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25. März 2010, 11:09 Uhr

Eiserne Merkel stellt sich der EU

Der Streit um Nothilfen für Griechenland entzweit die EU wie kaum zuvor. Im Kreuzfeuer steht vor allem Angela Merkel, die sich bislang gegen konkrete Ankündigungen wehrte. Beim heutigen EU-Gipfel in Brüssel kommt es zum Showdown. Von Mirjam Hecking, Brüssel

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Merkel im Blickpunkt: Beim EU-Gipfel will die Kanzlerin kein "Geld ins Schaufenster" legen© Wolfgang Kumm/DPA

Am Brüsseler Platz Rond-Point Schuman scheint alles bereit für den Gipfel: Die Übertragungswagen parken schon vor dem Ratsgebäude. Am Straßenrand stehen meterweise Absperrgitter. Und auch die stacheldrahtbewehrte Straßensperre wartet schon auf ihren Einsatz. Im Gebäude, wo sich nun die europäischen Staats- und Regierungschefs treffen werden, um über die Zukunft Europas zu beraten, sieht es nicht anders aus: Telefonleitungen sind verlegt, Monitore aufgestellt. Die Schreibtische stehen in Reih und Glied. Alles ist wohlgeordnet.

Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen gähnt eine gigantische Baustelle. Wenige Stunden vor dem Gipfel steht nicht einmal die genaue Agenda des Treffens fest. Klar ist nur, dass es um Beschäftigung, eine gemeinsame Wirtschaftspolitik und die Klimapolitik nach Kopenhagen gehen wird.

Doch wird es, wie von einigen Regierungschefs wie dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Zapatero angedacht, vor dem Gipfeltreffen eine Zusammenkunft der Regierungschefs der Eurozone geben? "Noch nicht entschieden", hieß es aus dem Umfeld von EU-Ratspräsident Herman van Rompuy. Ebenso ist unklar, ob die Staats- und Regierungschefs bei dem Gipfel ein konkretes Hilfsangebot für Griechenland präsentieren werden. "Wir haben noch 24 Stunden."

Merkel im Kreuzfeuer

Es herrscht Uneinigkeit wie selten. Im Kreuzfeuer dabei steht vor allem Angela Merkel. Die Kanzlerin wehrt sich seit Wochen dagegen, den Griechen ein konkretes Hilfsangebot zu machen, "Geld ins Schaufenster" zu legen, wie es ihr Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle zu Wochenbeginn formulierte. Griechenland habe ja noch gar nicht um Geld gebeten, heißt es gebetsmühlenartig aus Berlin. Der Reformdruck dürfe nicht durch zu frühe Zusagen gelockert werden.

Gründe für ihre Zurückhaltung hat Merkel viele - und das nicht nur, weil im Mai in Nordrhein-Westfalen gewählt wird und die Umfragewerte der Union massiv sinken. Man will keinen Präzedenzfall schaffen. Weitere potenzielle Pleitekandidaten gibt es ja genug. So senkte die Ratingagentur Fitch jetzt ihre Bewertung für Portugal. Und auch Großbritannien wird von vielen als nächster möglicher Pleite-Patient gehandelt.

Anti-griechische Medienkampagne

"In kaum einem anderen Land sind Hilfen für Griechenland so umstritten wie in Deutschland - was nicht zuletzt auch populistischen Medienkampagnen geschuldet ist ", sagt Thomas Klau vom Europäischen Think Tank European Council on Foreign Relations. Schließlich ist unbestritten, dass die Griechen über Jahre falsche Angaben gemacht haben, Korruption und Steuerhinterziehung an der Tagesordnung sind. Aber auch, dass die Regierung erkannt hat, dass an rigorosen Sparmaßnahmen kein Weg vorbeiführt.

Hatten die Staats- und Regierungschefs noch bei ihrem Sondergipfel im Februar mit der Ankündigung, Griechenland im Notfall zur Seite zu stehen, Einigkeit demonstriert um die Märkte zu beruhigen, war die Kommunikationsstrategie in den darauf folgenden Wochen in sich zusammengebrochen. Fast täglich gab es neue Vorstöße. Vorschläge werden diskutiert und wieder verworfen - und der Euro sackte zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand zum Dollar seit zehn Monaten.

Phasenweise schien das Ganze in einen deutsch-griechischen Kleinkrieg auszuarten. Erst vor wenigen Tagen warf der griechische Vize-Regierungschef Theodoros Pangalos Deutschland wieder vor, im Interesse seiner Exportindustrie auf einen schwachen Euro hinzuarbeiten, während die "Bild"-Zeitung forderte: "Frau Merkel, bleiben Sie bei ihrem Nein."

