27. Juli 2007, 11:23 Uhr

Dieser kinderlose Gas-Gerd

Deutsche spielen im Bewusstsein der Amerikaner keine Rolle. Es sei denn, sie verprügeln Ausländer oder entkleiden sich am Strand oder prostituieren sich - wie Gerhard Schröder. Und das Schlimmste: Kinder können die Deutschen auch nicht. Von Jan Christoph Wiechmann

Schröder eine Hure? Merkel komisch frisiert? - kinderlos sind sie beide©

Kürzlich fragte mich ein New Yorker Professor auf einem Empfang der Vereinten Nationen, was mit den Deutschen los sei. Er hatte einen Fernsehbericht über einen bestimmten Deutschen gesehen. Es kommt nicht oft vor, dass sich amerikanische Medien mit Deutschen beschäftigen. Sie spielen in der Wahrnehmung Amerikas keine große Rolle, es sei denn, sie jagen Ausländer oder ziehen Eisbärenbabys groß oder werden mit nacktem Hintern am Strand fotografiert - wie im vergangenen Sommer unsere Bundeskanzlerin.

Der Deutsche in dem Bericht war Gerhard Schröder. Legte man den Bericht freundlich aus, war Schröder ein unerträglicher Populist, der Russlands Autokraten Wladimir Putin noch immer den Rücken stärkte. Legte man den Bericht unfreundlich aus, war Schröder ein korruptes Schwein, das noch während seiner Amtszeit Deals mit dem russischen Unternehmen Gasprom einfädelte, für das er heute aktiv ist. Der Professor nannte Schröder ein korruptes Schwein. Er nannte ihn Gas-Gerd. Er genoss dies. Er nippte am französischen Rotwein und genoss seinen Wortwitz. Er fand den Namen Gas-Gerd noch schmeichelhaft. Der demokratische Kongressabgeordnete Tom Lantos nannte Schröder Jahre lang eine "politische Prostituierte", bis sich die Prostituierten in seinem Wahlkreis über den Vergleich beschwerten.

Der Kanzler - eine Hure. Die Deutschen - korrupt

So weit waren wir nach fünf Minuten Smalltalk auf diesem UN-Empfang also gekommen: Der Kanzler - eine Hure. Die Deutschen - korrupt. Der Professor war im Angriff. Er wollte provozieren. Er wartete auf eine Reaktion.

Als Deutscher in Amerika verspüre ich einen merkwürdigen Impuls. Ich verteidige Deutsche. Ich verteidige selbst einen unerträglichen Populisten wie Schröder. Ich nahm einen kräftigen Schluck deutsches Bier und erwiderte, dass Schröder so etwas wie den "American Dream" gelebt habe. Er habe sich - ganz im Gegensatz zu George W. Bush - als Halbwaise und Sohn einer armen Putzfrau zum deutschen Bundeskanzler hochgearbeitet. Er sei so etwas wie der Bill Clinton von Germany. Der Larry King vom Lipperland. Der Tiger Woods von Talle. Aber das machte keinen Eindruck auf den Professor. Er selbst wurde als Sohn von Holocaust-Überlebenden in einem Lager bei München geboren und hat sich in die Führung eines Pharmaunternehmens hochgearbeitet.

Dann machte ich einen verhängnisvollen Fehler. Ich sagte, in einem weltoffenen Land wie Deutschland könne selbst ein viermal verheirateter Mann wie Schröder Kanzler werden. Aber das hätte ich nicht tun sollen. "Vier Frauen?", sagte der Professor bestürzt. "Das hat ja Elizabeth-Taylor-Niveau. Das sagt doch alles über den Charakter eines Menschen." Ein Frauenverbraucher wie Schröder würde in Amerika nicht mal zum Ortsvorsteher gewählt, selbst im weltoffenen New York.

Vier Frauen und kein Kind

"Wie viele Kinder hat Schröder mit den vier Frauen gezeugt?", fragte der Professor.
"Kein Kind", sagte ich.
"Vier Frauen und kein Kind?"
"Genau."

