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20. Juli 2008, 08:34 Uhr

Ein Orden für Honecker

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega lud zum 29. Jahrestag der sandinistischen Revolution. Prominente Gäste sammelten sich auf der Ehrentribüne: Nicht nur Che Guevaras Witwe war anwesend, auch Margot Honecker ließ sich feiern. Von Tobias Käufer, Managua

Margot Honecker nahm die Ehrung stellvertretend für ihren 1994 verstorbenen Mann entgegen© Miguel Alvarez/AFP

Fast war es wie früher: Während vorne die Massen marschieren, reckt sie auf dem Podium die geballte Faust gen Himmel. Margot Honecker, Ehefrau des ehemaligen DDR-Staatrsratsvorsitzenden Erich Honecker genoss ihren Auftritt bei den Feierlichkeiten zum 29. Jahrestag der sandinistischen Revolution in Nicaragua. Die Haare schneeweiß, während um den Hals eine schlichte Kette baumelt: Die ehemalige Ministerin für Volksbildung der DDR wirkte trotz ihrer mittlerweile 81 Jahre topfit. Wie sehr ihr der Jubel der Massen gefiel, verriet das stolze Lächeln Gesicht. Als Nicaraguas Liedermacher Philip Montalván auch noch den sozialistischen Gassenhauer "Ein vereintes Volk wird niemals besiegt" aus voller Brust zum Best gab, war es fast so wie früher in Ost-Berlin oder Moskau. Allerdings wird das Lied wohl kaum eine Anspielung auf das wiedervereinte Deutschland gewesen sein.

Die Sprecherin und Frau des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, Rosario Murillo, hatte schon vor den Feierlichkeiten den Grund für eine Ehrung verraten, die Margot Honecker für ihren Mann Erich stellvertretend entgegennahm: "Er war so solidarisch, so besonders, so liebevoll zu dem freien Volk von Nicaragua." Der frühere DDR-Staats- und Parteichef, der 1994 in Santiago de Chile starb, sei einer der Hauptverbündeten der ersten sandinistischen Regierung unter Ortega in den 80er Jahren gewesen, jubelte Murillo. Eine herzliche Umarmung der beiden Damen auf der Ehrentribüne in Managua sollten diese Worte noch einmal unterstreichen. Die beiden Familien verband auch nach dem Fall der Mauer in Deutschland noch eine enge Freundschaft. Daniel Ortega hatte Erich Honecker 1992 in Berlin-Moabit in der Haft besucht. So etwas vergisst man nicht. Da spielt es auch keine Rolle, dass sich durch das Leben des Ehrengastes eine unappetitliche Spur von Menschenrechtsverletzungen zieht.

Stasi-Experten als Berater

Doch nicht nur Sentimentalitäten verbanden die beiden Länder: Honecker schickte seine Stasi-Experten als Berater nach Nicaragua, um dort einen Geheimdienst aufzubauen. Waffenlieferungen rundeten das gelieferte sozialistische Sorglospaket aus Ostberlin ab, schließlich befand sich das Land damals in einer blutigen Auseinandersetzung mit den von den USA hochgerüsteten "Contras". Auch ein Krankenhaus baute die DDR in Nicaragua.

Margot Honecker lebt seit 1992 in Chile. Die gelernte Stenotypistin und Telefonistin heiratete den damaligen FDJ-Vorsitzenden Honecker 1953. Fünf Jahre später wurde sie Stellvertreterin des Volksbildungsministers, 1963 übernahm sie selbst das Amt und übte es bis zur Wende 1989 aus. Angeblich soll sich die Urne mit Asche ihres Mannes im Haus befinden.