Fatale Folgen für die Währungsunion

Doch Deutschland steht allein. Ein Nein zur Veröffentlichung eines Notfallplans wollen die meisten anderen Mitgliedsländer und mittlerweile auch Kommissionspräsident José Manuel Barroso nicht mehr akzeptieren. Sie fürchten, dass ein weiteres Zögern fatale Folgen für die Währungsunion haben könnte. "Der kritische Moment kommt jetzt", ist auch Wirtschaftsexperte Jakob von Weizsäcker vom Brüsseler Think Tank Bruegel überzeugt. "Nein ist not an answer" titelte die "Financial Times". Das geladene Gewehr müsse auf den Tisch, um sicherzustellen, dass die Finanzmärkte angemessen reagierten, forderte Premier Giorgos Papandreou klipp und klar. Ansonsten gehe man eben zum IWF.

Eine Drohung die in Berlin auf offene Ohren stieß. Denn anders als in anderen Ländern ist man hier einer solchen Lösung durchaus nicht abgeneigt. Zwar gibt es in der EU viele, die den Gang zum Internationalen Währungsfonds als klares Zeichen sehen, dass sich die EU nicht selbst helfen kann und den Einfluss Washingtons fürchten. Und auch die EZB steht einer Beteiligung des IWF kritisch gegenüber.

Sarkozy scheint einzulenken

Doch der Widerstand bröckelt. Und sogar der französische Staatschef Nicolas Sarkozy scheint mittlerweile auf den deutschen Kurs einzulenken. Der sieht offenbar für den Fall vor, dass Griechenland daran scheitern sollte, sich selbst Geld auf dem Kapitalmarkt zu besorgen, einen Kredit des Internationalen Währungsfonds vor. Ergänzt werden könnte das ganze dann durch freiwillige Hilfen einiger EU-Länder.

Europarechtlich wären solche bilateralen Hilfen, die beispielsweise von der KfW kommen könnten, nach Ansicht von Experten unbedenklich. Was bleibt ist das finanzielle Risiko. Und die Gefahr, dass Griechenland nur der Anfang ist.

Von Mirjam Hecking, Brüssel
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
ganzbaf (27.03.2010, 09:41 Uhr)
Eiserner Plumpudding... ;-)

Die Schmerkel hat doch nix auf der Pfanne. Außer verbranntem Schwarzkohl... ;-S
brigitteramsau (26.03.2010, 08:43 Uhr)
Eiserne Merkel?
...hmm, die Gangster Truppe von Goldman Sachs operiert immer noch in der BRD und in anderen europaeischen Laendern. Das man diesen Schurken die Griechenland praktisch ausgepluendert haben weiterhin frei herumlaufen laesst zeigt in der Tat "eiserne" Haerte.

Macht euch doch nicht laecherlich mit solchen populistischen und faktlosen Artikeln.

Merke die Dummkoepfe die den Griechen, Spaniern und Iren nicht helfen wollen werden auch die hohe Inflation geniessen und vor allem die hohen Energiepreise.

Auch fuer den deutschen Export ist ein schwacher Euro nicht hilfreich, da Rohstoffe und vor allem Energie eingefuehrt werden muessen.
knilch_59 (25.03.2010, 21:14 Uhr)
@binausgold:
Kleine Korrektur: Die von Ihnen so geschätzten Sparkassen und Volksbanken sind zwingend (!) darauf angewiesen, erhebliche Teile ihrer ihrer Kundeneinlagen im Wege des Inter-Bankenhandels weiterzugeben: Die Sparkassen an die Landesbanken, die Volksbanken an die DG-Bankengruppe. Und von dort aus geht es dann ins Investmentabanking oder die internationalen Staats- oder Hypothekenfinanzierer wie DePfa, HRE, ...
.
Die Durchschnitts-Sparkasse oder Volksbank vergibt nur ca. 2/3 ihrer Kundeneinlagen selbst wieder als Darlehn, der Rest geht auch dort ins große Casino.
.
Deshalb drohte tatsächlich mit dem Untergang der HRE die "Kernschmelze" unseres Finanzsystems: Wenn man die nicht gerettet hätte, wäre sogar die Sparkasse an der Ecke in die Bredouille geraten.
also_ne... (25.03.2010, 17:36 Uhr)
touchée
.
binausgold (25.03.2010, 17:27 Uhr)
@also_ne...
denken sie noch mal genau nach, wenn oma 5000 euro auf ihr sparbuch bei der sparkasse zu 1prozent hat, dann geht das sicher nicht so schnell verloren.
wenn oma aber meint sie müsse über lehmann-zertifikate 10prozent erspekulieren, dann soll sich auch das risiko für 10prozent tragen
und das gilt nicht nur für oma sondern sollte für alle die großes geldverdienen wollen gelten.
kleine erklärung dazu
systemrelevant sind die großen spekulationsbanken doch nicht. systemrelevant sind z. b. hierzulande die sparkassen und volksbanken. soll ich ihnen sagen warum?....weil über 90prozent er normalbürger dort ihre konten und kredite haben. wenn diese beiden bankengruppen pleite gehen dann ist es ein ganzes volk. wenn die anderen pleite gehen, dann nur der obere exclusive teil der bevölkerung mit mehr geld zwar, viel mehr, aber bevölkerungsanteilig bestimmt nicht systemrelevant.
deswegen laßt sie pleite gehen. Bitte!
Johann58 (25.03.2010, 17:08 Uhr)
@also_ne...
In den USA sind normalerweise Einlagen bis zu $250.000 durch FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) gesichert.an muyss eben darauf achten, dass die Bank Mitglied bei FDIC ist.

