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"Ist mein Mann in dem Gebäude, das gerade zusammengekracht ist?"

Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Attentats wurden Protokolle der Gespräche auf New Yorker Amtsleitungen veröffentlicht. Ergänzt von Berichten überlebender Beamter dokumentieren sie Verzweiflung und Courage im großen Chaos.

Rauch über den Wolkenkratzern von New York: Einer der Zwillingstürme des World Trade Centers am 11. September 2001 nach dem Anschlag© Getty Images

Am 11. September 2001 kamen im World Trade Center circa 3000 Menschen ums Leben.

Die Hafenbehörde von New York und New Jersey war Besitzerin des World Trade Center. Auf ihrem Grund und Boden war das Gebäude rund 30 Jahre zuvor errichtet worden. Sie unterhält auch eine eigene Polizeitruppe. 84 Mitarbeiter der Port Authority starben bei den Anschlägen, darunter 37 Polizisten.

In den Notrufzentralen der Port Authority werden alle Telefonate, der Funkverkehr der Mitarbeiter sowie die Gespräche mit Feuerwehr und Polizei mitgeschnitten. Am 11. September glühten die Drähte. In den 103 Minuten von 8.45 Uhr, dem Zeitpunkt des ersten Einschlags, bis 10.28 Uhr, als der zweite Turm einstürzte, summierte sich die Dauer der Aufzeichnungen aller Leitungen und Kanäle auf 260 Stunden.

Die Port Authority verweigerte die Veröffentlichung der Aufzeichnungen mit Rücksicht auf die Opfer. Die "New York Times" klagte im März 2002 dagegen. Die Zeitung wollte die Einschränkung der Informationsfreiheit nicht hinnehmen. Ein Gericht in New Jersey gab ihr am Donnerstag vergangener Woche Recht.

Berichte der Überlebenden

Den Angehörigen bleibt es allerdings erspart, noch einmal Stimmen der Toten zu hören. Nur Abschriften der Tonbänder gelangten an die Öffentlichkeit. Mehr als die Hälfte der protokollierten Äußerungen können nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden. Lärm und Schreie überdecken viele Worte. Das 2000 Seiten starke Informationspaket wird ergänzt durch handschriftliche Berichte. Überlebende Mitarbeiter der Port Authority schrieben für ihre Vorgesetzten auf, was sie am 11. September 2001 erlebt haben.

Im folgenden eine Auswahl an Notrufen, Funksprüchen und letzten Worten - ein bedrückendes Schwarzbuch:

"Hier sind 75 bis 100 Leute. Die meisten sind im 106. Stock, der 107. Stock ist voll mit Rauch. Wir müssen dringend wissen, wohin wir mit unseren Gästen gehen sollen" Christine Olender, Managerin des Restaurants "Windows on the World"

"Richie, Richie, wo bist du? Wenn wir hier nicht rauskommen, müssen wir alle sterben. Der zweite Turm wird auch noch zusammenbrechen... Wir sitzen fest in Treppenhaus B, Turm eins" Officer M. Simons

"Ich sah, wie Bürgermeister Giuliani und seine Leute flohen. Ich musste immer wieder anhalten, weil Menschen vor mir in den Tod stürzten. Ein Feuerwehrmann wurde von einem Körper erschlagen" Officer A. Hamlett

Rundruf der Polizei "An alle Einheiten. An alle Einheiten. World Trade Center zwei ist gerade zusammengebrochen"

Anruf aus dem World Trade Center kurz nach neun Uhr morgens am 11. September 2001 "Heather, ich bin's, dein Vater. Ich weiß nicht, ob du gerade den Fernseher an hast. Wir hatten eine Explosion hier im World Trade Center. Aber ich bin okay. Also mach dir keine Sorgen. Ich ruf dich wieder an. Ich liebe dich, bye."

"Ich hatte mich gerade in unser Computersystem eingeloggt, im Büro des Generalinspektors, Raum 7767, World Trade Center eins. Es gab zwei Explosionen kurz hintereinander. Die Druckwelle warf mich von meinem Sessel auf den Boden. Als ich wieder aufstand, schwankte das Gebäude wie ein Boot auf dem Wasser. Einer der anderen Beamten, James O'Sullivan, stürzte ins Büro und schrie, dass es eine Bombe gewesen sein muss und dass der Flur zerstört sei. Die Decken waren eingestürzt, die Gipsplatten von den Wänden gerissen, und sie brannten. Der Flur auf der 77. Etage füllte sich mit Menschen. Sie kamen vom Treppenhaus C. Sie schrien, dass die Türen auf dem 76. Stockwerk verschlossen seien und es keinen Fluchtweg gebe. (Shuhala ging die Treppen zum 76. Stock hinunter). Die Türklinke war kalt. Aber die Tür ließ sich nur einen Zentimeter weit öffnen. Ich versuchte, die Tür einzutreten, zwei Arbeiter halfen mir dabei. Einer von ihnen griff nach einem Feuerlöscher und wollte den Türpfosten aus der Wand brechen. Der Rigips knackte, gab aber nicht nach. Der andere Arbeiter wurde panisch und weinte, dass er in der Falle sitze und hier oben sterben müsse…" Michael S. Shuhala, Inspektor im Büro der Port Authority

Anruf bei der Polizei im World Trade Center: "Ja, wir sind im 92. Stock. Wir müssen wissen, ob wir raus sollen. Wir haben die Explosion gehört, wissen aber nicht, in welchem Gebäude." Officer Brady: "Sehen Sie Rauch?" Anrufer: "Nein, wir riechen nur was. Sollen wir hier bleiben oder raus? Ich warte." (Gemurmel im Hintergrund) Brady: "Ich würde bleiben, bis ihr was anderes hört." Anrufer: "Okay, wir werden nicht räumen."

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