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21. Dezember 2009, 11:25 Uhr

Wie China die USA degradierte

In Kopenhagen hat sich eine neue Weltordnung gezeigt. China war der mächtigste Spieler und ließ das Bild von den USA als globaler Nummer eins verblassen. Barack Obama bekam das deutlich zu spüren. Von Peter Ehrlich, Kopenhagen

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Bestimmendes Auftreten: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao mit US-Präsident Barack Obama bei einem Treffen in Kopenhagen© Pete Souza/AFP

China ist eine uralte Macht und Chinesen kennen sich mit Herrschaftssymbolen aus. Aber selbst für einen Staat wie China war es eine ungewöhnliche Machtdemonstration. Ministerpräsident Wen Jiabao residierte in einem Hotel außerhalb des Konferenzzentrums.

Zweimal musste US-Präsident Barack Obama, der immer noch gern als der mächtigste Mann der Welt bezeichnet wird, am Freitag das Bella Center verlassen und bei Wen vorsprechen, um den Klimagipfel irgendwie zu retten. Beim zweiten Mal ließ Wen Obama sogar warten, nach Angaben aus internationalen Verhandlungskreisen über eine halbe Stunde. Er habe noch andere Gesprächspartner, ließ Wen ausrichten.

Ins Konferenzzentrum ging Wen nur einmal, um vor der Vollversammlung Chinas Sicht der Dinge darzulegen. An den Verhandlungen in der 25er-Gruppe nahm er anders als Obama, Kanzlerin Angela Merkel oder Brasiliens Präsident Jose Ignacio Lula da Silva nicht teil. Und Wens Vertreter dort verschwand am Freitag um 16 Uhr und kam erst um 20.30 Uhr zurück - offenbar ohne Begründung.

Rüde chinesische Diplomaten

"Es zeigt sich ein selbstbewusstes China", sagte Merkel in der Nacht zum Samstag vor ihrem Rückflug nach Berlin. Selbstbewusst war China allerdings schon lange. Chinesische Diplomaten galten in Berlin schon lange als eher rüde. Aber ihre manchmal harschen Interventionen beschränkten sich früher auf Themen wie die Ein-China-Politik und Tibet.

Je mächtiger sie wirtschaftlich wurden, umso mehr drängte der Westen China, sich auch für andere Themen mit verantwortlich zu fühlen. Auch Merkel versuchte in ihren Gesprächen mit Wen und Staatspräsident Hu Jintao immer wieder, Chinas Führung nicht nur beim Thema Klima von einer aktiveren Rolle zu überzeugen.

China hat das ernst genommen, aber nicht ganz so, wie sich das viele im Westen vorgestellt haben. Seit einigen Jahren nutzt China seine alten Kontakte zur rund 130 Staaten umfassenden Gruppe der G77, also der Entwicklungsländer, um weltweit Verbündete zu haben.

China sammelt Vasallen

Viele afrikanische Staaten hängen inzwischen an chinesischer Entwicklungshilfe. Europäische Diplomaten sind überzeugt, dass die harten Interventionen Sudans gegen die dänische Leitung der Klimakonferenz von China gesteuert wurden. China macht jetzt das, was die USA und die Sowjetunion in den 60er, 70er und 80er Jahren betrieben haben - Vasallen um sich sammeln.

Dabei ist China kein Entwicklungsland mehr. Bis das bevölkerungsreichste Land der Erde die USA als größte Wirtschaftsmacht überholt, wird es zwar noch viele Jahre dauern. Aber größter Umweltverschmutzer beim CO2 ist das Land schon, deshalb ist auch Klimapolitik ohne China unmöglich.

Als Exporteur liegen die Chinesen seit Jahren etwa gleichauf mit Deutschland. Die meisten weniger entwickelten Staaten haben auch im Klimaprozess längst andere Interessen als China. China ist seit Kopenhagen endgültig nicht nur Großmacht, sondern Weltmacht. Der Einfluss der restlichen Welt auf Weltmächte ist beschränkt, das haben die USA lange genug vorgemacht. Ausgerechnet jetzt, wo die USA unter Obama die multipolare Welt akzeptiert haben, tritt eine neue Weltmacht auf den Plan, die nach ihren eigenen Regeln spielen will.

