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25. Mai 2009, 15:57 Uhr

Gestatten, Kim. Ich bin wieder da!

Er galt als sterbenskrank - und meldet sich nun doch mit einem Knall zurück. Der Atomwaffentest Nordkoreas zeigt, wie ernst man Diktator Kim Jong Il nehmen muss: Mit dieser Demonstration der Stärke provoziert er seine Gegner, festigt seine Position im Innern - und fordert Barack Obama heraus. Eine Analyse von Janis Vougioukas, Shanghai

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Kim Jong Il auf einem undatierten Foto der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA© AFP

Die Atombombe explodierte am Montagmorgen. Gegen zehn Uhr Ortszeit registrierten südkoreanische Wissenschaftler eine schwere Erschütterung in der Nähe der Gemeinde Kilju im Nordosten der koreanischen Halbinsel. Die Erde bebte mit einer Stärke von 4,5 auf der Richterskala. Kurz darauf meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA die "erfolgreiche Durchführung" eines unterirdischen Nukleartests. Es war der zweite Atomtest der abgeschotteten Diktatur seit dem Jahr 2006 - mit "noch größerer Sprengkraft", wie KCNA mitteilte.

Seit Jahren arbeiten nordkoreanische Wissenschaftler an der Entwicklung strategischer Atomwaffen. Staatschef Kim Jong Il ließ in der Vergangenheit immer wieder ankündigen, dass seine Regierung plane, das militärische Atomprogramm weiter auszubauen. Anfang April hatte Pjöngjang bereits eine Langstreckenrakete Richtung Japan abgeschossen. Offiziell sprach die nordkoreanische Führung damals von einem "erfolgreichen Satellitenstart". Doch westliche Militärexperten waren sich einig, dass es sich in Wirklichkeit um einen militärischen Raketentest handelte, zumal der Flugkörper den Weltraum nie erreichte. Als die Vereinten Nationen protestierten, kündigte Nordkorea an, die Sechs-Länder-Gespräche zur nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel künftig zu boykottieren.

Diktator mit angeschlagener Gesundheit

Der Atomtest ist der Beweis, dass Nordkoreas Drohgebärden ernst genommen werden müssen. Doch Kim Jong Il ging es dieses Mal nicht nur um internationale Provokation. Der atomare Knalleffekt sollte vor allem im eigenen Land gehört werden. Der 68-jährige Kim hat in den vergangenen Monaten stark abgebaut. Nach einem Schlaganfall im vergangenen Sommer ist er noch immer sichtlich geschwächt. Fotos zeigen, dass er viel Gewicht verloren hat. Sein Gesicht ist eingefallen. Selbst die Militärparade zum 60. Jahrestag der Gründung Nordkoreas im vergangenen September musste ohne ihn stattfinden. Und sofort gab es Gerüchte über seinen angeblichen Tod.

Mit dem Atomtest meldet sich Kim Jong Il wieder zum Dienst. Gleichzeitig will er die Demonstration seiner militärischen Macht wohl nutzen, um die einflussreiche Armeeführung hinter sich zu sammeln. Südkoreanische Beobachter rechnen damit, dass Kim schon bald seinen Nachfolger bestimmen könnte. Vorher müssen die Reihen geschlossen werden. Nicht zuletzt ist die Atomexplosion aber auch ein diplomatischer Test: Im amerikanischen Wahlkampf hat sich Barack Obama kaum zum Thema Nordkorea geäußert. Kim kann seinen mächtigsten Feind kaum einschätzen. Wie wichtig ist der neuen amerikanischen Führung die Beibehaltung der bestehenden Balance in Asien? Was wird Obama tun, um seine Verbündeten Südkorea und Japan zu stützen? Wie weit wird er gehen, um Nordkorea in seine Grenzen zu weisen? Mit seinem Atomtest stellt Kim Jong Il diese Fragen.

Am Montag gab Obama in Washington erste Antworten: Mit dem Test bedrohe Nordkorea den Frieden, das Land habe internationales Recht verletzt, sagte er. Und: Das Verhalten Pjöngjangs müsse allenthalben Anlass zur Sorge geben. Auch Kim Jong Il wird genau verfolgen, ob Obama es bei diesen Worten belässt.

Eine Analyse von Janis Vougioukas, Shanghai
 
 
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