. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. Juni 2009, 14:40 Uhr

Prima Klima verzweifelt gesucht

Fast ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Angela Merkel einen Termin im Weißen Haus bekommen hat. Nun trifft sie auf einen Barack Obama, dem Deutschland suspekt ist: zu nörgelig, zu zögerlich, zu diffus. Die Kanzlerin will wohl auch deshalb gegen den Präsidenten punkten: mit dem Dauerstreitthema Klimapolitik. Von Katja Gloger

 
USA, Merkel, Angela Merkel, Barack Obama,

Sucht die Nähe des "rücksichtslosen Pragmatikers": Angela Merkel hat einen Termin in Washington© Sebastian Willnow/DDP

Wurde aber auch Zeit. Eigentlich hätte sie ja schon vor drei Monaten zum Schnupperbesuch fahren sollen. Ein erstes Tête-a-Tête mit Mr. President, dem wichtigsten Mann der Welt, dazu ein paar werbewirksame Fotos im Oval Office. So will es das politische Ritual, fast schon erinnert es an die Royals: Der neu gewählte US-Präsident empfängt Freunde, Alliierte bei sich zu Hause - und an der Reihenfolge der Besucher konnte man ablesen, wer gerade die besondere Gunst des Präsidenten genießt. Oder aber: Wen man zappeln lässt.

Im März also, zwei ziemlich lange Monate nach Barack Obamas Amtsantritt, hätte Angela Merkel nach Washington reisen können, schon wurden mögliche Termine gestreut. Doch offenbar konnte - oder wollte - sich der Präsident nicht ausreichend Zeit für die Dame aus Deutschland nehmen. Merkel jedenfalls blieb zu Hause. Man sprach per Videoschaltung miteinander. Jetzt, im Monat Fünf der Ära Obama, waren eigentlich schon alle zu Besuch - selbst der Präsident von Costa Rica hatte einen Termin.

Jetzt also, endlich, die Kanzlerin. Gerüchte um Verstimmungen und transatlantische Probleme schmettert man in Berlin ab: Angela Merkel sehe sich nicht in einem Sympathie-Wettstreit. Man verfolge Interessen, die Dame sei auf Geschäftsreise. Und außerdem habe man sich innerhalb eines Jahres ja schon viermal getroffen, beinahe ein Rekord. Man tut also ganz cool in Berlin. Aber man ist es nicht. Denn schon immer wurde das deutsch-amerikanische Verhältnis bestimmt von der Chemie zwischen Präsident und Kanzler, von einem persönlichen Verhältnis zum mächtigsten Politiker der Welt.

Mit Bush konnte Merkel gut

Ach, wie nett es doch war mit George W. Bush. Mit dem musste sie zwar vorsichtig umgehen, wollte nicht zuviel Nähe zeigen (Irak-Krieg, Folter, Guantanamo), doch George W. erwies seiner "Freundin", wie er sagte, alle nur erdenklichen Ehren. Ausgedehnte Treffen, lange Mittagessen, sogar ein Privatbesuch auf der Ranch in Texas, da briet der Präsident ihr die Hamburger höchstpersönlich. Und stets schien es, als sei Bush aufrichtig begeistert von ihrem Aufstieg zur Macht: Ihre Ost-Biografie entsprach seinem Weltbild von der ewigen Sehnsucht nach Freiheit. Er konnte gut mit ihr, mit einer starken, bloß nicht zu fraulichen Frau, ein bisschen gestreng-belehrende Mama, viel Kumpel. Kein Wunder, dass er ihr die verspannten Schultern massieren wollte. Spätestens damals, in St. Petersburg, wurde klar: Er hatte das Machtprinzip Merkel nicht verstanden.

Sie wusste ja, sie hatte ihn im Griff. Bush würde keine politischen Zugeständnisse von ihr verlangen - er wollte ja selbst keine geben, etwa in Klimafragen. Sie wusste mit ihm umzugehen, schließlich ist auch George W. Bush nur ein Mann, ein "Swagger", wie es im Englischen heißt: ein bisschen aufschneiderisch, ein bisschen Prahlhans eben. Für sie sind das bekannte Verhaltensmuster, ein bisschen Eitelkeit und viel Gerangel um die Macht. Diese Wege hatte Angela Merkel noch immer durchkreuzt.

