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"Atomtest birgt ein Eskalationsrisiko"

Nordkorea hat der Welt seine Atomwaffenkapazität vorgeführt. Der Test berge ein "Eskalationsrisiko", die Weltnuklearordnung sei angeschlagen, sagt Nordkorea-Experte Sebastian Harnisch stern.de.

Von Malte Arnsperger

Das kommunistische Nordkorea hat trotz scharfer internationaler Warnungen eine Atomwaffe gezündet. Der unterirdische Test wurde mittlerweile von verschiedenen Stellen bestätigt. Laut südkoreanischer Experten war die Sprengkraft zwar nur von vergleichsweise geringem Ausmaß. Doch der UN-Sicherheitsrat will nach Angaben des dänischen Außenministeriums noch am heutigen Montag über den Test und mögliche Konsequenzen beraten.

"USA haben keine militärische Option"

Die Weltgemeinschaft - insbesondere die Nachbarn Südkorea und Japan sowie die USA - wird diesen Test nicht unbeantwortet lassen, meint Sebastian Harnisch, Nordkorea-Experte der Universität Trier. "Die USA werden gegenüber Nordkorea von einer Cuba-Light zu einer Cuba-Medium-Strategie übergehen. Das heißt, dass sie eine Quarantäne unterhalb der völligen Blockade aufbauen werden. Eine Blockade wäre völkerrechtlich eine Kriegserklärung", sagte er stern.de. Harnisch sieht durch den Test zwar die Hardliner in der amerikanische Regierung gestärkt, an einen Militärschlag der USA glaubt er jedoch nicht. "Die USA haben keinerlei militärische Optionen um das nordkoreanische Nuklearpotenzial auszuschalten." Dennoch, so Harnisch, berge der Test ein "Eskalationsrisiko" in der Region.

Von einer solchen Eskalation wären vor allem Südkorea, Japan und China betroffen. Der nordkoreanische Atomwaffentest platzte mitten in die Antrittsbesuche des neuen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in China und Südkorea. Alle drei Länder verurteilten den Test. In Japan erwartet Harnisch nun eine intensive Debatte über eine nukleare Bewaffnung und die pazifistische Verfassung des Landes.

In Südkorea werde die Mehrheit der Bevölkerung eine Abkehr von der bisherigen "Sonnenschein"-Politik und eine Isolation des Nachbarlandes fordern. "Südkorea wird die Wirtschaftskooperation auf amerikanischen Druck einstellen", so Harnisch. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Quellen im Vereinigungsministerium, eine geplante Hilfslieferung an den Norden sei sofort ausgesetzt worden. Und auch China, der einzig verbliebene wirkliche Partner Nordkoreas, werde seine Unterstützung für den kommunistischen Bruder weiter reduzieren, prognostiziert Harnisch.

Doch, so Harnisch, genau dieser seit Jahren herrschende internationale Druck auf das nordkoreanische Regime habe den Atomwaffentest letztlich ausgelöst. Vor allem die Sanktions- und Strangulationsstrategie der USA und Chinas hätten den Diktator Kim Jong Il zu einer Reaktion provoziert. "Kim Jong Il stand innenpolitisch in einem Rechtfertigungszwang und der Test war eine Flucht nach vorne", sagt Harnisch. "Es ist ein Zeichen: Ihr könnt unser Regime nicht ändern, weil wir die Atomwaffe haben." Das Zeichen wird in der Welt angekommen sein. Auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der wohl den Besitz von Nuklearwaffen anstrebt, wird die Nachricht vom erfolgreichen Atomwaffentest mit Interesse verfolgt haben. "Nordkorea ist praktisch ohne Sanktionen aus dem Atomwaffensperrvertrag raus gekommen. Das ist ein hoher Anreiz für den Iran, es dem gleichzutun", sagt Sebastian Harnisch. Zwar werden die USA durch die Quarantäne verstärkt versuchen, den Export von Nukleartechnologie an den Iran zu verhindern, doch, so Harnisch, "die Weltnuklearordnung ist angeschlagen".

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