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Wie gefährlich ist Nordkoreas Wasserstoffbombe?

Offenbar ist Nordkorea im Besitz einer Wasserstoffbombe. Ein erster Test sei erfolgreich gewesen, heißt es. Die Nachbarstaaten reagieren empört - fünf Fragen und Antworten zum Atomprogramm der isolierten Diktatur.

Kim Jong Un hat die Wasserstoffbombe

Kim Jong Un inspiziert einen Militärjet. Die Entwicklung einer H-Bombe ist eine neue Dimension für eher marode nordkoreanischen Armee

Was genau hat Nordkorea getestet?

Am Mittwochmorgen Ortszeit registrierten südkoreanische, chinesische und amerikanische Erdbebenwarten in der Nähe des nordkoreanischen Atomtestgebiets ein Erdstoß der Stärke 5, der vermutlich künstlich hervorgerufen wurde. Wenig später verkündeten die Staatsmedien Nordkoreas im Jubelton, dass "die Atommacht Nordkorea nun auch im Besitz der Wasserstoffbombe" sei. Nach Angaben aus Südkorea soll die Detonation eine Sprengkraft von sechs Kilotonnen gehabt haben, was für eine H-Bombe allerdings wenig wäre. Deshalb bezweifelt die Regierung in Seoul, dass es sich bei dem Test um eine voll entwickelte Wasserstoffbombe gehandelt habe. Üblicherweise liegt die Sprengkraft solcher Waffen zwischen 20 bis 50 Megatonnen.

Wie fallen die ersten Reaktionen aus?

Verhalten bis empört.

  • China, der engste Verbündete des isolierten Landes, verurteilte den Atomtest, der "ungeachtet des Widerstands der internationalen Gemeinschaft" ausgeführt worden sei und forderte die Regierung in der nordkoreanischen Hauptstadt auf, an "ihrer Verpflichtung zur Entnuklearisierung festzuhalten."
  • Russland dagegen, dem Regime in Pjöngjang eher wohlgesonnen, reagiert gelassen: "Eine direkte Bedrohung Russlands durch die Aktion Nordkoreas sehe ich nicht, wenn man unsere Beziehungen mit dem Land in Betracht zieht", sagte Generaloberst Viktor Jessin. Es gebe aber keine Beweise, dass es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handle, so der Ex-Generalstabschef der strategischen Raketentruppen.
  • Großbritannien, Frankreich, USA und Japan: Der britische Außenminister Philip Hammond sprach von einer "Provokation" und einem "schweren Verstoß" gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, ebenso wie die US-Regierung. Die französische Regierung verlangte eine "starke Reaktion" der internationalen Gemeinschaft. Auch Japan sprach von einer ernsten Bedrohung. Der UN-Sicherheitsrat hat noch für den Mittwochvormittag eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Das Treffen soll hinter verschlossenen Türen stattfinden, die Sitzung wurde von den USA und Japan beantragt.

Warum entwickelt Nordkorea seine Atomwaffen weiter? Und was ist das Problem?

Nordkorea präsentierte vor zehn Jahren seine erste Atomwaffe und hat seitdem drei Tests durchgeführt. "Mit dem perfekten Erfolg unserer historischen Wasserstoffbombe haben wir den Rang eines fortgeschrittenen Atomstaates erreicht", ließ das Regime über die Medien verbreiten. Abgesehen davon, dass eine HG-Bombe eine größere Abschreckungswirkung besitzt, erhofft sich Kim Jong Un offenbar auch innenpolitisch Vorteile durch den Durchbruch. Der Nordkorea-Experte und CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk sagte, dass Diktator Kim offenbar seine Machtbasis im Land noch nicht hinreichend gefestigt habe und sich dem Militär gegenüber beweisen müsse. Zudem wolle der Machthaber die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft und vor allem Washingtons auf sich lenken und "direkte Gespräche mit den USA auf Augenhöhe erzwingen". Der Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty, NPT) erlaubt es nur den fünf offiziellen Atommächten (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien), Nuklearwaffen zu besitzen.


Kann Nordkorea seine Atomwaffen überhaupt einsetzen?

Das ist unklar. Zum einen weiß niemand, in welchem Zustand die schätzungsweise acht Sprengkörper sind, zum anderen bringt die Atombombe alleine wenig, wenn es keine geeigneten Transportmittel gibt. Nordkorea entwickelt daher mit Hochdruck eine Trägerrakete. Die Interkontinentalrakete des Typs "Taepodong-2" soll, wenn sie fertig ist, die Westküste der USA erreichen können.

Was unterscheidet eine Wasserstoffbombe von anderen Atombomben?

Bei der H-Bombe, die 1952 erstmals gezündet wurde, werden die Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium zu Helium verschmolzen, für die herkömmliche Atombombe wird Uran oder Plutonium verwendet. Um eine Wasserstoffbombe zu zünden werden Temperaturen von 100 Millionen Grad benötigt, weshalb als Zünder eine Atombombe verwendet wird. Die Sprengkraft der H-Bombe ist um ein vielfaches höher als die der Atomwaffe. Daneben gibt es noch Neutronenwaffen, deren Wirkung nicht durch Hitze- und Druck entsteht, sondern durch die Abgabe harter Neutronenstrahlung, die Lebewesen tötet, Gebäude jedoch unversehrt lässt.  

Niels Kruse mit DPA/Reuters/AFP
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