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10. März 2009, 15:10 Uhr

Taliban wollen Macht, keinen Krieg

Barack Obama wandelt auf den Spuren von Kurt Beck: Wie der ehemalige SPD-Chef will auch er Gespräche mit den gemäßigten Taliban in Afghanistan. Auch wenn die das Ersuchen brüsk ablehnen, dürften sie nicht unglücklich über die US-Charmeoffensive sein. Doch das eigentliche Problem des neuen Präsidenten dürfte ein anderes sein. Von Christoph Reuter, Kabul

Barack Obama, Afghanistan, Taliban, Verhandlung

Dialog im Alltag: Die Strategie weiterhin auf Sieg zu setzen, könnte in Afghanistan scheitern© Jalili Rezayee/EPA/DPA

Die Reaktionen aus Afghanistan auf die Empfehlung Barack Obamas, Verhandlungen mit gemäßigten Taliban zu führen, waren gespalten: Präsident Hamid Karzai fand freundliche Worte für den Vorschlag und begrüßte ihn. Einer der Taliban-Sprecher wurde mit brüsker Ablehnung zitiert: Alle ausländischen Truppen, die Amerikaner allen voran, müssten abziehen, da gebe es nichts zu verhandeln.

Das Kuriose ist: In Wirklichkeit dürften die Befindlichkeiten exakt umgekehrt liegen und Hamid Karzai alles andere als glücklich sein, dass die neue US-Regierung ihn schrittweise überflüssig machen möchte. Als treuer Vasall Washingtons war er unverzichtbar gewesen im erklärten Krieg gegen die Taliban. Im Windschatten seines Monopols konnten seine Brüder Abermillionen mit Staatsaufträgen verdienen, Staatsland konfiszieren, den Heroinhandel in Südafghanistan kontrollieren und Gouverneure nach Belieben absetzen lassen, ohne je dafür belangt zu werden. Karzai hatte - noch während der Amtszeit Bush - Verhandlungen mit den Taliban angekündigt. Das hatte dieser jedoch abgelehnt. Wenn aber Obama sie vorschlägt, sind sie ein Signal an Karzai, dass die Tage gezählt sind, seine Präsidentschaft als Blankovollmacht zur Steigerung des Familienvermögens zu betrachten.

Umgekehrt dürften die afghanischen Taliban allzu unglücklich mit Obamas Charmeoffensive nicht sein. Es ist die Ignoranz und missionarische Verblendung der letzten US-Regierung gewesen, Ziele und Ideologie der Taliban und der al Kaida gleichzusetzen - weil Osama bin Laden unter den Taliban in Afghanistan geduldet war. Dabei ist kein Talib bis zum Ende ihres Regimes je an einem Anschlag von al Kaida beteiligt gewesen. Ihnen ging und geht es um die Macht in Afghanistan, nicht um Attacken in Ländern, die die meisten ihrer Anhänger nicht mal auf einer Landkarte finden würden.

Die Taliban militärisch zu vernichten, hat bislang nicht funktioniert und wird auch in Zukunft nicht funktionieren, das haben von der CIA bis zum Ex-Kommandeur der britischen Eliteeinheit SAS mittlerweile alle begriffen. Nun auch Barack Obama. Auf die Frage nach der Besiegbarkeit der Taliban hatte er nur ein knappes "Nein" übrig. Andererseits haben auch die Taliban das Problem, dass ihnen auf ihrem langen Marsch in Flipflops langsam die eigene Anhängerschaft abhanden kommt. Viele Afghanen in den Kampfgebieten Süd- und Ostafghanistans sind der Bombardements und Razzien müde. Sie wollen keine US-Soldaten in ihrer Nachbarschaft, aber sie wollen auch keine Taliban, die aus dem Schutz ihrer Dörfer heraus diese US-Soldaten angreifen. Und große Siege in offener Feldschlacht können die Taliban nicht erringen.

