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12. August 2007, 17:36 Uhr

French Fry trifft Hot Dog

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Oder taktischer Schachzug Nicolas Sarkozys? Wie einen alten Freund empfing George W. Bush den französischen Präsidenten in seiner Sommerresidenz. Bei Hamburgern, roten Bohnen und Hot Dogs wurde die neue transatlantische Achse zelebriert. Ist "Angie" nun nicht mehr die einzige Freundin Bushs in Europa?

Zwei, die sich verstehen: US-Präsident George W. Bush und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy© Robert F. Bukaty/AP

Wenn sich US-Präsident George W. Bush wirklich wohlfühlt, macht er seine gefürchteten Witze sogar über sich selbst. Er könne kein Wort Französisch, "ich kann kaum richtig Englisch sprechen", sagte er lachend kurz vor dem Eintreffen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Sommerresidenz der Bush-Familie in Kennebunkport (US-Bundesstaat Maine). Der innenpolitisch gebeutelte Bush hatte in der Tat Grund zur guten Laune. Umgeben von seiner großen Familie konnte er bei strahlend-blauem Ferienhimmel einen neuen, wichtigen Freund zum "typisch amerikanischen" Picknick mit deftigen Hamburgern, roten Bohnen und Hot Dogs begrüßen.

Bush war sich bewusst, welch hohen politischen Symbolwert Sarkozys Ausflug zum Familiensitz des reichen Bush-Clans hat. Schon allein die Tatsache, dass der französische Präsident seinen Urlaub in den USA verbringt, brachte den Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, dazu, von einer "neuen Ära der Beziehungen" zu sprechen. Bush und Sarkozy ließen denn auch kaum etwas aus, um bei dem informellen Treffen die neue Freundschaft zu demonstrieren. Jovial und kumpelhaft, wie es oft seine Art ist, legte der Texaner vor den Fotografen seinen Arm um den Gast aus Paris. Wortreich lobte Bush seinen Besucher als ehrenwerten Mann, auf "dessen Wort Verlass ist".

Sarkozy machte zwar aus seiner Skepsis über die Irak-Politik Bushs keinen Hehl. Aber er betonte vor allem die enge Verbundenheit mit den USA, seine Bewunderung für Amerika, das der Welt Verfassung und Freiheit gebracht habe. Frankreich und die USA seien "eine Familie". Kein Wunder, dass 900 000 Franzosen jährlich dieses "großartige Land" besuchten. Für Washington sind das völlig neue Töne aus Paris - von Sarkozys Amts-Vorgänger Jacques Chirac war man sehr viel Raueres gewohnt.

Von Chirac war man Raueres gewöhnt

Alles sollte im malerischen Kennebunkport die Abwesenheit diplomatischen Protokolls unterstreichen. Präsident Bush und sein Vater, Ex-Präsident George Bush, düsten mit ihrem französischen Gast auf dem schnittigen Familien-Motorboot "Fidelity III" durch die atlantischen Fluten. Der US-Präsident in kurzärmeligem Hemd und Sarkozy in Bluejeans bei gemeinsamen Urlaubsvergnügen, lautete die Botschaft der Bilder. Dahinter verbirgt sich durchaus politisches Gewicht - auch mit Auswirkungen auf das transatlantische Verhältnis.

Denn der Besuch Sarkozys signalisiert nach Einschätzung europäischer Diplomaten auch ein Ende der starken Sonderrolle von Kanzlerin Angela Merkel. Bis Juni war sie für ein Jahr zweifellos die wichtigste Ansprechpartnerin der US-Regierung in Europa gewesen. Der britische Premier und enge Bush-Freund Tony Blair ebenso wie der scharfe Bush-Kritiker Chirac standen vor dem Amtsende. Verstärkt wurde die Position Merkels durch die deutsche EU-Präsidentschaft und die Gastgeberrolle beim G8-Gipfel. Sarkozys Sommerausflug belegt aus US-Sicht auch, dass es neue Freunde im alten Europa gibt.

Laszlo Trankovits/DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Betonpaul (13.08.2007, 13:13 Uhr)
Jeder sucht sich seine Freunde selber...
Sarkozy hat doch in der kurzen Zeit seiner Präsidentschaft für genügend Peinlichkeiten gesorgt.
Daß er da jetzt noch eine weitere hinzufügt, beweist nur. daß er beratungsresistent ist. Von diplomatischer Intelligenz jedenfalls keine Spur.
Nachdem er sich schon mit Ghadafi verbrüdert hat, nun das andere Extrem, Georgi, die amerikanische Pflaume auf dem Abstellgleis.
Ein Sprichwort sagt: "Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist."
Das gilt übrigens auch für Angela.
notref (13.08.2007, 12:55 Uhr)
durchblick
Ich wuerde lieber die Sonnenbrillen analysieren, und welche politischen Rueckschluesse daraus zu schliessen sind.
Bei Bush handelt es sich meiner Meinung nach um eine "Persol" aus Italien (oder doch nur ne Ray Ban?). Die von Sarko schimmert wie ein Bangkok blender, koennte aber auch aus Lybien stammen.
Welche bedeutung dies fuer das transatlantische Buendnis hat bleibt offen. Wir hoffen auf den November 2008...
zman_miami (13.08.2007, 09:55 Uhr)
French Fry
Die Titelzeile an sich ist schon recht witzig, aber sollte man nicht sie nicht eher richtig darstellen? French Fry trifft Hot Dog.
tripex (12.08.2007, 18:49 Uhr)
Volkes Meinung?
Stehen die Franzosen denn wirklich hinter der Linie ihrem neuen Präsidenten oder ist das wie in Deutschland, wo sich Politiker über Volkes Meinung einfach aus kommerziellen Gründen hinwegsetzen?
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