Da war er sprachlos. So sind die Deutschen also, sagte sein verstörter Blick. Fanatische Kinderverweigerer, die noch vor wenigen Jahrzehnten fanatisch für ihren Führer gebaren. Er fragte nach der Geburtenrate der Deutschen, und ich musste zugeben, dass sie zu den niedrigsten der Welt gehörte (1,3 Kinder pro Frau), nur knapp vor Japan und dem Vatikanstaat.

Ich suchte nach einer Möglichkeit, um dem Gespräch zu entkommen. Vielleicht war auf diesem UN-Empfang ja ein Vertreter des Vatikanstaats anwesend, hoffte ich, aber der Professor hatte Gefallen gefunden an der Analyse der Deutschen. Wir gingen einige andere ihm bekannte Deutsche durch, aber das verschlechterte meine Position nur. Joschka Fischer musste ungefähr bei der sechsten Ehefrau angekommen sein und Boris Becker bei einer Menge Liebhaberinnen und unehelicher Kinder, die er in Besenkammern zeugte.

Sehr viel mehr Deutsche kannte der Professor nicht. Angela Merkel (2 Männer, 0 Kinder) kennt man hier nur, weil sich Amerikaner über ihre Frisur aufregen. Siegfried und Roy (O Frauen, O Kinder) kennen sie, weil sie sich von Tigern fressen lassen. Den Kannibalen von Rotenburg (0 Frauen, 0 Kinder) kennen sie, weil er Menschen frisst, und dann kennen sie noch die Monstermutter von Frankfurt/Oder (1 Mann, 13 Kinder), weil sie vor zwei Jahren neun ihrer Kinder tötete. Die Deutschen, so urteilte der Professor spitzzüngig, mussten so etwas wie ein Kinder verweigerndes, Kinder vernichtendes Volk sein.

Es wurde immer schlimmer.

Das brachte ihn zu einem heiklen Punkt. Wofür ist das Volk der Dichter und Denker heute eigentlich bekannt?, fragte er und lieferte die Antworten gleich mit. Siegfried und Roy für Tigerklamauk. Boris Becker für Besenkammeraffären. Steffi Graf für ihre Ehe mit Andre Agassi. Gab es sonst noch jemanden? Große Deutsche? Deutsche von Weltformat? Ich schlug ihm Michael Schumacher und Martin Walser vor, aber kaum einer in Amerika kennt sie. Ich schlug ihm den besten Basketballspieler der Welt, Dirk Nowitzki vor, aber der gilt seit dem frühen Aus bei den NBA-Play-Offs als Memme. Würde man Amerikaner nach bekannten Deutschen fragen, so würden sie an Nummer eins wahrscheinlich Adolf Hitler wählen, gefolgt von Hermann Göring und Joseph Goebbels.

Ich dachte an Friedrich Schiller (1 Frau, 4 Kinder) und Richard von Weizsäcker (1 Frau, 4 Kinder) und Ursula van der Leyen (1 Mann, 7 Kinder) und trat gedemütigt ans Büffet.

 
 
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KOMMENTARE (10 von 33)
 
sachsenwini (28.07.2007, 15:08 Uhr)

