehen, wie die in ihrem Land als Regierungsgegnerin bekannte Frau die Kontrollen am Flughafen hinter sich lässt. Den Rummel um ihre Ausreise, äußert sich Sánchez auf Twitter, sieht sie mit gemischten Gefühlen. "Wieso ist es eine Nachricht wert, dass eine Person reist? Wieso ist es eine Überraschung, dass eine Person einen Reisepass erhält? Wegen der absurden Einwanderungsbestimmungen, die über Jahrzehnte hinweg in Kuba Bestand hatten!" Das neue Gesetz zur langersehnten Reisefreiheit sieht Sánchez nicht als "Frucht einer großmütigen Geste" der kubanischen Regierung, sondern als "Resultat der systematischen Klagen gegen die absurden Einwanderungsbestimmungen", schreibt sie auf ihrem Blog "Generación Y".

Solidaritätsbekundungen, aber auch kritische Stimmen

In Brasilien angekommen, nutzte Sánchez – begeistert vom kabellosen Internet – die Gelegenheit, ein erstes Lebenszeichen via Twitter zu senden. "Danke, internationaler Flughafen von Recife, für die Aufmerksamkeit und Zuneigung." In Kuba selbst, wo das Internet staatlich reglementiert ist und sich die Mehrheit der Einheimischen das Surfen in Internetcafés nicht leisten kann, blieb Sánchez bisher eher unbekannt. Die über 417.000 Follower auf Twitter kommen vor allem aus den USA und Europa.

Bei ihrer Ankunft im brasilianischen Nordosten erwarteten die Aktivistin jedoch nicht nur Blumen und Geschenke, es hatten sich auch Demonstranten versammelt, die ihre Ausreise kritisch sahen. Auf ihrem Blog bemerkte sie dazu: "Das war das, wovon ich immer träumte, dass sich die Leute in meinem Land eines Tages auch ohne Repressalien öffentlich gegen etwas äußern dürfen. Ein wirkliches Geschenk der Meinungsvielfalt für mich, die von einer Insel kommt, die man mit der monochromen Farbe der Einstimmigkeit einzufärben versucht hat."

Nach Brasilien will Sánchez in die Tschechische Republik reisen, danach führt die Route nach Spanien, Mexiko, in die USA, nach Holland, Deutschland, in die Schweiz, nach Schweden und Italien. In den Ländern will die Bloggerin die zahlreichen Preise und Auszeichnungen abholen, die sie für ihre kritische Berichterstattung auf ihrem Blog aus aller Welt erhalten hat. Hinzu kommen zahlreiche Vorträge, Konferenzen und Interviews, auch ein Besuch in den USA bei Google, Twitter und Facebook sei in Planung, so Sánchez. Ein Terminkalender wie der einer Botschafterin.

Der Kampf für ein freies Kuba geht weiter

Einen Maulkorb will sich die Journalistin auch im Ausland nicht anlegen lassen. Die 37-Jährige will weiter über die Lebensumstände in Kuba informieren und auch die politischen Verhältnisse und das Machtsystem des Karibikstaats kritisieren. "Ich werde über mein Land und über die fehlende Freiheit, unter der wir Kubaner leiden, das sagen, was ich denke. Bei mir wird kein Pass als Maulsperre funktionieren, keine Reise als Köder", gibt sie bekannt.

Ein Leben im Exil kommt für Sánchez nicht infrage. Dass sie nach der dreimonatigen Rundreise nach Kuba zurückkehrt, ist für sie eine Selbstverständlichkeit: "Auf dieser Insel werden meine Enkel geboren, und sie werden mich dort unter einem Baum begraben. Ich mache weiter." Ihre Aufgabe, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, ist schließlich noch nicht vollendet. Auf ihrem Twitter-Account nennt die Aktivistin zahlreiche Personen - meist unbekanntere Regimekritiker - deren Ausreise von den kubanischen Behörden verweigert wurde. Yoani Sánchez weiß, dass sie Glück gehabt hat - vielleicht wegen ihrer Popularität weltweit. Doch sie weiß auch, dass noch zu viel zu tun ist auf dem Weg zu einem freien Kuba.

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