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Wie gefährlich ist Kim Jong Un?

Nur wenige kennen das nordkoreanische System – und selbst die Experten können den neuen Machthaber nur schwer einschätzen. Sie vermuten, dass Kim Jong Uns Säbelrasseln ein Manöver ist – ein gewagtes.

  Fingerzeig auf den Feind: Kim Jong Un zeigt sich auf Propaganda-Fotos gern in der Nähe der Generäle oder an der vermeintlichen Front.

Fingerzeig auf den Feind: Kim Jong Un zeigt sich auf Propaganda-Fotos gern in der Nähe der Generäle oder an der vermeintlichen Front.

Mit einer Mischung aus Unverständnis, Angst und Spott schaut die internationale Gemeinschaft auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Ob sein Kriegsgetrommel eine leere Drohung ist, ob er seinen Führungsstab im Griff hat, ob er tatsächlich in einen militärischen Konflikt wagen würde, vermag derzeit niemand sicher zu sagen. Nach seinen immer weiter eskalierenden Drohungen, unter anderen eines Atomschlags gegen die USA, verunsicherte Kim am Freitag ausländische Botschaften in Pjöngjang mit der Ankündigung, deren Sicherheit im Konfliktfall nicht garantieren zu können.

Zu kurz ist die Amtszeit des jungen Machthabers, als dass die USA oder Südkorea ihn verlässlich einschätzen könnten. Es wird aber für möglich gehalten, dass Nordkoreas immer neue Drohungen lediglich auf ein Kalkül von Kim zurückgehen, sich als starken Führer zu inszenieren und damit seine Machtposition zu festigen.

Kennt Kim Jong Un die Grenze?

"Um ehrlich zu sein, wir wissen einfach immer noch nicht, was er tut", sagt der Nordkorea-Experte Alexandre Mansourov von der Johns Hopkins Universität in den USA. Zwar habe auch Kims Vater Kim Jong Il solch eine Rhetorik verfolgt. "Aber da wussten wir, wo seine Grenzen sind und welche Knöpfe wir drücken müssen, um ihn in Zaum zu halten." Bei seinem Sohn sei gar nicht sicher, ob er Grenzen habe.

Überhaupt ist über Kim Jong Un, der seit dem Tod seines Vaters im Dezember 2011 an der Spitze des kommunistischen Staates steht, wenig bekannt. Zwischen 28 und 30 Jahre alt soll er sein, verheiratet ist er auch, ob das Paar Kinder hat, ist unklar. Medien und Experten betonen immer wieder seine "Unerfahrenheit", außerdem ist er von einem Beraterstab umgeben. Doch das bedeute nicht, dass er schwach sei, sagt Yang Moo Jin, Professor an der Universität für Nordkoreanische Studien in Seoul. Kim sei im Gegenteil bislang sehr resolut aufgetreten und habe gezeigt, dass er Partei und Militär kontrolliere.

Doch mitunter wertet Südkorea Kims Auftreten, das demonstrative Posieren mit Generälen oder Bilder, auf denen im Hintergrund eine Militärkarte mit dem Titel "Schlachtplan der strategischen Kräfte auf dem amerikanischen Kontinent" zu sehen ist, als kalkulierten Pragmatismus. Kim habe sich nicht lange auf seine Rolle vorbereiten können, sagt Chang Yong Seok von der Nationalen Universität in Seoul. Daher habe er alle Entscheidungen "schneller und aggressiver" fällen müssen.

Kim spricht von "radikaler Wende"

Noch in seiner Neujahrsansprache verkündete Kim eine "radikale Wende" in der Politik. Nordkorea solle ein wirtschaftlicher Riese werden, der Lebensstandard verbessert werden. Doch nach UN-Schätzungen sind in dem hochgerüsteten Land weiterhin zwei Drittel der 24 Millionen Einwohner von Lebensmittelhilfen abhängig. Die Wasserversorgung ist unzureichend, die Ausstattung der Bildungseinrichtungen verschlechtert sich. Einem UN-Bericht von 2012 zufolge sind 28 Prozent der Kinder unterernährt.

Kim kann "Erfolge" daher gut gebrauchen. Und während sich Südkorea und die USA bemühen, die Waffentests und Kriegsdrohungen ernst zu nehmen, aber gleichzeitig gelassen auf die altbekannte Rhetorik zu reagieren, wertet etwa Daniel Pinkston von der International Crisis Group das Ganze als innenpolitische Show. "Vieles von dem, was wir sehen und hören - Fotos von Kim, wie er mit Generälen im Lagezentrum kauert oder seine vermeintlich irrationalen Drohungen - ist vor allem für das einheimische Publikum bestimmt."

Pinkstons Einschätzung nach könnte das Säbelrasseln letztlich Kims Anerkennung und Macht stärken. Nämlich dann, wenn er das Ende der US-südkoreanischen Militärmanöver in der Region Ende April abwartet und sich dann als Retter vor der US-Invasion präsentiert. Dann werde die Botschaft sein: "Seht her! Sie wollten uns mit ihren Bombern angreifen, aber sie haben es wegen unserer Politik der nuklearen Abschreckung nicht getan. Und natürlich wegen unseres Retters - Marschall Kim Jong Un."

Giles Hewitt/AFP/AFP

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