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8. November 2004, 17:00 Uhr

Rache für Mord an van Gogh

In den Niederlanden haben Unbekannte mehrere Anschläge auf muslimische Einrichtungen verübt. Ermittler vermuteten eine Reaktion auf die Ermordung eines islamkritischen Regisseurs.

Feuerwehr und Sicherheitsmänner inspizieren den zerstörten Eingang an der muslimischen Schule in Eindhoven© Arie Muller/AP

Nachdem der niederländische Regisseur Theo van Gogh vergangene Woche auf offener Straße von einem mutmaßlichen Islamisten erschossen wurde, haben Unbekannte muslimische Einrichtungen mit Sprengstoff und Brandsätzen beschädigt. In anonymen Botschaften wurde zur Vergeltung des Mordes und zur Rache an Muslimen aufgefordert.

Nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 brach in den Niederlanden eine "Islamphobie" aus und rechte Parteien bekamen Zulauf. Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie nährte die Befürchtungen noch, dass das Land bei der Integration scheitert. Kritiker des Asylsystems fürchten, das die Zuwanderer die innere Sicherheit gefährden.

In der Nacht zu Montag explodierte ein Sprengsatz vor einer islamischen Grundschule in Eindhoven. Menschen hielten sich zur Zeit der heftigen Explosion, die in der Nachbarschaft zahlreiche Fensterscheiben zerstörte, nicht in dem Gebäude auf. Die Polizei teilte mit, dass das Gebäude stark beschädigt sei. Die Tarieq-Ibnu-Zyad-Islamschule wird von der Stiftung Islamisches Zentrum al Fourqaan betrieben, die auch die Al-Fourqaan-Moschee in Eindhoven unterhält. Diese Moschee wurde früher von zwei Jugendlichen besucht, die bei einem mutmaßlichen Selbstmordanschlag auf indische Truppen in Kaschmir ums Leben kamen. Die Stiftung stand unter Beobachtung des niederländischen Geheimdiensts.

Brandanschläge auf Moscheen

In der westniederländischen Stadt Huizen hatten Polizisten am Freitagabend einen Brandanschlag auf die An-Nasr-Moschee vereitelt. Drei Verdächtige wurden festgenommen, als sie versuchten das Gotteshaus anzuzünden. In Rotterdam, Utrecht und Breda wurde ebenfalls Feuer an Moscheen gelegt. Das Gotteshaus in Breda wurde leicht beschädigt. Die Ermittler vermuten einen direkten Zusammenhang mit der Ermordung van Goghs.

Der Mörder des Regisseurs soll ein 26-jähriger muslimischer Extremist sein, der die marokkanische und die niederländische Staatsbürgerschaft besitzt. Er verweigert bislang die Aussage. Van Gogh war beim Fahradfahren von mehreren Pistolenschüssen getroffen und dann mit einem Messer erstochen worden. Ein Schreiben, das bei der Leiche des Filmemachers gefunden wurde, rief alle Muslime dazu auf, sich gegen die "ungläubigen Feinde" im Westen zu erheben.

Der Regisseur, der entfernt mit dem berühmten Maler Vincent van Gogh verwandt ist, war dabei seinen Film "06/05" fertig zustellen. Die Dokumentation über die Ermordung des islamkritischen Politikers Pim Fortuyn sollte Anfang Dezember ins Kino kommen. Nach der Präsentation seines islamkritischen Kurzfilms "Submission" hatte er Morddrohungen von extremistischen Moslem-Gruppen erhalten. Auch seine Familie wurde bedroht.

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