Doch dieses Mal ist es anders. Barack Obama, das wurde Anwesenden schon nach der ersten, eher kühlen Begegnung der beiden im Kanzleramt im vergangenen Juli klar, ist eine andere Kategorie. Seine eigene Geschichte ist unschlagbar, sie bewegt Millionen, sie fasziniert, über kulturelle, religiöse, soziale Grenzen hinweg. Ihre Ost-Biografie ist klein dagegen.

Vor allem aber: Dieser Mann scheint sich den herkömmlichen Kategorien von Politik in Männerwelten zu entziehen. Er rangelt nicht um die Pole-Position. Er macht noch nicht mal anzügliche Witze.

"Hab ich Dich gekriegt, du Mistvieh"

Er ist vielmehr so cool, so beherrscht, dass er während eines Fernsehinterviews eine Fliege fängt, auf seinem Arm zerquetscht, mit elegantem Fingerschnippen auf den Boden wirft. "Hab ich Dich gekriegt, du Mistvieh", den Kameramann auffordert: "Film das!" und sich ungerührt Detailfragen zur Regulierung des Finanzmarktes zuwendet. "Wo waren wir stehen geblieben?"

"Knallhart" sei der, hieß es nach dem ersten Meeting mit Merkel im Kanzleramt im vergangenen Jahr. Da war Obama noch lange nicht Präsident. Schon damals klang eine Menge Respekt mit - aber auch Sorge. Dieser Mann hat höchstens Zeit für rudimentäre Höflichkeiten. Dann kommt er zur Sache. Offiziell ist man zwar noch im "Zuhör-Modus", wie es im Weißen Haus heißt. Doch in Wahrheit fordert man Entscheidungen. Und man glaubt, dass die Deutschen nicht genug für die gemeinsame Sache tun. "Obamas Popularität in Europa führt nicht zu konkreter Unterstützung für Amerikas Politik", kommentiert das Magazin "Newsweek" bissig.

Der Mann ist eisenhart, ganz Business, nie zeigt er seine Sympathien, und manchmal agiert er an der Grenze zur Unhöflichkeit. Neulich, in Dresden, musste man ihm den gemeinsamen Besuch in der Frauenkirche, das Treffen mit Merkel, regelrecht abringen, heißt es. Obama war nicht wegen ihr nach Deutschland gekommen. Er wollte ein ehemaliges Konzentrationslager besuchen. Es war eine Botschaft an Israel und das politische Establishment in den USA, nach seiner Rede in Kairo. Wie kein anderer beherrscht Obama die Macht der Bilder, wie kaum ein anderer kontrolliert er die Botschaft. Berlin? Keine Zeit für diesen Zwischenstopp. Merkel? Brauchte man eigentlich nicht. Sie kriegte 35 Minuten unter vier Augen. Selbst die anschließende Pressekonferenz dauerte länger. Und wie zum Ausgleich für die Brüskierung hatte er einen Tag später, zu Besuch in Frankreich, keine Zeit für ein Dinner mit Frankreichs Präsident Sarkozy. Er führte seine eigens eingeflogene Gattin Michelle lieber zum romantischen Diner am Eiffelturm aus.

Bush wollte CEO sein, Obama ist es

Obamas Vorgänger George W. Bush redete immer nur davon, er wolle wie ein CEO, ein Vorstandsvorsitzender, regieren. Barack Obama aber ist der CEO. Der US-Präsident müsse eine große Führungsfigur sein, "a great leader". Das hatte er schon gesagt, bevor er überhaupt seine Kandidatur erklärte. Und seine Politik beschreibt er selbst als "rücksichtslos pragmatisch".

Die ewig vorsichtigen Deutschen passen nicht in dieses neue Schema. Die Kanzlerin sage nicht Ja und sie sage nicht Nein, heißt es in Washington. Zu diffus, zu taktisch scheint das der so erbarmungslos auf Effizienz getrimmten Obama-Mannschaft. Der Chef will verwertbare Ergebnisse, "commitment". Echtes Engagement.