Die Entdeckung Amerikas war schon wichtig.
sonst hätten wir jetzt in Europa keine Kartfoffeln.
bismarck (28.07.2007, 02:14 Uhr)
Warscheinlich soll das lustig sein...
... wieviel Unterbelichtete dann allerdings daherkommen und tatsaechlich in Ihren Kommentaren die ueberspitzten Exzesse des Herrn Wiechmann fuer bare Muentze nehmen, das ist schon amuesant. Was man hier so an daemlichen Vorurteilen liest bestaetigt mir dass der Gemeine Deutsche nicht nicht viel klueger als der hier so viel beschworene gemeine Amerikaner ist. Fuer den einen sind es Bratwurst, Hitler, Lederhose, fuer den anderen Hamburger, Todesstrafe, Bush... fuer mehr reicht's wohl nicht.
ude01 (27.07.2007, 16:59 Uhr)
Der Artikel
... ist wiede rmal typisch für den Spiegel. Der Autor Jan Christoph Wiechmann hat hier ein Meisterstück miserabler Journalie abgeliefert. Was Schröder angeht jedoch ist dei Analyse jenes ominösen Prof. allerdings absolut korrekt.
belzebub99 (27.07.2007, 16:33 Uhr)
Die üblichen Kommentare,
voller Antiamerkanismus und schlechtem Witz.
Zu Eurem Trost: Deutschland spielt eben nicht die Rolle in der Welt, wie sie hier den Leuten von Politik und Journalisten vorgegaukelt wird.
Leider!
J.Stahl (27.07.2007, 16:23 Uhr)
stimmungsmache
ich war schon oft genug in den usa und habe auch ständigen kontakt mit amerikanern und bin noch nie solchen vorurteilen begegnet!ich habe diese stimmungsmache gegen die usa satt.zuerst haben die deutschen alles übernommen was die ami hatten und jetzt ist auf einmal alles schlecht.natürlich hat amerika sich dank bush zum nachteil verändert.aber dafür kann man nicht jeden einzelnen amerikaner verurteilen.die meisten ami die ich kenne sind tottraurig wenn sie aus dtl.wegkommen.sie machen die erfahrung das die deutschen mit ihnen nichts zu tun haben wollen.wenn diese ami dann schlecht über die deutschen denken braucht man sich nicht wundern.aber mir ist kein fall bekannt.
Roy05441 (27.07.2007, 16:19 Uhr)
Ach lieber Gerhard.....
schick all die Frauen zu mir, ich werd sie als 70jähriger schon schwängern. Ich werde dafür sorgen, dass alle Nachkommen ohne ach und weh, niemals Anhänger werden der SPD!
joachimk (27.07.2007, 16:03 Uhr)
oberflaechlich
was mir seit laengerem schon auffaellt, ist dass in Deutschland die USA und die Leute dort auf ein paar Schlagworte reduziert werden, oder anders gesagt, in Deutschland
beurteilt man die Amerikaner so, wie
man genau jenen Amerikanern vorwirft, uns Deutsche zu sehen, reduziert auf ein paar Schlagworte.
George W. hat unterirdische Akzeptanz, aehnlich schlecht wie Nixon zur Zeit von Watergate, aufgrund all den Punkten, die man ihm
auch in DE immer vorwirft. Im Gegenzug ist fuer allzu viele Deutsche der Gas-Gerd (gefaellt mir) sakrosankt, oder anders gesagt, man betrachtet Schroeder mit erheblich mehr Naivitaet als die Amis ihren Praesidenten.
Ich muss dem Professor recht geben, Schroeder ist korrupt und ein sich prostituierender Selbstdarsteller.
lg
Aber das passt nicht so recht ins froehlich antiamerikansiche Bild in DE.
erichmonika (27.07.2007, 16:03 Uhr)
USA Professor - na ja
Wenn das Stimmt, was der Herr Weichmann da vor sich hin schreibt, dann kann in den USA jeder Dödel Proffessor werden. Welch hohes Niveau, ein Sack voll Vorurteile. Aber die haben ja auch den Bush gewählt.
auwei (27.07.2007, 15:24 Uhr)
auwei
Erstens: netter Artikel. Zweitens: stellen die schergen der us-ultrakonservativen jetzt schon die mehrheit der leserbriefschreiber? drittens: keine frage - die usa sind absurdistan, aber deutschland ist auch nicht ohne. viertens: gerd schröder war ein guter kanzler, ihm verdanken wir große teile des aufschwungs und ein klares wort zum völkerrechtswidrigen irakkrieg. fünftens: weiter so, herr wiechmann - auch ihre krankenhausgeschichte war klasse (und die meisten leserkommentare unter aller kanone - wirklich!!)
Roy05441 (27.07.2007, 15:23 Uhr)
Ach lieber Gerhard.....
Schick diese Frauen zu mir, ich pflanze als 70 jähriger meinen Samen ein, und sage dir, dies sind zukünftige SPD-Wähler, auch ohne Tschertschenen Tötungs-Geschwür!
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