Der Winkelzug der Taliban, Obamas Vorstoß erst einmal abzulehnen und den Abzug aller ausländischen Truppen zu fordern, erhöht den Preis - getreu dem Diktum des einstigen israelischen Premiers Itzhak Rabin, dass man Frieden schließlich nicht mit Freunden, sondern mit Feinden schließe. Auch, dass die Taliban - entgegen allen Ankündigungen - nicht den Prozess der Wahlregistrierung mit Anschlägen behindern, signalisiert Flexibilität. Sie lassen sich sogar selber in großer Zahl registrieren.

Das Problem des neuen amerikanischen Präsidenten könnte ein anderes sein. Er will, wie im Irak, mehr Soldaten ins Land schicken. Doch das dürfte in Afghanistan nicht funktionieren. Gerade wurden 17.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan geschickt. Doch am Hindukusch hat deren Präsenz, vor allem deren Art der Kriegführung, inklusiver regelmäßiger Bombardements der Falschen, bislang stets für eine Ausweitung der Kampfzone gesorgt.

Allein am Südrand von Kabul sollen die Taliban 3000 Kämpfer zusammengezogen haben, die auf die Ankunft der neuen Truppen und ein umkämpftes Frühjahr warten. Sollten die US-Truppen, die künftig auch den Kurs des Nato-Einsatzes weitgehend allein bestimmen werden, weiterhin auf Sieg und Unterwerfung setzen, dürfte dies den erklärten Zielen ihres eigenen Oberbefehlshabers zuwiderlaufen.

Die Forderung ist so neu nicht

Die Forderung, mit gemäßigten afghanischen Taliban zu verhandeln, ist übrigens so neu nicht: Schon vor zwei Jahren hatte der damalige SPD-Chef Kurt Beck das gleiche gefordert. Und im Januar dieses Jahres der deutsche Vier-Sterne-General Egon Ramms, für den Isaf-Einsatz zuständiger Nato-Befehlshaber, im stern-Interview. Mit dem Ergebnis, dass Nato-Oberbefehlshaber und US-General John Craddock seine Absetzung forderte. Ramms blieb - und Craddocks oberster Befehlshaber will nun das Gleiche: verhandeln.