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 31)
 
Klaus_P (26.06.2009, 15:52 Uhr)
"unsere" Merkel
wird niemals das sein was Obama ist
- ein charismatischer Politiker der auch Wort hält...
Johann58 (26.06.2009, 15:21 Uhr)
@raptor-xl
Merkel macht nichts und schaut was draus wird! Das ist das Vermaechtnis eines Helmut Kohl, dem Meister des Aussitzens. Allerdings lassen sich wohl die Verhaeltnisse in den USA nicht so einfach auf Deutschland uebertragen. Deutschland will in der Weltliga mirtspielen hat aber leider nur Kreisklassenniveau. Die USA haben laengst ihren Status als letzte Supermacht verloren und versuchen verzweifelt diesen Zurueckzugewinnen. Obama versucht es im Gegensayz zu Bush durch mehr Kooperation, Ob es gelingen wird? Man weiss es nicht. Angela Merkel ist nicht auf Augenhoehe mit Obama, das hat aber nichts mit dem Stellenwert Deutschlands zu tun sondern ist ausschliesslich in der Person begruendet.
raptor-xl (26.06.2009, 15:08 Uhr)
so sind die amerikaner...
...sie machen was und schauen dann, was daraus wird.
früher wars der bush. steuern runter, krieg her und am ende sah er dann - klappte nicht.
obama kam, druckte geld, stütze die banken, legte riesige konjunkturpakete auf und hat schon wieder zig neue ideen...
wir reden erst mal vier monate, ob konjunkturpakete was bringen, dann wer sie bekommen soll, renovieren dann davon einige schulen, aber auch die ministerien und ausser der abwrackprämie kam bisher nicht viel rum. wie wir der krise begegnen wollen, erfahren wir dann, wenn sie schon vorbei ist...
gerade merkel ist der ausdruck der zögerlichkeit und des abwartens. sie schickt immer miniter vor, die ein thema laut ansprechen, dann schaut sie auf die reaktionen, dann auf die presse und wenn alle jubeln, dann macht sie das. aber in tippelschritten. damit sie lange was davon hat!
als ich noch in hamburg wohnte, fuhr ich sechs jahre an einer autobahnabzweigung vorbei. sechs jahre für asphalt, bemalung, begrünung und umleitung des verkehrs in der "bauphase". als die bauarbeiten schon fünf jahre dauerten, war in L.A. ein erdbeben und viele brücken stürzten ein.. aber noch bevor die abzweigung in hamburg fertig war, hatten die amis ihre 6spurigen-highwaybrücken wieder alle in betrieb...
damals wurde mir sooo klar, was der unterschied ist. wir sind eben die jammerer, die zerreder und nicht gerade wagemutigen...
Henning100 (26.06.2009, 14:08 Uhr)
Sind doch nur Wichtigtuer
Das Obama der wichtigste Mann dere Welt sein soll, moechte ich doch wohl bezweifeln. Diese sitzen doch wohl in Peking. Und das Obama die Merkel nicht mag, liegt doch wohl auf der Hand, nachdem sie dem Bush jahrelang hineingekrochen ist. Also,
wirtschaftlich mag Deutschland ja noch eine Macht sein, aber politisch war ist und bleibt es doch wohl ein unbedeutender Hinkefuss.
Hirnfreund (26.06.2009, 13:57 Uhr)
Nervig diese Stern Obamalobhudelei!
Obama ist toll und es gibt keinen besseren Menschen auf der Erde. So scheint es zumindest wenn man die Stern berichte liest.
Peinliche Berichterstattung.
endbenutzer (26.06.2009, 11:18 Uhr)
@pitiplatsch:
"...Bin mal gespannt wie sie wieder
rumschleimt was anderes kann die Frau ja nicht..."
.
Doch, sie kann noch mehr: Intrigieren, lügen und verschleiern.
endbenutzer (26.06.2009, 11:15 Uhr)
...
Zitat: ".."Deutschland will immer irgendwie mitmachen", klagt ein Spitzendiplomat. "Aber führen will Deutschland nicht.".."
