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10. Dezember 2009, 11:25 Uhr

Obama verteidigt Krieg und Gewalt

Friedensnobelpreis für Barack Obama: Der US-Präsident hat bei der Verleihung in Oslo klargemacht, dass er alles andere als ein Pazifist ist. Gewalt und Krieg seien "manchmal notwendig".

Barack Obama, Friedensnobelpreis, Nobelpreis, Oslo

"Dankbar und demütig": Barack Obama in Oslo© Susan Walsh/AP

US-Präsident Barack Obama hat seinen Friedensnobelpreis in Oslo am Donnerstag mit "tiefer Dankbarkeit und großer Demut" entgegengenommen. Er ging in seiner Rede im Rathaus der norwegischen Hauptstadt gleich zu Beginn auf die Diskussionen um die Preisvergabe ein und räumte die "beachtliche Kontroverse" ein, die die Vergabe ausgelöst habe. Ursache sei einerseits, dass er "am Anfang und nicht am Ende seiner Arbeit auf der Weltbühne" stehe. Verglichen mit anderen großen historischen Figuren wie Albert Schweitzer und Nelson Mandela sei das bisher von ihm Erreichte gering.

Der wichtigste Streitpunkt sei aber, dass er als Oberkommandierender einer Nation im Krieg ausgezeichnet worden sei, sagte Obama mit Blick auf die Kriege im Irak und vor allem in Afghanistan, wohin die USA bald 30.000 Soldaten mehr entsenden. Einer davon nähere sich dem Ende, der andere sei einer, den Amerika sich nicht ausgesucht habe. "Wir sind eine Nation im Krieg," sagte Obama unmissverständlich. Er sei als Präsident "verantwortlich für die Stationierung von Tausenden junger Amerikaner, die in einem fernen Land kämpfen," so Obama. "Einige werden töten. Andere werden getötet." Er sehe sich dennoch in der Tradition von Friedensaktivisten wie Martin Luther King. "Aber als Staatsoberhaupt, das geschworen hat, sein Land zu schützen und zu verteidigen, kann ich nicht mich allein an ihrem Vorbild orientieren".

Der US-Präsident erklärte: "Ich habe heute keine endgültige Lösung für das Problem Krieg dabei... Wir müssen der harten Wahrheit ins Gesicht sehen, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um gewaltsame Konflikte auszurotten."

"Der Mut von Soldaten ist ruhmreich"

Obama machte fortwährend klar, dass er nicht für Pazifismus steht: "Dass Gewalt manchmal notwendig ist, ist kein Zynismus, sondern Anerkennung historischer Tatsachen." Mit Verhandlungen könne man das Terrornetzwerk Al-Kaida nicht aufhalten. Die Welt könne auch den Wettlauf um Atomwaffen im Nahen Osten und in Asien nicht ignorieren.

"Der Mut und die Opferbereitschaft von Soldaten sind ruhmreich", sagte der Präsident. Das gelte aber nicht für den Krieg an sich. Dass Konflikte zwangsläufig auch zu zivilen Opfern führen, steht für den US-Präsidenten nicht dem Konzept des "gerechten Krieges" entgegen. "Krieg in der einen oder anderen Form gibt es seit Beginn der Menschheit". Anfangs sei die moralische Berechtigung der Kriege nicht infrage gestellt worden. Das Konzept des "gerechten Kriegs" wurde in der Geschichte meist befolgt. Auch wenn es einen gerechten Grund für den Zweiten Weltkrieg gegeben habe, in dem das "Dritte Reich" vernichtet worden sei, so seien dabei mehr Zivilisten ums Leben gekommen als Soldaten.

Obama sieht sich nicht im Popularitätswettbewerb

Der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Thorbjörn Jagland, verteidigte die Vergabe an Obama. Die Geschichte sei voll von "verpassten Gelegenheiten", sagte Jagland, der bei der Preisverleihung vor Obama gesprochen hatte. "Wir haben heute die Möglichkeit, die Ideen von Präsident Obama zu unterstützen." Der Friedensnobelpreis sei in diesem Jahr ein Aufruf zum Handeln, der "für uns alle" gelte.