Von Christoph Reuter, Kabul
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Malt (11.03.2009, 18:03 Uhr)
@Oluja
Vergiss es, die WOLLEN es nicht verstehen. Man ist ja schon ein Linksextremer Kommunistennazi wenn man sich nur dazu erdreistet die abenteuerliche These aufzustellen, dass die Taliban Menschen sind. ^^
Oluja (11.03.2009, 11:03 Uhr)
aua aua
kann man dazu nur sagen:
"Die Taliban sind fanatische Bestien und Sie brechen noch einen Stab für diese Wahnsinnigen."
LOL!, wie kommt es dann das diese "Bestien" bis ca. das Jahr 2000 mit die besten Freunde der Amerikaner waren und von diesen viele Jahre lang millionenschwere Finanz- und Waffenhilfe bekommen haben?.
Dies änderte sich oh Wunder schlagartig als die Taliban nicht mehr bereit waren nach der US Pfeiffe zu tanzen und die Pipelinepläne ablehnten, dann wurde aus einem Freund und Verbündeten plötzlich ein böser Feind.
Wer heute noch glaubt die USA wären in Afghanistan um irendwelche Frauen-oder Menschenrechte durchzusetzen u.ä. Schwachsinn, der hat sie nicht mehr alle, denn wie je her geht es den USA rein um knallharte geostrategische und ökonomishe Interessen und andere Völker, vor allem islamische, interessieren sie von je her einen Dreck.
Ansonsten, TAliban hier, TAliban da, reinste Lügenpropaganda, die verschleiern soll das sich immer mehr Gruppen in Afghanistan dem Wiederstand gegen die Besatzung anshcliessen, welche rein garnichts mit dne Taliban gemein haben, ja zum Teil sogar selbst die Taliban bekämpften.
Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Bestzer wie zuvor die Sovjets zermürbt und besiegt das LAnd verlassen werden, denn der HAuptgrund für den bewaffneten Wiederstand ist gerade die Besatzung selbst und wäre ich ein AFghanen, würde ich mich dem KAmpf gegen die Besatzer anschliessen die bisher nur Leid, Tod, Verwüstungen und eine Explosion der Drogenproduktion bewirkt haben, sonst GARNICHTS!
seppmaier (10.03.2009, 18:49 Uhr)
die unkentnnis der kommentatoren...
...ist tatsächlich erschreckend.
mal ein paar fakten zum thema taliban:
der islamische fundamentalismus, wurde in den 70er und 80er jahren massiv von den usa aufgebaut. es ging ihnen (usa) damals darum, diesen islamismus in die sowjetunion zu tragen, in der eine große islamische minderheit leben, und das land dadurch zu destabilisieren. die sowjetische besetzung afghanistan ist vor diesen hintergrund zu betrachten.
die jetzige besetzung afghanistans hat mit dem taliban nur indirkt zu tun. 1999 z.b. folgte eine delegation der taliban der us-einladung nach texas, wo über den bau einer doppelpipeline (öl/gas) durch das land bis zu der pakistanischen meeresküste verhandelt wurde.
diese verhandlungen scheiterten.
der bau dieser pipelines aber ist nach wie vor das ziel der usa, darum unter anderem geht es.
desweiteren ist die strategische lage afghanistans ein wichtiger grund. die usa werden das land NIEMEHR verlassen. es ist ihre basis von der aus alle witschaftsmächte (china, russland indien) erreichbar sind. die konrolle des kaspischen beckens, eines der größten gas und öl-vorkommen der welt spielen eine ebenso wichtige rolle.
"dem land demokratie und menschenrechte bringen" ist eine sehr abgedroschenen phrase, die nur schlecht geeignet ist die lügen zu verbergen. schließlich hatten die usa nie irgendwelche skrupel, faschistische ditakturen zu stützen, solange sie ihren interessen dienten.
chile, argentinien, iran, kongo, tahiti, um nur einige zu nennen...
Dieter37 (10.03.2009, 17:53 Uhr)
@Malt (10.3.2009, 17:30 Uhr)
- alles klar; von Ihnen kann man keine andere Reaktion erwarten. Menschen, wie Sie stärken diese Terroristen zumindest latent ! Die Taliban sind fanatische Bestien und Sie brechen noch einen Stab für diese Wahnsinnigen.
Für mich sind Sie zumindest ein Linksextremer - und diese Leute sind auch faschistisch orientiert.
chelestex (10.03.2009, 17:46 Uhr)
@malt
Klar, ein Bombenanschlag findet nur auf einem Markt statt, um die bösen Kollaborateure abzuschrecken. Die Taliban wollen an die Macht oder aber das Land ins Chaos stürzen.