Nur das Beste aus der sozialistischen Welt war für den Sandinisten für die Feierlichkeiten in der Hauptstadt gut genug: Die Gästeliste des Massenauflaufs in Managua ließ sich wie ein "Who is Who" der linken Welt: Aus Venezuela war Lautsprecher Hugo Chavez angereist, Paraguay schickte den abtrünnigen katholischen Ex-Bischof und neuen Präsidenten Fernando Lugo, aus Kuba ließ sich Vizepräsident Esteban Lazo blicken. In diesem Kreis fühlte sich Nicaraguas Staatspräsident Daniel Ortega Saavedra sichtlich wohl, doch den entscheidenden Kick bekam die revolutionäre Retro-Party erst durch die Auszeichnungen an zwei Damen mit besonders prominenter kommunistischer Vergangenheit.

Auszeichung für Che Guevaras Witwe

Margot Honecker nahm die Auszeichnung "Orden Cultural Rubén Darío" entgegen, eine der höchsten Auszeichnungen, die das Land zu vergeben hat. Benannt ist der Orden nach einem nicaraguanischen Nationaldichter des vergangenen Jahrhunderts. Aleyda March, Witwe des legendären lateinamerikanischen Guerilleros Che Guevara durfte sich im Beisein der Tochter Aleida Guevara March derweil über eine Auszeichnung für ihre Unterstützung der Kultur und Kunst in Nicaragua freuen. Damit nicht genug, auch für Chiles 1973 im Zuge des Militärputschen umgekommenen Präsidenten Salvador Allende gab es posthum den Orden "Augusto C. Sandino". Enkel Gonzalo Meza Allende nahm diese Auszeichnung entgegen.

Die, die den Sandinisten nahe stehen, feierten den Tag mit Konzerten, Party und Autokarawannen. Die Opposition hatte sich schon vorher lautstark zu Wort gemeldet. Mit zwei großen Demonstrationen forderte sie den Rücktritt Ortegas. Nach Angaben der Behören hatten sich über 300.000 Anhänger Ortegas aus dem ganzen Land auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um bei den Revolutionsfeierlichkeiten teilnehmen. Ein Großaufgebot von 3000 Polizisten war für deren Sicherheit im Einsatz.

Am 19. Juli 1979 stürzten die sandinistischen Kräfte den nicaraguanischen Diktator Anastasio Somoza und übernahmen die Macht im Lande. Daniel Ortega war bereits von 1985 bis 1990 Präsident in Nicaragua, ehe nach einer Wahlniederlage abtreten musste. Sein politisches Comeback feierte Ortega 2006, als er zum zweiten Mal zur politischen Nummer eins des Landes gewählt wurde. Rund 38 Prozent der Stimmen reichten angesichts des Wahlrechts in Nicaragua um wieder ins Präsidentenamt gelangen zu können.

Von Tobias Käufer, Managua
 
 
KOMMENTARE (10 von 53)
 
