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27. Mai 2009, 17:01 Uhr

Heiße Luft aus Pjöngjang

Es sind beeindruckende Drohgebärden: Erst lässt Kim Jong Il eine Atombombe testen, dann Raketen abfeuern, und schließlich wird locker von Krieg gesprochen. Pjöngjang muss man dabei in vielerlei Hinsicht ernst nehmen - einen Krieg kann sich Nordkorea aber nicht leisten. Er würde das Ende der Diktatur Kims bedeuten. Ein Kommentar von Janis Vougioukas, Shanghai

Nordkorea, Kim Jong Il, Atombombe, Kriegsdrohung, Raketen

Anti-nordkoreanische Proteste in Seoul: Seit Monaten verschlechtert sich die Stimmung zwischen den beiden Koreas© Heon-Kyun/DPA

Seit drei Tagen schockiert Kim Jong Il die Welt mit ständig neuen Drohungen. Die jüngste Eskalationsstufe zündete Nordkoreas unberechenbarer Diktator Kim Jong Il nun mit der Ankündigung, den 1953 geschlossenen Waffenstillstand ab sofort zu ignorieren. Seine Gesandten sprachen sogar von "Militärschlägen" gegen den Süden. Künftig will der Norden auch die Sicherheit südkoreanischer und amerikanischer Schiffe vor der eigenen Küste nicht mehr garantieren.

Beitritt zur PSI als Kriegserklärung

Während die Welt erzittert, reagiert Südkorea vergleichsweise entspannt. Die Menschen haben sich längst an das Geschrei aus dem Norden gewohnt.Tatsächlich hatten viele Südkoreaner mit weiteren Provokationen gerechnet - ob verbal oder mit Soldaten.

Hintergrund der jüngsten Unruhen ist die Proliferation Security Initiative (PSI) - eine internationale Initiative gegen die weitere Verbreitung von atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen. Die amerikanische Regierung hatte die Initiative vor sechs Jahren ins Leben gerufen, um den Schurkenstaaten dieser Welt den Zugang zu atomaren Massenvernichtungswaffen zu erschweren. Anlass war der Fund von 15 russischen Scud-Raketen an Bord eines nordkoreanischen Frachters.

Sechs Raketentests in drei Tagen

Damals gab es keine Möglichkeit, die Fracht zu beschlagnahmen - dass Schiff durfte unbehelligt weiterfahren. Südkorea hatte in der PSI bisher nur eine Beobachterrolle. Als Reaktion auf den Atombombentest hatte die Regierung in Seoul nun den Beitritt zur PSI verkündet. Niemand hatte ernsthaft erwartet, dass Kim Jong Il darauf nicht reagieren werde. Zumal Nordkorea in den vergangenen Jahren bereits mehrfach angekündigt hatte, den Beitritt des Südens zur PSI als Kriegserklärung zu werten.

Es blieb nicht nur bei Worten. Kims Armee testete jetzt eine weitere Kurzstreckenrakete - der sechste Test in nur drei Tagen. Doch Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass die Raketen auch dazu dienen, amerikanische Spionageflugzeuge abzuschrecken, die sich für den Testort der Atombombe interessieren könnten. Selbst Nordkoreas einstiger Freund Russland hat inzwischen angekündigt, die Beobachtung Nordkoreas auszuweiten.

Eskalation war abzusehen

Tatsächlich haben sich die Beziehungen zwischen dem erzkommunistischen Norden und dem kapitalistischen Süden in den vergangenen Monaten immer weiter verschlechtert. Anfang Mai kündige Pjöngjang die Verträge für die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong. Die südkoreanische Regierung erhöhte darauf den ökonomischen Druck und die Exportbeschränkungen für technologische Ausrüstungsgeräte. Trotzdem wissen Diplomaten und Militärs in beiden Ländern, dass jede Reaktion eine Gegenreaktion verursacht. Und niemand will im Moment ernsthaft einen Krieg beginnen.

Anlässlich des "gelungenen Atomtests" organisierte die Kommunistische Partei eine Festparade im Arbeiterstadion von Pjöngjang. Redner priesen die Bombe als einen "Schlag ins Gesicht der Vereinigten Staaten". Das Volksfest für die A-Bombe ist ein Zeichen dafür, die Explosion vor allem von den eigenen Landsleuten gehört werden sollte: Um das Militär zu einen, die Bevölkerung von den Problemen abzulenken und die Führung zu stärken. "Pjöngjang fühlt die wachsende Notwendigkeit zur Stärkung der nationalen Einheit, um die Menschen von der Flucht vor der schlechten Wirtschaftslage abzubringen und die Machtübergabe des gesundheitlich angeschlagenen Führers Kim Jong Il vorzubereiten", urteilte der Nordkoreaexperte Yoo Seok Ryul. Nordkoreas Gebrüll ist nichts als heiße Luft. Sogar Kim Jong Il weiß, dass ein Krieg für seine Diktatur das Ende bedeuten würde.