Es geht ihnen doch nicht um das Wohl der Bevölkerung; wer hier noch immer an den glorreichen, unterdrückten Widerstandskämpfer glaubt, der nur die bösen Imperialisten aus dem Land haben will, die ihm seine Freiheit nehmen und ihn unterdrücken, nur um anschließend in Frieden zu leben und seine Felder zu bestellen, dem ist doch nicht mehr zu helfen.
Malt (10.03.2009, 17:30 Uhr)
@Dieter37
Man, Ditze, pass mal auf: Wenn du des Lesens mächtig bist, dann les' dir meinen Kommentar noch mal in Ruhe durch: Ich hab' mit keinem Wort die Verbrechen (Kriegsführung?) der Taliban für gut geheißen - ich versuche nur, im Gegensatz zu dir, die Handlungsweise der Leute zu verstehen (anstatt alles, was ich nicht verstehe, umbringen zu wollen so wie du es ständig proklamierst) und so vielleicht zu einem Lösungsansatz zu kommen. Falls du es nicht mitbekommen hast (les dir auch mal den Artikel durch) sind sich mittlerweile ALLE Experten darüber einig, dass die "Holzhammermethode" nicht funktioniert! So einfach ist das! Da muss man sich halt zwangsläufig mal nach Alternativen umgucken. Und im Gegensatz zu dir seh' ich halt, dass auch die Taliban (die du ja auch schon des öfteren mit Al Quaida gleichgesetzt hast, was von absoluter Unkenntnis zeugt) nur Menschen sind, die auch Ihre Gründe dafür haben Krieg zu führen. Auch wenn es vermutlich nicht in dein Weltbild passt: Selbst die Taliban machen das sicher nicht aus Spass an der Freude!
Und zu dienem zweiten Kommentar: Mich wundert ja, das du nicht Untermenschen geschrieben hast - da musstest du dich aber ganz schön zusammenreissen, oder? Ganz ehrlich: wenn es bedeutet, dass man, wenn man seine Meinung offen sagt und sich mehr Gedanken über Zustände macht als die BILD einem vorgibt, als "ein Sympathisant des fundamentalen islamistischen Terrors" gilt - bitte, dann bin ich das halt... ist mir immernoch lieber als wenn ich mit dir in einen Topf geworfen werden würde.
@h-p-t: Woher willst du das denn wissen? Warst du schon dort? Nein? Ich kenn sowohl Bundeswehrsoldaten als auch GIs die schon dort waren... unterhalt dich mal mit denen, was dort so abläuft, dann können wir uns gerne nochmal darüber unterhalten. Denn da glaub' ich Augenzeugen nun mal eher als deinem aus der Boulevardpresse angelesenen 1/4 Wissen. Auch wenn mich das für Dieter33-45 bestimmt zum Landesverräter macht...
h-p-t (10.03.2009, 17:01 Uhr)
an dieter_37
hehe, guter artikel, na ja, die verbrechen der nazi´s wären demnach vielleicht nicht so schlimm gewesen wenn es ein "gemäßigter diktator" in einer "gemäßigten diktatur" gewesen wäre.... :D
@malt: auf die menschen dort scheissen ( wie sie es nennen ) machen die taliban ja wohl eher als die "besatzer".
ElPrimo (10.03.2009, 17:00 Uhr)
@ Dieter37
Glauben Sie wirklich dass die Besatzungsmächte dort sind weil sie die Bevölkerung (vor allem die weibliche) von ihrem Leid und der Unterdrückung erlösen und die Demokratie in Afghanistan einführen wollten ?? Der Krieg wurde einzig und allein geführt, weil man "vermutet" hat dass Bin Laden sich bei den Taliban versteckt. Vor den Anschlägen aufs WTC hats ja auch keine Sau interessiert was in Afghanistan so passiert und was die Taliban treiben.
Es ist einfach ein anderer Kulturkreis und wenn die Menschen dort es nicht selber ändern können/wollen, dann schafft das auch keine Militärmacht, vor allem nicht auf dem Gelende und gegen die Guerilla-Kampftaktiken, wie sie von den Taliban angewendet. Und die stellen sich da wie man sieht zwar menschenverachtend, aber nicht gerade blöd an. Man feuert aus einem Dorf auf amerikanische Truppen, die werfen als Reaktion eben mal ein paar Bomben auf das Dorf und töten dabei aber mehr Zivilisten als Angreifer. Dreimal dürft ihr raten wer bei der Bevölkerung dann der böse Mann ist...
Dieter37 (10.03.2009, 16:56 Uhr)
- und noch was Malt;
- wer wie Sie ständig für diese Unmenschen Partei ergreift, macht sich verdächtig, ein Sympathisant des fundamentalen islamistischen Terrors zu sein. Sie sollten etwas aufpassen !
Dieter37 (10.03.2009, 16:51 Uhr)
@ Malt (10.3.2009, 16:41 Uhr)
ach ja Malt, finden Sie die Verbrechen der Taliban ok?
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