5. Mai 2009, 16:27 Uhr

Russland sagt Nato-Treffen ab

Das Verhältnis zwischen dem Kreml und der Nato steht vor einem neuen Belastungstest: Der russische Außenminister Lawrow will nicht mehr an einer geplanten Sitzung des Nato-Russland-Rates teilnehmen. Grund ist ein Militärmanöver im Krisenherd Georgien.

Georgien, Tiflis, Militärputsch, Russland, Geheimdienst, Nato,  Moskau, Dialog, Georgien-Konflikt

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hält ein Nato-Manöver in Georgien für "unpassend"©

Die Beziehungen zwischen Russland und der Nato haben sich erneut verschlechtert. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte am Dienstag seine Teilnahme an einer für den 19. Mai in Brüssel geplanten Sitzung des Nato-Russland-Rates ab. Der Minister halte eine solche Beratung vor dem Hintergrund eines an diesem Mittwoch beginnenden Nato-Manövers in Georgien für "unpassend", sagte der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin am Dienstag.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bedauerte die Absage und verschob das Treffen auf einen späteren Zeitpunkt. "Er bedauert diese Entscheidung, denn das Ministertreffen wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Fragen von beiderseitigem Interesse zu erörtern", sagte ein Nato-Sprecher am Dienstag in Brüssel. Mit dem Treffen des Nato-Russland-Rates sollte die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten wieder aufgenommen werden, die nach dem russischen Einmarsch in Georgien vom August 2008 von der Nato auf Eis gelegt worden war.

Die Nato beginnt an diesem Mittwoch mit insgesamt 1900 Soldaten ein Manöver in der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien. Russland bezeichnet die Militärübung im Nachbarland als "offene Provokation" und verweist auf die weiter instabile Lage in der Region nach dem Südkaukasus-Krieg im Vorjahr. Von seiner ablehnenden Haltung habe Moskau mindestens drei der 19 Länder, die an dem Manöver ursprünglich teilnehmen wollten, überzeugen können, berichtete die Zeitung "Wedomosti". Moldawien, Serbien und Kasachstan hätten ihre Teilnahme mittlerweile abgesagt.

Spielt Ausweisung eine Rolle?

Ein namentlich nicht genannter Sprecher des Außenministeriums in Moskau sagte am Dienstag der russischen Agentur Interfax, die Absage von Lawrow hänge auch mit der jüngsten Ausweisung von zwei angeblichen russischen Spionen durch die Nato zusammen. Die Nato hatte vor einer Woche zwei russischen Diplomaten die Erlaubnis entzogen, das Gelände der Nato-Zentrale in Brüssel zu betreten. Dies wurde mit Spionage begründet. Die russische Regierung bezeichnete das Vorgehen als eine "grobe Provokation". Fast zeitgleich hatte ein Nato-Sprecher den Ausbau der russischen Militärpräsenz in Georgien kritisiert und die Moskauer Proteste gegen das Nato-Manöver in Georgien zurückgewiesen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Gisella (06.05.2009, 10:39 Uhr)
die Nato
provoziert die Russen und das nicht zu knapp. Sack-arsch-Willi wird wieder der Rücken gestärkt, der muss sich doch kaputtlachen.-Und wie kommte es, daß in unseren Nachrichten niemand darüber berichtet??? Censur??? Yes, they can.
Tobi_G (06.05.2009, 09:24 Uhr)
http://www.nato.int
Auf der NATO Webseite findet sich kein Hinweis auf das Manöver, zumindest konnte ich nichts finden. Interessant auch, dass die Seite auf Englisch, Französisch und Russisch ist - Deutsch aber fehlt.
Zur Verspottung der Besucher ist als i-Tüpfelchen das Kontaktformular deaktiviert - angeblich wegen technischer Probleme. Ich bin Webdesigner - sowas erledige ich in 5 Minuten. Von wegen Probleme, sie werden der Flut von Protesten nicht mehr Herr, würde ich wetten.
Was lassen wir da mit uns machen? Es wird Zeit, dass wir uns politisch wehren!!
LaoLu (06.05.2009, 01:10 Uhr)
Raus aus der Nato!
und zwar zügig!
jetrabbit (05.05.2009, 21:09 Uhr)
wie lange werden wir
unsere eliten noch kriegsspiele spielen lassen. wir müssen mitspielen, verantwortung tragen, und zum schluss die kosten tragen... warum stopt keiner diesen judeo/christen wahnsinn.
joerch (05.05.2009, 18:40 Uhr)
NATO - eine Gefahr für den Frieden ?
Wollen die NATO Generäle die Wirtschaftskrise durch neue kriegerische Aktionen lösen ??
Provokanter geht es nun wirklich nicht. Wer hat diese blödsinnige Idee eigentlich gehabt und durchgesetzt ? Bisher habe ich geglaubt das die NATO ist ein Bündnis welches als Gleichgewicht für den Erhalt von Frieden ist. Und jetzt zündeln einige alte Herren in Karnevalskostümen die, wenn brenzlich wird, schnell in ihren sichern Bunkern vergnügen. Gefährlich.
MEHR ZUM ARTIKEL
Nach Georgien-Konflikt Nato will wieder mit Moskau reden

Nach monatelanger Eiszeit will die Nato die formellen Beziehungen zu Russland wiederaufnehmen. Allerdings sei das Bündnis mit der Politik Moskaus in einigen Punkten nicht einverstanden, so Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Die Beziehungen waren auf Eis gelegt worden, nachdem Russland im August 2008 in Georgien einmarschiert war.

Krisentreffen Nato setzt Moskau unter Druck

Die Nato wird vorerst nicht mehr mit Russland im gemeinsamen Nato-Russland-Rat zusammenarbeiten - zumindest so lange, bis Moskau seine Truppen vollständig aus Georgien abgezogen hat. Unterdessen haben die Russen mit dem Abzug begonnen: Eine erste Kolonne hat die Stadt Gori verlassen.

Georgien Angebliche russische Verschwörung vereitelt

Georgiens Innenministerium hat mehrere hochrangige Offiziere festnehmen lassen. Angeblich haben sie zusammen mit dem russischen Geheimdienst einen Militärputsch und einen Sprengstoffanschlag auf ein Nato-Manöver geplant.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?