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Putin verbietet US-Familien Adoptionen

US-Bürger dürfen keine russischen Kinder mehr adoptieren. Ein entsprechendes Gesetz hat Wladimir Putin unterzeichnet. Damit kehrt in die Beziehungen beider Staaten das "Auge um Auge"-Prinzip zurück.

  Hat das neue Adoptionsgesetz unterzeichnet: der russische Präsident Wladimir Putin

Hat das neue Adoptionsgesetz unterzeichnet: der russische Präsident Wladimir Putin

US-Familien dürfen endgültig keine russischen Kinder mehr adoptieren. Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Freitag trotz Protesten von Bürgerrechtlern wie angekündigt das umstrittene Verbot. Der Chef des Kreml-Menschenrechtsrates, Michail Fedotow, bedauerte den Schritt. Von dem Adoptionsstopp seien aktuell 52 Kinder betroffen, die bereits Zusagen für US-Familien hatten, sagte der Kinderschutzbeauftragte Pawel Astachow der Agentur Interfax. Sie sollen nun in Russland unter persönlicher Kontrolle der Gouverneure vermittelt werden.

Das Adoptionsverbot ist Teil eines anti-amerikanischen Gesetzes, mit dem Moskau auf US-Sanktionen gegen russische Beamte wegen Menschenrechtsverletzungen antwortet. Zudem kündigt Russland zum 1. Januar 2013 ein erst im Sommer 2011 geschlossenes Adoptionsabkommen mit den USA auf. US-Familien hatten in den vergangenen 20 Jahren rund 60.000 russische Kinder aufgenommen. In Russland sorgten Berichte über einzelne Misshandlungen der Adoptivkinder durch ihre neuen amerikanischen Eltern für Empörung.

Reaktion auf ein Unglück von 2008

Am Mittwoch hatte bereits der Föderationsrat in Moskau - das Oberhaus - einstimmig für das Dokument votiert, das auch "Dima-Jakowlew-Gesetz" genannt wird. Dmitri Jakowlew, Kosename Dima, war im Alter von 21 Monaten gestorben, nachdem sein US-Adoptivvater ihn 2008 bei brütend heißem Wetter im Auto vergessen hatte. Dass der Vater freigesprochen wurde, sorgte in Russland für enorme Empörung. Nun schiebt Moskau in Dimas Namen Adoptionen in die USA einen Riegel vor. Nationalisten, die ein "Ausbluten" der Nation beklagen, sind entzückt.

Noch einen Schritt weiter will der Kinderschutzbeauftragte Pawel Astachow gehen - Adoptionen ins Ausland seien generell schädlich, sagt er. Nicht nur Dima, sondern insgesamt 19 russische Adoptivkinder seien in den vergangenen 20 Jahren in den USA ums Leben gekommen, betonen Befürworter des Gesetzes. In dieser Zeit nahmen US-Familien etwa 60.000 russische Kinder auf.

Kritiker sind sicher, dass die Sorge der Parlamentarier um das Kindeswohl nur vorgeschoben ist. Sie betonen, dass die etwa 650.000 Kinder, die derzeit in Russland ohne Eltern aufwachsen, kaum Aussichten auf eine glückliche Zukunft haben. Immer wieder kommen Kinder in Pflegefamilien oder Heimen zu Tode - oft durch brutale Gewalt. Die Opfer zählt kaum jemand im Riesenreich.

Auge um Auge mit den USA

Viele der 100.000 Waisen, die im größten Land der Erde in Kinderheimen untergebracht sind, leben dort unter besorgniserregenden Zuständen. Pflege und Ausbildung sind mangelhaft. Oft ist eine kriminelle Laufbahn vorprogrammiert, legale Alternativen sind rar. Experten weisen auch darauf hin, dass US-Familien überdurchschnittlich häufig behinderte Kinder aufnehmen, die in Russland noch immer oft von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Gerade solche Waisen würden nun Geiseln eines politischen Streites, monieren Kritiker in Moskau.

Denn das neue Dokument ist explizit eine Antwort auf den "Magnitsky Act" in den USA, der Sanktionen gegen russische Beamte bei Menschenrechtsverstößen vorsieht. "Das Absurde liegt darin, dass der 'Magnitsky Act' auf unsere Beamten zielt, unser Gesetz aber auf kranke Waisen", sagt Galina Michaljowa von der liberalen Partei Jabloko der Zeitung "Nowyje Iswestija".

Moskau will auf US-Sanktionen reagieren

Das Gesetz gilt nicht zuletzt als weiterer Tiefschlag für die Beziehungen mit den USA. Von dem einst verkündeten "Neustart" ist kaum etwas übrig, das Misstrauen vor allem in Moskau groß. Vorsorglich kündigte Alexej Puschkow, Chef des außenpolitischen Ausschusses der Staatsduma, an, auf jede US-Sanktion gegen Russland zu reagieren. Das Prinzip "Auge um Auge" ist wieder in Kraft.

Fast außer Acht gerät dabei das Schicksal von Sergej Magnitski, dem Namensgeber des US-Gesetzes. Der Anwalt hatte einen gewaltigen Korruptionsskandal im russischen Innenministerium publik gemacht, bevor er unter dubioser Begründung in Moskau in Haft genommen wurde und 2009 qualvoll starb. Sein Tod bleibt voraussichtlich ungesühnt. Ein Gericht in der russischen Hauptstadt sprach den einzigen angeklagten Beamten vom Vorwurf der Fahrlässigkeit frei.

tkr/Benedikt von Imhoff/DPA/DPA

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