Ein Kommentar von Janis Vougioukas, Shanghai
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
utospatz (29.05.2009, 21:09 Uhr)
Wenn der Kim tatsächlich
den nächsten Atomtest startet, werden dem Lieferanten(dank Putin)dem Waffenfähigen Plutoniums-Lieferanten die Afterhaare ohne Papierabstreifung zu Berge stehn!
War da nicht auch die deutsche Wirtschaft dabei? Mit Lieferung von technischem Knoff how?(Zentrifugen ect.) In Kuhzunft wird es so sein, wenn der Syphilitiker in Pjöng Yang einen Furz lässt, wird die UNO als unfähiges Instrument sich auflösen!
ganzbaf (29.05.2009, 19:40 Uhr)
Naja...

die durchgeknalltesten Spinner kommen immer noch aus Deutschland und Amerikikerikiii... ;-D
blackview (29.05.2009, 05:40 Uhr)
Man sollte
nicht unterschaetzen, das ein Machtverlust einem Gesichtsverlust gleich kaeme. Das ist so ungefaehr das schlimmste, was einem Asiaten passieren kann. Dagegen wird er sich mit allen Mitteln wehren.Auch ein Erstschlag waere denkbar, dann hat er sein Gesicht gewahrt (seiner Ansicht nach )und ist im Kampf " fuer die Sache " heldenhaft gefallen. Unterschaetzt die kranke Ansicht einiger Asiaten nicht. Diese kann man vergleichen mit den hirnlosen Aktionen von Islamisten, Kamikazen und anderen Selbstmordattentaetern. Also nicht einfach abwinken und hinterher ueberrascht sein.
ganzbaf (28.05.2009, 09:33 Uhr)
Keine Ahnung...

Ich war noch nicht da ;-Ä
vegefranz (28.05.2009, 07:40 Uhr)
Immerhin sind in Nordkorea alle "gleich" und niemand "sozial benachteiligt"

daher muss die politik von Kim beifall bei der Linken/ExPDS/ExSED finden. Zum grossen Glück des Landes gibt es dort keine bösen Kapitalisten. Kein Ackermann, kein Güllner und kein Clement, kein Harz4 und keine Dividenden.
Mit anderen Worten: Das Paradies auf Erden
markus1907 (27.05.2009, 20:06 Uhr)
Ignorieren
Ich glaube nicht, dass Nordkorea es wagen wird irgendeinen Krieg anzuzetteln. Dort weiß man ganz genau, dass dies das Ende dieser menschenverachtender Diktatur wäre. Nordkorea besitzt zwar zahlenmäßig die viertgrößte Armee der Welt. Die Ausrüstung ist jedoch noch aus den 60-er Jahren und würde der technologischen Übermacht der Amerikaner und Südkoreaner noch nicht mal einen Monat standhalten. Auch wenn Nordkorea in der Lage wäre eine atomare Interkontinentalrakete in ein Ziel zu bringen. Sie würden es niemals wagen. Zurzeit sind es nur einfache Machtspielchen, die seitens der Norkoreaner durchgespielt werden. Sollen sie doch machen. Ich denke, dass man es am Besten ignorieren sollte. Für dieses "machtgeile" Regime, wäre es wohl die größte Bestrafung.
Aquarius2 (27.05.2009, 20:05 Uhr)
Hier ist Diplomatie gefragt
Und zwar nicht die Kanonenboot-Diplomatie!
Eigentlich ist der Diktator schwach und tut nur stark.
Deshalb diese Drohgebärden.
Wir sollten aufpassen, dass uns nicht ein vierter Schauplatz analog Jugoslawien, Afghanistan oder Irak von in Diplomatie unerfahrenen Politikern serviert wird.
Die Durchsetzung von politischen Zielen über Diplomatie und Wirtschaftshilfe war noch immer preiswerter und unblutiger, als
undurchdachte "vorsorgliche" Angriffskriege.
Natürlich wird eine bestimmte Macht in unserer Welt weiterhin für sich beanspruchen wollen, als Einzige und Erste Atomwaffen produzieren, besitzen und einsetzen zu können.
Ein Zweiter hat es bisher noch nicht fertig gebracht, Menschen einem Atomangriff auszusetzen ...
vegefranz (27.05.2009, 19:31 Uhr)
erste Folgen der Obama-Kuschelpolitik
alle schurkenstaaten der welt wissen, dass Obama zu keiner ernsthaften Reaktion fähig ist. Daher werden die frech. der Nordkoreaner it erst der anfang. Bald drehen die Islamisten in einem anderen teil der welt durch.
Zitat aus einem Film: "Warum gewinnt eigentlich immer das Böse? weil das Gute zu schwach ist"
und Obama, der Medienhype, ist der Schwächste
Administrator (27.05.2009, 17:47 Uhr)
@Gisella
Liebe/r Gisella,
sachlich, auf das Thema bezogen, keine persönlichen Angriffe anderer User.
MfG
Ihre stern.de-Admins
auwei (27.05.2009, 17:37 Uhr)
@chatahootchee
Falsch! Kim hat alles zu verlieren - und nichts zu gewinnen, wenn er Ernst machen würde. Niemand will ein kollabierendes, führerloses NK - nicht SK, nicht China, nicht Russland, nicht die USA (ganz bestimmt nicht nach den Irak- und Afghanistan-Erfahrungen in punkto Nation Building). Und Kim will keinen Krieg, sondern einen Hebel, mit dem er sich Anerkennung und Unterstützung erpressen kann.
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