kaisergarten (22.07.2008, 09:26 Uhr)
@Progreso......bestätigt die 2te.
Zitat:"SIE gehören doch bestimmt zu den Leuten, die meinen, alles was sie leben und was sie haben, dürften und hätten sie uneingeschränkt zu Recht und die, in ihrem beschränkten spießigen Schneckenhaus, doch keinerlei Ahnung von der Welt haben."
Alleine diese Aussage bestätigt wieder alles. Obwohl sie mich, noch meine Lebensumstände kennen, urteilen Sie - nach Ihrem eigenen, spießigen, Vorstellungen von Menschen die eine andere Sicht der Dinge haben als Sie weder - über mich und glauben Sie üßten mir die Augen öffnen für die WAHRHEIT. Ich brauche Sie aber nicht und im Gegensatz zu Ihnen gestatte ich jedem in seinem selbst gewählten Schneckenhaus zu leben. Das ist nämlich unser aller Recht. Bloß wenn solche Leute wie Sie daherkommen und den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als krude Vergleiche von Rechtsstaat und Diktatur zu machen muss man das Kind beim Namen nennen dürfen. Nämlich das dies absoluter Schwachsinn ist. Und wer Unrecht verharmlost, weil Sie von anderen auch begangen worden sind, der ist auch in der Lage ganz andere Dinge zu verharmlosen - wenn Sie dann halt sein müssen.
PS: ich bin nicht albundy, bin also auch nicht für seine Kommentare verantwortlich.
PPS: Ihre Vorstellung von meiner spießigen Existenz hat mir ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert, Danke.
Bunsenbrenner (21.07.2008, 21:00 Uhr)
@chatahootchee
Sorry, aber sowas nennt man Sarkasmus. Natürlch geht es mir nicht um die Verharmlosung der Mauertoten, sondern darum, das das Regime nicht allzu zimperlich mit Menschleben umgegangen ist. Es sind eben rot lackierte Faschisten. Genau genommen haben sie sogar mehr Menschen auf dem Gewissen als der braune Dreck, aber darin haben sie Recht. Man kann die Opfer nicht gegeneinander aufrechnen.
Progreso (21.07.2008, 20:35 Uhr)
@Kaisergarten
Nun Herr Kaisergarten - Ihr "Verstehen" oder besser "Rauslesen" ist dann genauso fragwürdig und würde nach Ihrer Konsequenz bedeuten, dass "ich mich voll darin bestätigt (fühle) zu hoffen, dass Sie niemals über das Schicksal anderer Menschen zu bestimmen haben." (Ihr Zitat)
Wo wurde von mir auch nur im Geringsten etwas wie in den Sätzen 2-4 Ihres nachfolgenden Zitats behauptet: "Sollten die Spinner (Progreso, Pamela...) irgendwann in Ihrem Leben mal was zu sagen haben - dann gnade Euch Gott. Politiker eines Rechtsstaats mit M.H. zu vergleichen. Stasi durch Lidl Bespitzelung zu relativieren. Das Eingreifen in das Abschlachten in Ex-Juguslawien als Angriffskrieg zu bezeichnen."?
SIE gehören doch bestimmt zu den Leuten, die meinen, alles was sie leben und was sie haben, dürften und hätten sie uneingeschränkt zu Recht und die, in ihrem beschränkten spießigen Schneckenhaus, doch keinerlei Ahnung von der Welt haben.
Aber nur zu, auch Sie werden irgendwann aufwachen.
Und dass ein Albundy69 hier Hass verbreitet ohne auch nur eine Ahnung von den Menschen zu haben kann man aus jeder seiner Zeilen rauslesen!
O.Bi (21.07.2008, 20:25 Uhr)
@albundy69
Margot Honecker hat ganze Familien zerstört! Das ist sehr traurig. Aber, es gab Gesetze, die Konsequenzen, wenn man sie verletzt hat, waren bekannt. Wer seine Kinder riskierte, hat eine sehr große Verantwortungslosigkeit und Hauptmitschuld auf sich geladen.
Aber die "Blühende Landschaften" im Osten wie Westen, haben nicht weniger angerichtet. In Ihrem persilgewaschenen Gehirn haben Sie nur Angst und Hass auf etwas, was Sie nur vom Hörensagen kennen. Verbrechen vor der eigenen Nase möchten Sie gar nicht sehen.
Wie faul müssen doch Nokia-Mitarbeiter sein, dass die von den guten Arbeitgebern rausgeschmissen werden mussten. Wie unfähig die von BenQ… Wie viele Existenzen werden ständig zerstört, damit irgendein Acker-, Ober-, und wie diese Poswinkel-männer heißen damit sich deren Geld in Lichtenstein oder anderswo vermehrt?