Da aber in den USA die meisten Anschaffungen ueber Kredite gemacht werden kommen schnell horende Summen zustande und wenn mit dem Job mal was passiert, dann ist man Rueck Zuck nicht mehr in der Lage die monatlichen Raten abzuzahlen.

Das groesste Problem in den USA waren die vielen faulen Hypotheken. Da wurde geworben mit; No credit, no social security number no problem' und Hypothekenzinsen im 1. Jahr, die noch nicht mal die Bearbeitungskosten gedeckt haben. Als dann nach 12 oder 24 Monaten die Hypotheken von $1.000 auf $2,500 geschossen sind sassen eben insbesondere in den staedtischen Gegenden eine ganze Menge Banken auf faulen Krediten. Die Deutsche Bank kann ja auch ein Lied davon singen, da wollte man sich ein grosses Stueck vom Kuchen abschneiden und an dem boomenden Markt mit US Immobilien eine goldene Nase verdienen und ist mit blutender nase wieder aufgewacht.
knilch_59 (25.03.2010, 17:01 Uhr)
@also_ne...
Ihr Gefühl trügt: Deutschland ist Sparweltmeister mit privaten Sparvermögen, die die Staatsverschuldung um mehr als das Doppelte übersteigen. Also müssen die Deutschen Banken für Omas Spargroschen international nach lukrativen Engagements suchen, indem sie Staatsanleihen geben oder ihr Geld an Hedge-Fonds ausleihen, die damit multinationale Konzerne zu handelbaren Gütern machen.
.
Würden sie das nicht tun, könnten sie Omi keine Zinsen zahlen. Dann würde Omi das Geld nach Island auf die Bank tragen, weil es dort ja Zinsen gibt. Und wenn die isländische Bank dann pleite macht, ...
.
Mein Mitleid mit Omi hält sich in Grenzen. Die Grenze bewegt sich irgendwo in der Größenordnung von 22.500 Euro pro Person, (ein Netto-Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners, anderthalb Jahresrenten eines Eckrentners - mehr Garantie muss nicht sein). Vor der Bankenkrise waren übrigens 20.000 über die Einlagensicherung auch garantiert. Wer mehr Garantie haben will, müsste die ?kaufen?: Durch Zinsverzicht oder gegen eine Versicherungsprämie, ... Heute ist es ja umgekehrt: Wer mehr Geld übrig hat, bekommt dafür ja noch mehr mehr. Bitte mal drüber nachdenken ...
Gisella (25.03.2010, 16:56 Uhr)
"Wiebitte"
-es war in Griechenland und der "Müll" war auch deutlich an den stark besuchten Stränden zu sehen............"Faulheit stärkt den Rücken " so sieht es aus dort.
knilch_59 (25.03.2010, 16:49 Uhr)
@Johann58: Einverstanden:
Ohne den Euro wäre unsere Wirtschaft heute noch weiter unten. Aber die EU ist eine Fehlkonstruktion:
Sie ist regierungslastig, weil parlamentarische Kontrolle nicht existiert, prüft die eine Exekutive die andere, was natürlich das Vertuschen von Fehlern begünstigt. Eine Vertragsgemeinschaft ohne Sanktions- und Kündigungsklausel gibt es sonst nirgends, nur in Brüssel und Luxemburg. Für den finanziellen Schaden aus den Maastricht-Verträgen sollte man folglich die Regierung Kohl in Amtshaftung nehmen. Dort haben Beamte (auch Politiker sind Beamte) fahrlässig öffentliche Gelder aufs Spiel gesetzt, also Regress ins Privatvermögen für Kohl, Weigel und Kinkel! Bringt zwar nicht wirklich viel, aber die Symbolik wäre mir wichtig. Dass diese wirtschaftlichen Tiefflieger noch Verdienstorden erhalten haben, ist grauenhaft!
.
Zu den Spareinlagen: Auch dort wären für mich Kompromisse denkbar: Zinslose Einlagen beim Staat werden garantiert, wer Zinsen haben will, trägt eben auch ein Risiko: je höher die Zinsgier, desto höher der Eigenanteil im Verlustfall. Und, wie gesagt: über eine Sozialquote kann man ja reden!
also_ne... (25.03.2010, 16:48 Uhr)
@ knilch_59
klar sollte es nicht Aufgabe des Staates sein, Banken und Spareinlagen gegen Risiken zu versichern.
Aber Ihre Argumentation in anderer Richtung, halte ich ebenfalls nicht für förderlich. Es hält ja nicht jeder sein Geld absichtlich zurück, sondern muss auch mal auf div. Anschaffungen sparen und nicht alles auf Pump zu kaufen (siehe USA, wir haben ja gesehen, wo die nahezu ausschließliche Beschaffung auf Kredit(karten) hingeführt hat!).
Ich habe das Gefühl, das Wort "sparen" kennen viele Leute gar nicht mehr!
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