Startseite

@MittRomney: Forget it!

In den Umfragen ist es knapp, aber beim Wahlkampf im Netz übertrumpft Barack Obama Mitt Romney locker. Selbst während des Hypes um den Republikaner-Parteitag ist ihm ein kleiner Coup gelungen.

Von Florian Güßgen

  In der binären Welt ganz vorne dran: Wahlkämpfer Barack Obama

In der binären Welt ganz vorne dran: Wahlkämpfer Barack Obama

Kennen Sie die US-Seite "Reddit"? Nein, kein Problem. Die Seite ist nichts anderes als eines dieser digitalen Schwarzen Bretter, auf denen Sie sich zu zig Themen mit Gleichgesinnten unterhalten können. Grafisch recht einfach, ohne Schnickschnack, dennoch erfolgreich, wenn auch nicht Mainstream.

Umso größer war das Erstaunen bei Reddit-Nutzern und Wahkampfbeobachtern, als sich am Mittwochnachmittag um halb fünf Ortszeit plötzlich eine gewisser "PresidentObama" anmeldete und schrieb, er stünde jetzt eine halbe Stunde für ein "AMA" zur Verfügung. AMA ist ein Reddit-spezifisches Akronym und steht für "Ask me anything" - "Fragt mich alles." Konnte das wahr sein? Obama bei Reddit?

Nein, es war kein Fake. Barack Obama identifizierte sich über sein geprüftes Twitter-Konto, in dem er darauf hinwies, nun ein Reddit-Interview zu geben. Auch eine Art Beweisfoto klinkte er ein, das ihn mit weißem Hemd und Krawatte in einem schmucklosen Raum vor einem Laptop zeigte. Tatsächlich war es also der US-Präsident und demokratische Wahlkämpfer, der sich den Fragen der Reddit-User stellte. Zu Afghanistan, zur Freiheit im Netz, zu seinem Lieblingsteam im Basketball, zum Geheimrezept des im Weißen Haus gebrauten Biers - Obama antwortete auf fast alles. Der "Guardian" hat eine gute Zusammenfassung, was der Präsident genau schrieb. Binnen kürzester Zeit hatte Obama über 22.000 Kommentare angesammelt. Während die Republikaner sich, ihren neuen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan und ihren immer noch eigentlichen ungeliebten Star Mitt Romney in Florida feierten, landete Obama so nebenbei einen kleinen Coup in der digitalen Welt.

Schon zum zweiten Mal digitale Avantgarde

Überraschend ist die Initiative des Obama-Camps nicht. Denn Obama ist nun schon im zweiten Präsidentschaftswahlkampf so etwas wie der König des digitalen Wahlkampfs. 2008 hatten er und seine Strategen es wie kein anderer Kandidat vermocht, das Netz und die sozialen Medien für sich zu nutzen, zur Mobilisierung vor allem von jungen Wählern, aber auch zum Einsammeln von Wahlkampfspenden. Dass das Netz bei der politischen Mobilisierung eine zentrale Rolle spielen kann, ist seither eine Binse. Das gilt für demokratische Wahlen ebenso wie für Umstürze und Revolutionen. Umso erstaunlicher ist es, dass es Obamas Wahlkampfteam offenbar auch 2012 gelingt, Maßstäbe zu setzen, die Entwicklung des digitalen Wahlkampfs noch weiter voranzutreiben - und so den Vorsprung im Netz auch gegenüber Mitt Romney und den Republikanern zu halten.

So stellte Obamas Chicagoer Nerd-Team schon im Mai das Online-Tool "Dashboard" vor, das jenseits der zentralen Webseite www.barackobama.com allen freiwilligen Helfern ermöglichen sollte, sich effizient und effektiv zu organisieren - vor Ort, aber immer unter Führung und mit Wissen der Zentrale. Hier ist ein Video, mit dem das Obama-Team die Software vorstellte. Zudem beschrieb jüngst das US-Magazin "Time", wie die Wahlkampfstrategen des Demokraten die im vorherigen Wahlkampf erhobenen Daten nun mit neuen Smartphone-Techniken verknüpfen - also auch in der Entwicklung hin zu mobilen Endgeräten wie dem iPhone führend sind.

Konkret beschrieb "Time" eine App, die es Obamas Sympathisanten erlaubt, genau zu überprüfen, bei welchem Nachbarn andere Obama-Sympathisanten schon Klinken geputzt haben - und wo es sich noch lohnt, für den eigenen Mann zu werben. Gleichzeitig werden mobil Sprechzettel für Diskussionen mit Wählern angeboten. Auch Berichte können die Wahlkämpfer gleich mobil einspeisen. Alles läuft in zentralen Datenbanken zusammen. Auch einen Bezahldienst haben Obamas-Leute eingerichtet, der Spenden über das Smartphone ermöglicht. "Microtargeting" lautet das Zauberwort. Die "Financial Times Deutschland" beschreibt in einem lesenswerten Stück, wie genau Obamas Techniker das Verhalten der Nutzer auf Webseiten messen und die Präsentation ihrer politischen Botschaften darauf abstimmen. Die Maschinerie läuft perfekt.