.
Für meinen Geschmack hatten wir in unserer Vergangenheit einen "Führer" zuviel. Deshalb ist es gar nicht so schlecht, dass wir den Ball ein wenig flacher halten.
Omom (26.06.2009, 10:27 Uhr)
Merkwürdige STERN-Berichterstattung
Im allgemeinen ergehen sich unsere Medien in einem schon peinlichen Personenkult rund um den neuen US-Präsidenten Obama.
Doch damit ist es schlagartig vorbei, wenn es unseren medialen Hofschranzen darum geht, die Merkel in ein positives Licht zu rücken. Mit einem Schlag ist Obama der "kalte Machtmensch" der sich der "vernünftigen Politk" Merkels widersetzt.
Das zeigt einmal mehr den erbärmlichen Zustand unserer "unabhängigen" und "überparteilichen" Medien (es steht zu befürchten, daß sich die große Mehrheit unserer Medien der Merkel-Hofberichterstattung des STERN anschließen wird).
Dr.No (26.06.2009, 07:29 Uhr)
Frau Merkel und das deutsche Dilemma..
wird nicht im September enden und die ihr nun gewaehrte Audienz beim CEO Obama wird nichts aendern, dazu ist der deutsche Karren zu tief zwischen Ja/Nein und schrillsten Apologetentum festgefahren.
Ja, ueberall dabei sein, wir sind ja wer!
Hat sich mal jemand gefragt was dieses "wir sind ja wer!" letztendlich sein soll?
Mit stieren Blick auf die Menschenrechte, sich wie eine Kompagnie schiffsbruechiger sich daran klammernd, verstummen die Menschenrechtler beim Anblick gegen die schlimmsten Menschenrechtsvergehen, weltweit, schauen lieber weg, schweigen und sonnen sich, weich gebettet in der vorgeblchen Pazifismussuelze!
Schau einer auf die Randale der "Linken
" in Berlin - das sind echte "Pazifisten".... eben deutscher, deutscher geht es nicht!
Der Mega-Wiederspruch, der aus dem ganzen eine riesen Muppet Show werden, die her traurig stimmt als zum laechenln animiert!
pitiplatsch (26.06.2009, 05:58 Uhr)
Bin mal gespannt wie sie wieder
rumschleimt was anderes kann die Frau ja nicht. Etwas konkretes sagen getraut sich diese Kriegslüsterne Merkel eh nicht. Na ja noch n paar hundert Soldaten nach Afghanistan schicken, das macht dieses Kriglüsterne Weib schon denke ich, aber ansonsten Pustekuchen, schön lächeln rumschleimen, aber das sind wir ja von der Propagandistin gewöhnt. Schleim schleimiger am schleimigsten ja wer ist den das ???
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Aufruhr im Iran Obama übt scharfe Kritik an Teheran

Unerwartet deutliche Worte aus Washington: US-Präsident Barack Obama hat das Vorgehen des Iran gegen Demonstranten in aller Schärfe verurteilt. Die USA seien empört über die Drohungen und Misshandlungen. Auch das Ergebnis der Präsidentenwahl stellte Obama in Frage. mehr...

Umweltpolitik USA ignorieren Klimawandel nicht länger

Kehrtwende in der US-Umweltpolitik: Die Regierung von Barack Obama verschließt nicht länger die Augen vor den Folgen des Klimawandels. In ihrem ersten Klimabericht werden deutlich die Auswirkungen der Erderwärmung skizziert: heftige Niederschläge, steigende Temperaturen, veränderte Flussläufe. mehr...

Deutschland-Besuch Obama in Dresden gelandet

Begleitet von immensen Sicherheitsvorkehrungen ist die Air Force One mit Barack Obama am Abend in Dresden gelandet. Für seinen dritten Deutschlandbesuch binnen eines Jahres hat sich der US-Präsident einiges vorgenommen - dabei dauert sein Aufenthalt erstaunlich kurz. mehr...