7. April 2012, 11:18 Uhr

Staat für die staatenlosen Tuareg

Sie entzogen sich den Kolonialmächten Europas und lebten als Nomaden in der Sahara. Nach dem Sturz von Muammar al Gaddafi drängen die Tuareg auf einen eigenen Staat. Ihre Geschichte ist geprägt vom Kampf gegen staatliche Systeme.

Tuareg, Nomadenvolk, Sahara, Mali

Der indigoblaue Stoff der Gesichtsschleier gehört zu den kulturellen Markenzeichen der Tuareg©

Der Vormarsch der Tuareg-Rebellen im Norden Malis hat ein Schlaglicht auf das Nomadenvolk geworfen, dass seit langem für seine Unabhängigkeit kämpft. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Tuareg immer wieder militärische Offensiven in den Wüstengebieten Westafrikas gestartet, um die Unabhängigkeit ihrer Heimatregion Azawad zu erreichen.

Die Tuareg sind ein Berbervolk der Sahararegion, zu dem Angehörige verschiedener Stämme zählen. Schätzungen zufolge umfasst das Volk 1,5 Millionen Menschen, die sich auf die Region zwischen Niger, Mali, Algerien, Libyen und Burkina Faso verteilen. Als ihre eigentliche Heimat gilt die sich vom Westen in den Norden Malis erstreckende Region Azawad.

Neben den Äthiopiern sind die Tuareg das einzige afrikanische Volk mit einer eigenen Schrift. Zu ihren Kennzeichen zählt ein indigoblauer Gesichtsschleier, dessen Farbe auf die Haut abfärbt, woher ihr Beiname der "blauen Männer" rührt.

Widerstand gegen europäisches Kolonialbestreben

Während sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts an der Spitze des Karawanenhandels standen, wurden sie in der Folge an den Rand gedrängt und zum benachteiligsten Volk der Sahelzone. Weil sie sich Kolonialisierung und Bildungsbestrebungen gegenüber feindselig zeigten, blieben sie zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten in einer geschwächten Position.

Hungersnöte in den 1970er und 1980er Jahren ließen die Herden der Tuareg verenden, tausende junge Tuareg wanderten in die Städte ab. In Libyen integrierte der frühere Machthaber Muammar al Gaddafi viele von ihnen in seine Armee. Aus wirtschaftlichen Gründen kehrten sie aber oft zurück und schlossen sich den Unabhängigkeitsbewegungen der Tuareg gegen die Regierungen in Mali und im Niger an.

Im Mai 1990 starteten die Tuareg einen Aufstand im Niger, einen Monat später in Mali. Die Rebellion dauerte mehr als fünf Jahre und flammte zwischen 2006 und 2009 erneut auf, wobei hunderte Menschen getötet wurden.

Nach dem Sturz Gaddafis im vergangenen Jahr kehrten hunderte schwer bewaffnete Tuareg nach Nordmali zurück. Ende Januar startete die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) der Tuareg eine Offensive im Norden des Landes. Nach dem Militärputsch im März gelang es den Kämpfern in weniger als zwei Wochen, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen; dort machen ihnen aber gebietsweise islamistische Gruppierungen die Macht streitig.

ono/AFP
 
 
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