Die Romneys versuchen, der Obama-Wucht im Netz tapfer ihre eigene Social-Media-Strategie entgegenzuhalten. So bietet auch Romney Unterstützern an, sich online zu organisieren, die Webseite http://www.mittromney.com ist die zentrale Anlaufstelle für alle Interessierten. Und der rechte Tea-Party-Flügel hat in den vergangenen Jahren bewiesen, wie sich auch bei den Rechten über das Netz und soziale Medien politische Wucht mobilisieren lässt.

Aber mit Obamas Datenbanken kann Romney offenbar nicht mithalten. Bei allen zentralen Indikatoren liegt er hinten. Beispiel Twitter: Obama hat unter über 19 Millionen Follower, Romney unter https://twitter.com/MittRomney nur etwas mehr als 950.000. Oder Facebook. Obamas Seite mögen über 28 Millionen Nutzer, Mitt Romneys" gerade mal 5,5 Millionen. Das ist Obamas digitales Kapital.

Studie sieht Romney hinten

Das renommierte Meinungsforschungsinstitut "Pew" veröffentlichte Mitte August eine Studie, die untersuchen sollte, wie es die beiden Kandidaten im Vergleich schaffen, direkt in den Kontakt mit den Wählern zu treten - über Twitter, Facebook, Youtube und Blogposts. Das Ergebnis war eindeutig. "Das Obama-Wahlkampfteam veröffentlicht fast vier Mal so viel Inhalte und ist fast auf doppelt so vielen Plattformen aktiv", heißt es auf der Webseite der Meinungsforscher. Im Erhebungszeitraum veröffentlichte Obama mehr über Twitter, Youtube und in den Wahlkampfblogs. Nur auf Facebook war Romney aktiver.

Dabei fielen auch zwei weitere Aspekte auf. Obamas digitale Strategie beinhaltet, dass unterschiedliche Wählergruppe jeweils unterschiedlich angesprochen werden, zumindest auf der zentralen Webseite. Insgesamt können Wähler sich 18 Gruppen zuordnen. Sind Sie schwarz, Latino, Veteran - oder besonders jung? Obama hat das Richtige für Sie. So lautet, zusammengefasst, die Botschaft. Romney schafft diese differenzierte Ansprache nicht. Interessant in der Pew-Studie ist auch, dass die Forscher herausfanden, dass die Kandidaten Inhalte von Anhängern kaum teilen oder retweeten. Sie nutzen das Netz also vor allem als Einbahnstraße, nicht zu einer echten Konversation mit Anhängern.

Reicht das?

Ein weiterer Maßstab des digitalen Wahlkampfs ist die Frage, wieviel Aufmerksamkeit ein Kandidat in den sozialen Netzwerken erzeugt. Twitter veröffentlicht, zusammen mit "USA Today" eine Rangliste, die anzeigt, wie ein Kandidat zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt gerade in dem Netzwerk gehandelt wird. Kommt er in den Tweets gut weg? Besser als der jeweils andere? Und auch Facebook hat diese Woche verkündet, dass es nun, gemeinsam mit CNN, misst, wie sehr die jeweiligen Wahlkämpfer auf der Plattform Thema sind. So lässt sich tatsächlich auf einzelne US-Bundesstaaten herunterbrechen, auf Altersgruppen, über wen wann am meisten gesprochen wird. Zusätzlich ist es aber auch möglich zu messen, wer bei den Frauen und den Männern unter den Facebook-Nutzern das heißere Thema ist: Romney oder Obama. Bei diesen Maßstäben ist Obama keineswegs immer in der Führungsposition.

Wie sehr der digitale Wahlkampf das Wählerverhalten beeinflusst, ist offen. Romney holt in landesweiten Umfragen derzeit auf und ist Obama zuletzt sehr nahe gekommen. In einer "CBS"-Umfrage, deren Daten bis zum 26. August erhoben wurden, liegt Obama mit 46 Prozent Zustimmung nur noch einen Prozentpunkt vor Romney. Das ist auch der Abstand bei "Washington Post/ABC News", bei CNN sind's drei Prozentpunkte. Das waren allesamt Momentaufnahmen vor dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Tampa. Erfahrungsgemäß sorgt die Kandidatenkür dann noch einmal für einen Schub, sodass Romney Obama in den kommenden Tagen sogar überflügeln könnte. Ob Obama überhaupt im Weißen Haus bleibt und welchen Anteil seine digitale Vorherrschaft an einem möglichen Erfolg hatte, wird sich so wohl erst am 6. November und bei der Wahlnachlese feststellen lassen.

Deutsche Wahlkämpfer werden sich dann sputen müssen, aus dem atemberaubenden digitalen Auftreten Obamas ihre Schlüsse für das Jahr 2013 zu ziehen.

Hier können Sie dem Verfasser dieses Artikels auch auf Twitter folgen.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools