Barack Obama wollte im Rahmen seiner Gesundheitsreform jeder Frau die Möglichkeit zur kostenlosen Verhütung geben. Konservative Politiker und die Kirche liefen gegen die Klausel Sturm. Nun hat der US-Präsident sich auf einen Kompromiss eingelassen - zum Erhalt der Religionsfreiheit.

Mit seiner Gesundheitsreform musste Barack Obama einige Tiefschläge einstecken© Brendan Hoffman/Getty Images
Nach wachsender Kritik an seinen Plänen für kostenlose Verhütungsmittel hat US-Präsident Barack Obama eingelenkt. Bei einem kurzen Auftritt im Weißen Haus schlug Obama am Freitag einen Kompromiss zu der umstrittenen Klausel seiner Gesundheitsreform vor. Die besagte ursprünglich, Arbeitgeber müssten ihren Mitarbeiterinnen verschreibungspflichtige Verhütungsmittel künftig finanzieren. Einrichtungen, die von Kirchen betrieben werden, wie Krankenhäuser oder Schulen, sollen laut Kompromiss nun von der Klausel ausgenommen werden, an ihrer Stelle sollen die Krankenversicherungen selbst einspringen.
Der Kompromiss stelle sicher, dass keine Frau vom freien Zugang zu Verhütungsmitteln ausgeschlossen werde, die religiösen Organisationen aber nicht "direkt" dafür zahlen müssten, sagte der Präsident. Die Religionsfreiheit bleibe garantiert.
Die katholische Kirche, die Verhütungsmittel strikt ablehnt, war gegen die Ende Januar vorgestellte Regelung Sturm gelaufen. Das Thema erreichte sogar den Präsidentschaftswahlkampf. Der republikanische Parlamentspräsident John Boehner warf Obama einen "unzweideutigen Angriff auf die Religionsfreiheit" vor. Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum beschuldigte Obama, den Menschen in den USA seine "säkularen Werte" aufzwingen zu wollen.
Die US-Bischofskonferenz nannte Obamas Vorschlag einen richtigen "ersten Schritt". Dagegen zeigten sich liberale Katholiken-Bewegungen enttäuscht über den "Sieg der Bischöfe". Sie erinnerten daran, dass "98 Prozent der katholischen Frauen im gebährfähigen Alter" Verhütungsmethoden anwenden, die von den katholischen amerikanischen Bischöfen abgelehnt würden.