Obama hatte kurz vor seiner Rede dagegen Verständnis für Kritik an der Preisvergabe gezeigt. Andere Kandidaten hätten "ohne Zweifel" den Preis mehr verdient, räumte Obama bei einer Pressekonferenz mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg ein. Er versprach eine auf internationale Zusammenarbeit ausgerichtete Außenpolitik, die sich für Frieden und Stabilität in der Welt einsetze. Oberstes Ziel sei aber nicht, einen "Popularitätswettbewerb" zu gewinnen, sondern die Interessen seines Landes durchzusetzen. Stoltenberg rühmte Obama dagegen als angemessenen Preisträger: "Ich kann an niemand anderen denken, der im Laufe des vergangenen Jahres mehr für den Frieden getan hätte."

Ausnahmezustand in Oslo

Obama nimmt den Friedensnobelpreis neun Tage nach der Entscheidung entgegen, zusätzliche 30.000 Soldaten nach Afghanistan zu senden. Weltweit war moniert worden, die Preisverleihung sei wegen der Eskalation des Krieges am Hindukusch und der erfolglosen Friedensbemühungen im Nahen Osten voreilig. Mit der Auszeichnung würdigt das norwegische Nobelkomitee die Bemühungen Obamas für diplomatische Konfliktlösungen und eine atomwaffenfreie Welt. Auch in der Klimapolitik hätten die USA unter ihrem erst seit Januar amtierenden Präsidenten eine konstruktive Rolle übernommen, argumentierte das Komitee.

Die Feierlichkeiten am Donnerstag werden von massiven Sicherheitsmaßnahmen geschützt, wie es sie in Norwegen noch nicht gegeben hat. Über 2000 Polizisten sind im Einsatz, darunter 200 US-Spezialagenten. Scharfschützen bewachen die Innenstadt, Hubschrauber sichern den Luftraum. Für den Abend sind zwei Demonstrationszüge von Kriegsgegnern geplant.

ben/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 40)
 
confused (10.12.2009, 21:54 Uhr)
@auwei
welchen Grund gibt es das dort noch Truppen sind ? KEINEN - weder Engländer noch Russen noch sonst wer wird diese Leute im Schnellverfahren Zivilisiertes Denken aus unserer Sichtweise beibringen.
Alles was sie aufführen warum dort Krieg gespielt werden muss von wegen sollen wir sie sich zerfleischen lassen etc... ist Nichtig.... Beweise ? Gerne - denn der Artikel genügt im Endeffekt auf welchem Stand man in dem Land ist mit Dank an Stern Redaktion denn dort wurden auch mir die Augen geöffnet beim Lesen:

http://www.stern.de/panorama/so-liebt-afghanistan-liebe-was-ist-das-1503082.html
Johann58 (10.12.2009, 17:56 Uhr)
@alle Obama Gegner
Es ist ja so leicht und einfach auf jemanden draufzuhauen, der sich in einer Situation zurechtfinden muss, die er noch nicht einmal zu verantworten hat. Ich bin auf eine gewisse Art und Weise von Obama enttaeuscht, da ich wirklich Hoffnung hatte.

Mit ein wenig Objektivitaet und Nachdenken sollte eigentlich nahezu jeder verstehen, dass er ein Amt angetreten hat, welches sein Vorgaenger dazu genutzt hat die USA zu isolieren, zu ruinieren und ausserhalb der Gemeinschaft der Voelker zu stellen. Noch immer gibt es genuegend Amerikaner, die glauben, dass die USA auch ohne den rest der Welt auskommt . Obama hat erkannt, dass es eben nicht so ist. Das mag nicht genug sein fuer den Friedensnobelpreis aber war moeglicherweise ein Teil der Motivation dafuer.
Johann58 (10.12.2009, 17:44 Uhr)
@SpringbokCT
und was wollen Sie uns damit sagen?

justus39 (10.12.2009, 17:40 Uhr)
Was solls?


Henry Alfred Kissinger, Lech Wa??sa und Jassir Arafat haben ihn doch auch bekommen.