Dieser Artikel wurde gefunden... ...in der aktuellen Financial Times Deutschland

Von Peter Ehrlich, Kopenhagen
 
 
KOMMENTARE (10 von 76)
 
Hans-Holger (24.12.2009, 02:51 Uhr)
@LaoLu aus dem Outback
war nicht meine Absicht - sorry! Denke auch nicht, dass jemand meine Ratschlaege braucht. Oder wollten Sie mich dieses Mal 'veraeppeln'?
Ich gebe auch zu, dass es schwierig ist, in solchen Foren kurz und umfassend zu formulieren. Bezueglich der Minderheiten ist es z.B so. Es kommt darauf an, welche Minderheiten man beruecksichtigt. Stimmen Sie mit mir ueberein, dass das Thema Minderheiten in China ein sehr komplexes ist? Viele Minderheiten geniessen tatsaechlich Vorteile. Auf der anderen Seite zeigen ja gerade die Unruhen in Tibet und in der Uiguren-Provinz Xing Xiang wie schwierig das Verhaeltnis noch zu einigen Minderheiten ist.
LaoLu (23.12.2009, 11:53 Uhr)
Irrtum, ganzbaf.
Die Han-Chinesen sind in der Minderheit in der autonomen Region Tibet der Volksrepublik China.
So ist das, völkerrechtlich.
Einige hätten das gerne anders, ich weiß.
ganzbaf (23.12.2009, 08:20 Uhr)
Na, dass...

die Chinesen in Wahrheit eine Minderheit im Königreich Tibet sind.
LaoLu (22.12.2009, 23:56 Uhr)
Danke für die väterlichen Ratschläge, Hans-Holger,
ich werde mich zukünftig bemühen, Ihren Ansprüchen gerecht zu werde.

Aber Sie haben meine Frage nicht beantwortet:
Was war an meinem Kommentar bzgl. der Rechte von Minoritäten in China simpel?
:
sunrydz (22.12.2009, 23:31 Uhr)
Tsunami
Hinter der Machtfassade ist offenbar den Weltführern entgangen, dass sich diese Entscheidung sich wie ein Erdbeben auswirkt und in wenigen Jahren in armen Ländern tsunamiartige Folgen erreichen wird.
Hans-Holger (22.12.2009, 15:17 Uhr)
@ LaoLu
das war mir schon bewusst. Aber ich denke, dass so ein Thema ohnehin schon genug emotionsbeladen ist - wie man ja auch an den Kommentaren sieht. Auf Unsachlichkeiten sachlich erwidern ist die Kunst!
Also dann von mir Frohe Weihnachten aus Australien!
LaoLu (22.12.2009, 13:26 Uhr)
@Hans-Holger
Sie sollte sorgfältiger lesen.
Ich habe die Mitkommentatoren "veräppelt", indem ich ihre Nicks bewußt falsch geschrieben habe (nachdem man mich als Lalou angesprochen hat).
Und was, bitte schön, war an meinen Bemerkungen zu den Rechten der Minoritäten in China simpel?
Hans-Holger (22.12.2009, 03:09 Uhr)
@ LaoLu, @RudiRastlos
@ LaoLu: Du magst vielleicht kein Chinese sein aber Du kennst Dich recht gut aus. Allerdings ist mir Deine Sicht der Dinge etwas zu simpel und ich glaube nicht, dass dieses Thema zum 'veraeppeln' geeignet ist.
Wen JiaoBao wird Dir den Schreibfehler nachsehen und wenn nicht, musst Du halt fuer ein paar Jahre Muster in die Wueste walzen :-)
@ RudiRastlos: Kein schlechter Beitrag aber vielleicht waere es gut gewesen, wenn Du es noch mal gelesen haettest bevor Du es abschickst.
LaoLu (22.12.2009, 00:23 Uhr)
Asche auf mein Haupt
Da veräppel' ich hier die Mitkommentatoren, die nicht in der Lage sind, einen Nick richtig abzuschreiben,
und dann unterschlage ich dem alten Wen ein O
Oh oh.
Der heißt natürlich Wen JiaoBao.
LaoLu (21.12.2009, 23:59 Uhr)
Noch was: Die Meldung, Wen Jiabao habe Obama
eine halbe Stunde warten lassen, als der ihn in seinem Hotel außerhalb des Kongresszentrums aufgesucht hat, ist wohl eine weitere Pekingente.
Ein Teil der westlichen Presse hat ein erheblich gestörtes Verhältnis zum heutigen China.
Und zur Wahrheit.
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