Na ja, dann wählen Sie treu und brav die, die diese Zustände weiter pflegen und stärken, oft in der Hoffnung irgendwann dafür mit einem „warmen“ Posten belohnt zu werden.
kaisergarten (21.07.2008, 18:07 Uhr)
@Progreso.... bestätigt.
Wenn Sie aus meinem Kommentar Hass und braune Soße herauslesen können fühle ich mich voll darin bestätigt zu hoffen, dass Sie niemals über das Schicksal anderer Menschen zu bestimmen haben.
chatahootchee (21.07.2008, 17:03 Uhr)
BESCHEUERT!!!
"Mauertoten der DDR wirken da ja wirklich harmlos" - Habt Ihr sie noch alle? Es ist doch wohl egal, ob 1, 100, oder 1000 Morde begangen wurden. Mord ist Mord! Es ist erschreckend, die Kommentare zu lesen. Ist dies das wahre Gesicht Deutschlands?
Progreso (21.07.2008, 15:43 Uhr)
@albundy, Kaisergarten u.a.
IHRE Kommentare sind so dermaßen voll misanthropem Hass, dass man nur froh sein kann, dass solche wie Sie nicht wirklich was zu sagen haben.
Es geht hier nicht darum, das von der alten Honecker-Schlampe&Co begangene Unrecht schön zu quatschen, sondern mittlerweile darum IHR ewiggestriges Relativieren des braunen Sumpfes anzuprangern.
Was wollen wir denn über einen nie existenten, echten Sozialismus reden.
DDR und Co hätte es doch ohne Mithilfe Ihrer braunen Menschenhasserfreunde nie gegeben.
Und dass solche wie Sie von Demokratie reden nimmt Ihnen doch keiner ab. Leute wie Sie wollen doch gar keine wirklich gerechte, friedliche, ausbalancierte (nicht gleichmacherische!!) Welt.
MisterBrezeldent (21.07.2008, 12:32 Uhr)
"Sudamerican Steak sal" an einer Jus mit eigener Essenz
Südamerikanisches Steak - hier ein hochgeschnittenes Rib-eye/Entrecote - gut abgehangen und trocken. Steinpfanne gut vorheizen, flächendeckend Fleur du´sel einstreuen (kein Fett!!!) und anbräunen. Dann das Fleisch einlegen, der Fettkern zerläuft bei scharfem, beidsetigem anbraten (ca. 2-3 Minuten jede Seite). Fleisch herausnehmen und auf Platte offen in den auf knapp 100 Grad vorgeheizten Backofen schieben. Nun Palmkernnöl und Butter zu gleichen Teilen in die heisse Pfanne geben und in Scheiben geschnittene rote Zwiebeln (mit der Unterschale!), Champignons, Karotten, eine Knolauchzehe, eine Chili (je nach Leidenschaft zur Schärfe), einen Rosmarin-, einen Thymianzweig und Pfefferkörner geben. Danach eine vollreife, echte Tomate gewürfelt und etwas Rohrzucker. Alles sehr scharf und dunkel anbraten. Dann mit einem schweren chilenischen Cabernet Sauvignon mit Merlot ablöschen... reichlich Wein zugeben. Auf hoher Flamme komplett reduzieren und nun trockenen Sherry zugeben mit etwas Wasser. Jetzt nahezu komplett reduzieren, so dass die Sauce sämig Blasen wirft. Nun die angebratenen Teile zuerst grob abseihen und entfernen. Die Sauce dann fein passieren und noch den ausgetretenen Saft des Steaks aus dem Ofen unterziehen. Steak zurück auf die warme Platte, Sauce drüber. Mucho Gusto, Hombres.... und vergesst doch mal den ganzen Scheiss mit diesen Arschgesichtern. Verdirbt einem bloss den Appetit.
albundy69 (21.07.2008, 11:09 Uhr)
Margot Honecker hat ganze Familien zerstört !
Das ist Fakt und kann durch rot angestrichene Faschisten, díe hier in einer RotFrontDialektik agieren und teilweise sie selber sind, resp. sich die Bälle zuspielen nicht wegdiskutiert werden. Margot Honecker´s Lebenswerk zerfällt genausoschnell wie der Protzbau der sog. Volkskammer geschleift wird !!!
Wendraf (21.07.2008, 11:05 Uhr)
Traurig
wie man sich über sowas streiten kann lasst doch die alte da in ihrer traumwelt ihren geliebten Mann feiern sie ist doch eh schon halb tot mit ihren über 80 jahren.
Und mal erlich ganz kalt und Zynisch betrachtet...Politiker damals Politiker heute...ALLES das selbe Korupte PACK
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