22. April 2012, 09:03 Uhr

François Hollande - der Anti-Sarkozy

Vom Provinzpolitiker hat er es zum Favoriten für das französische Präsidentenamt geschafft. François Hollande gilt als Gegenentwurf zum bisherigen Amtsinhaber. Doch manchen ist der vorsichtige Anti-Sarkozy einfach zu langweilig.

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Küsschen von einem Fan: François Hollande scheint seine eigene Beliebtheit noch nicht ganz geheuer©

Er ist der Gegenentwurf zu Frankreichs hyperaktivem Präsidenten Nicolas Sarkozy: nüchtern, vorsichtig, ohne Starallüren, manchen zu langweilig oder gar zu schlaff. Er selbst bezeichnet sich einfach als "normal" und das will François Hollande auch als Präsident bleiben, sollte er die Wahl im Mai gewinnen. Begeisterung löst der Sozialist durch sein Auftreten und sein Programm bei den Wählern bisher nicht aus. Dennoch stehen die Chancen für den 57-Jährigen sehr gut, denn viele Franzosen haben genug von den großen Gesten und dem Aktionismus à la Sarkozy.

Der lange als blasser Regionalpolitiker verschrieene Hollande schafft es seit dem vergangenen Jahr durchgängig, Sarkozy in den Umfragen abzuhängen. Derzeit käme der Abgeordnete und Regionalrat aus der Corrèze im südwestlichen Landesinneren in der Stichwahl laut Umfragen auf bis zu 56 Prozent vor Sarkozy mit 44 Prozent.

Dabei hätte noch vor einem Jahr niemand auf Hollande gewettet, denn lange galt sein schillernder Parteifreund Dominique Strauss-Kahn als der große Hoffnungsträger der französischen Sozialisten. Nachdem sich der Ex-IWF-Chef durch seine Sex-Affären aber selbst aus dem Rennen katapultiert hatte, setzte sich der dem gemäßigten Lager zugerechnete Hollande bei den Vorwahlen der Sozialisten im Herbst klar als Präsidentschaftskandidat durch.

Bewusst sachlich

Mit einer fulminanten Rede im Januar in Le Bourget bei Paris, seinem 60-Punkte-Programm für Arbeit, Bildung und Jugend sowie einigen wenigen Überraschungseffekten wie seiner Reichensteuer von 75 Prozent gelang es Hollande im Wahlkampf, die Balance zwischen Seriosität und dem von ihm versprochenen "Wandel" zu halten. Die Linken will er um sich scharen, Grabenkämpfe vermeiden und ganz Frankreich per Dialog voranbringen.

Seine politischen Gegner werfen ihm vor, ihm fehle Regierungserfahrung und internationales Profil. Tatsächlich war Hollande, der elf Jahre lang die Sozialisten als Parteichef führte, nie Minister. Doch einschüchtern lässt sich der Sozialist nicht: Er werde nicht auf "billige Polemiken und übermäßige Aggressivität" einschwenken, versichert er - und hält bisher an seinem sachlichen Kurs fest, verzichtet öffentlich auch auf seinen trockenen Humor.

Hollandes harmloses Auftreten täuschte lange darüber hinweg, was in ihm steckt. Dabei absolvierte der Sohn eines Arztes, der am 12. August 1954 im nordfranzösischen Rouen geboren wurde, gleich drei Eliteunis. Schon als 20-Jähriger arbeitete er im Wahlkampfteam von François Mitterrand mit, der ihn zusammen mit seiner Lebengefährtin Ségolène Royal nach seinem Wahlsieg 1981 in den Elyséepalast holte.

Im Schatten der Ex

Hollande stand lange im Schatten der redegewandten Royal, mit der er vier Kinder hat. Die beiden trennten sich, nachdem Royal 2007 bei der Präsidentschaftswahl gegen Sarkozy verloren hatte. Hollande hatte aber zuvor schon ein neue große Liebe, die "Frau seines Lebens", gefunden: Die 47-jährige Politik-Journalistin Valérie Trierweiler, der nachgesagt wird, sie habe ihm ein kantigeres Profil verpasst. Wurde Hollande doch lange wegen seiner rundlichen Figur als "Flamby" verspottet - so heißt eine Puddingmarke in Frankreich. Seit 2010 speckte er mehr als zehn Kilo ab.

Doch der als ausgleichend geltende Hollande kann auch auf Konfrontationskurs gehen und das machte er selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber deutlich. Seine Forderung, den Fiskalpakt zur Haushaltsdisziplin in Europa um ein Wachstumsprogramm zu ergänzen, löste in Berlin erheblichen Ärger aus.

Bis heute weigert sich Merkel, die ihren Parteifreund Sarkozy unterstützt, den Sozialisten im Kanzleramt zu empfangen. Hollande aber lässt sich auch davon nicht beirren. Sollte er die Wahl gewinnen, dann will er zuerst nach Berlin reisen und mit Merkel verhandeln. Die Kanzlerin ließ er bereits wissen: "Man wird auf mich hören müssen."

Christine Pöhlmann, AFP
 
 
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