OttoB (10.12.2009, 17:30 Uhr)
@auwei
Als erstens was zu diesem Beitrag gehört:
Ich bin der Meinung das der Friedensnobelpreis die größte Auszeichnung für Taten für den Frieden ist. Ich sehe zur Zeit noch nicht was er in dieser Richtung bereits vollbracht hat.
Für Vorschuss Lorbeeren ist es der falsche Preis.
Nach seiner Amtszeit hätte er ihn ja vielleicht verdient.
Jetzt noch zu dem Thema um was es hier eigentlich nicht geht:
Steht die Mehrheit der Afghanen aufseiten der Taliban? Ich weiss es nicht, lese aber was Leute wie Scholl-Latour oder JürgenTodenhöfer die die Stuation besser als ich kennen dazu sagen.
Die Förderer der Taliban und Unterstützer während des Krieges mir den Sowjets waren die Amerikaner ohne die die Taliban nie an die Macht gekommen wären und damals interessierte sie nicht die Unterdrückung der Frauen.
Die andere Gruppe die im Kampf gegen die Sowjets von ihnen gefördert wurde war El Kaida.
Auch das muss man nicht unbedingt vergessen oder verdrängen.
SpringbokCT (10.12.2009, 17:15 Uhr)
N-TV Umfrage
Bei N-TV läuft momentan eine Umfrage, ob Obama den Friedensnobelpreis verdient hat.
Zwischenergebis: JA 75%, NEIN 25%

Bei stern.de würde eine entsprechende Umfrage wohl etwas anders aussehen.
SLCentral (10.12.2009, 17:06 Uhr)
An Slapmastert
Israel ist kein muslimischer Staat.
___________________________

Aber auch nicht viel anders als die muslimischen Staaten weltweit.

Bürger Israels und Einheit Israels basiert auf dem jüdischen Glauben und nicht auf Volkszugehörigkeit oder Ideologie der freien Marktswirtschaft oder des Komunismus.

Wie kann man in einem Land, welches auf einem Glauben basiert und aus diesem entsanden ist eine Trennung zwischen - Religion und staatlichen Strukturen vollbringen ?
SLCentral (10.12.2009, 17:00 Uhr)
Wir wissen doch alle wie das ist
Wenn ein oder weinge Menschen gewaltsam stirben, dann ist es eine Tragödie, wenn das über 100 sind, dann ist das eine Statistik, denn so viel MITgefühl kann kein Mensch entwickeln, somit wird es augeblenden und Tote werden gezählt.

In Afghanistan ist man schon im Statistikbereich.

In russichen Foren liest man auch, dass man die Amerikaner aus "Dank" für die 90er Jahre mit allen Mitteln in Afghanistan unterstützen und halten muss. Je länger sie dort bleiben, desto besser und nach dem Krieg mit vielen Toten solte man jedem "einfachen" Soldaten den Film "RAMBO" zeigen, so dass er weiß warum er dort war.

:)
Slapmastert (10.12.2009, 16:53 Uhr)
Hat er denn eine Wahl?
Betreffend Afghanistan denke ich, hat Obama keine Wahl gehabt. Der Irakkrieg ging auch von G.W. Bush aus und wurde von Obama lediglich "geerbt". Obama ist jemand der realistisch die Dinge der Welt beschreibt und auch vor nowendigen Entscheidungen nicht zurücksteckt.

Übrigens: Israel ist kein muslimischer Staat! ;)
Johann58 (10.12.2009, 16:52 Uhr)
@mupfline
JEIN, natuerlich kann man WWII nicht mit dem aktuellen Krieg in Afghanistan vergleichen aber mit der Gewalt die von denjenigen ausgeht, die in Afghanistan Unterschlupf gefunden haben. Ich kann und will auch den Hindukusch nicht mir Europa vergleichen aber die Gefahr, die davon ausgeht. Ich halte die Vergabe des Friedensnobelpreises an Obama auch nicht fuer eine Schmierenkomoedie sondern fuer einen verzweifelten Versuch Bewegung in die festgefahrenen Systeme zu bringen. Nach dem Ende des kalten Krieges haben wir heute einen religioes-fundamentalistischen begruendeten Krieg and dem auch ein George W. Bush ein ganzes Stueck Schuld traegt.

@ice-t
ich schlage dir vor dich mal ein wenig mit der Geschichte Afghanistans der letzten 30 Jahre zu beschaeftigen. Da kommt Erstaunliches zu Tage. Die Taliban waren auch nur von Amerikas Gnaden an der Macht um die Macht der Soviets zu brechen so wie heute Karzei durch die Amerikaner gestuetzt wird um die Macht der Taliban zu brechen und alles unter anderem darin begruendet, dass man seit 20 Jahren einen Verbuendeten in Afghanistan sucht, der den Bau einer Oelpipeline von Turmenistan durch Afghanistan und Pakistan an den Indischen Ozean sicherstellt.
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