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8. Februar 2010, 12:31 Uhr

Teeparty mit Sarah Palin

Sie geißeln hohe Steuern, verachten den Staat - und ihr wichtigster Gegner ist US-Präsident Barack Obama: Die erzkonservativen Tea-Party-Aktivisten trafen sich in Nashville, Tennessee - und feierten Alaskas Ex-Gouverneurin Sarah Palin. Von Sabine Muscat, Nashville

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Gilt unter ultrarechten Amerikanern als Hoffnung: Die Republikanerin Sarah Palin© Ron Edmonds/AP

Auf diesen Moment haben die Gäste des Galadiners sehnsüchtig gewartet. Die rot-weiß-blauen Fähnchen liegen griffbereit neben den Desserttellern, die Sektgläser sind gefüllt. Eine Countryband hat eingeheizt, der Sänger hat von amerikanischen Werten gesungen, für die man sich nicht zu schämen brauche. Dann kommt sie: Um kurz nach acht betritt Sarah Palin die Bühne der ersten nationalen Tea-Party-Konferenz. "Happy birthday, Ronald Reagan!", ruft sie in den Applaus - und an den Tischen klingen die Gläser. Der Ex-Präsident, Vorbild des konservativen Amerika, wäre heute 99 Jahre alt geworden.

In den Augen dieses Publikums ist Palin, die ehemalige Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschafts-Kandidatin des Republikaners John McCain, seine würdige Erbin. Denn sie verspricht die Erlösung von dem Übel, das der Demokrat Barack Obama über das Land gebracht hat: "Amerika ist bereit für eine neue Revolution!", ruft Palin.

Es brodelt in den USA. Schon im Februar 2008, kaum einen Monat nach Barack Obamas Vereidigung zum Präsidenten und direkt nach der Verabschiedung des 787 Mrd. $ schweren Konjunkturprogramms, brechen im ganzen Land Proteste aus. Sie sind zunächst lokal begrenzt und spontan organisiert, doch bald sorgt das Internet dafür, dass sich die Gruppen austauschen und einander bestärken in ihrem Ärger über einen Staat, der seine Grenzen übertritt.

Was nicht gefällt, will man über Bord werfen

Seitdem sind die Zweifel an Obama gewachsen, und aus den Protesten ist das "Tea Party Movement" geworden. An diesem Wochenende sind die Gegner des Präsidenten aus dem ganzen Land in Nashville, Tennessee, zusammengekommen. In der Hauptstadt der Country-Musik, dem Herz des konservativen weißen Amerika, wollen sie die Revolution vorbereiten, die auf die Revolte folgen soll: Im Herbst stehen Kongresswahlen an, und das Ziel der Bewegung ist es, den Demokraten das Ruder aus der Hand zu nehmen. Die Protestbewegung müsste ein Fluch für die derzeitige Mehrheitspartei sein - und ein Segen für die Republikaner. Doch so einfach sind die Dinge nicht.

Immerhin verbucht die Bewegung einen Machtwechsel im Senat bereits als ihren Erfolg: Bei der Nachwahl in Massachusetts im Januar hatte sie den republikanischen Kandidaten Scott Brown mit Spenden unterstützt - und er gewinnt fast überall außer in der Innenstadt von Boston, dem Ort der historischen Tea Party.

Jedes Kind in Amerika weiß, dass die Tea Party in Boston im Jahr 1773 den Weg zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bereitet hatte. Damals wollten zornige Siedler nicht länger hinnehmen, dass die britische Krone ihnen die Handelspreise diktierte. Sie enterten britische Schiffe im Hafen von Boston und warfen eine Ladung hoch besteuerten indischen Tees über Bord.

Auch die modernen Tea-Party-Aktivisten wollen alles über Bord werfen, was ihnen nicht gefällt - etwa die Gesundheitsreform der Obama-Regierung. Auf Gemeindeversammlungen im ganzen Land haben sie die Pläne für ein allgemeines Gesundheitssystem im vergangenen Sommer niedergeschrien - es war der Anfang vom Ende des Projekts, das im Kongress kaum noch Chancen hat. "Jeder Tag, an dem dieses Gesetz nicht verabschiedet wird, ist ein Sieg für euch", ruft die Rednerin Amy Kramer den Konferenzteilnehmern zu.

Palins Honorar sorgt für Knatsch

Für die 600 Anwesenden, die an diesem Wochenende zusammengekommen sind, ist es ein weiter Weg von den Straßenprotesten in ihren Gemeinden bis nach Nashville. Das Gaylord Opryland kann es mit den Megahotelanlagen von Las Vegas aufnehmen, nur die Spielkasinos fehlen. Der Weg zum Konferenzsaal führt durch ein überdachtes Tropenparadies, in dem die Gäste zwischen Palmen, Magnolien und Wasserfällen an Bistrotischen sitzen und je nach Geschmack Schoko-Brownies, Schweinerippchen oder Sushi speisen.

Im Vorfeld der Konferenz hat es einigen Knatsch gegeben, der manchen Demokraten schon hoffen lässt, dass sich der Protest des heterogenen Haufens als Sturm im Teeglas erweisen könnte. Aus Protest gegen Teilnahmegebühren von bis zu 550 Dollar pro Person, die auf ein Konto der Ehefrau des Konferenzorganisators Judson Phillips fließen, ziehen Sponsoren ihre Teilnahme zurück. Auch die Nachricht, dass die Hauptrednerin Palin 100.000 Dollar Honorar kassieren soll, empört die Aktivisten. Und nicht jedem ist die Verquickung mit der Republikanischen Partei geheuer. Die Basis will sich nicht vereinnahmen lassen. Wer gegen "die in Washington" ist, muss außerhalb des Systems stehen. Diese Antitendenzen der Bewegung machen dem republikanischen Establishment Angst. Auch Palin windet sich. Sie preist die Unabhängigkeit ihres Ehemannes Todd, der bei keiner Partei registriert sei. Aber sie sagt auch: "Die Republikanische Partei wäre gut beraten, so große Teile wie möglich von der Tea-Party-Bewegung zu absorbieren."

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Seite 1: Teeparty mit Sarah Palin
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KOMMENTARE (10 von 10)
 
Johann58 (08.02.2010, 20:04 Uhr)
@hamburg123
Fuer Sarah Palin geht es nach ihrem Rueckzug vom Posten des Gouverbeurs in Alaska nur noch um Geld. Zuletzt sehr deutlich zu sehen dass sie sich vertraglich an Fox gebunden hat. Es gibt viele Konservative, die sie gerne 2012 als Kandidatin sehen wuerden. Ich glaube kaum, dass sie dazu die Chance haben wird.

hamburg123 (08.02.2010, 19:27 Uhr)
@Johann
Ich denke, Sie liegen hier falsch. Ich denke eher, dass Palin diese traditionellen Themen wie Abtreibung, Steuern, Gesundheit, Tierschutz etc. nutzt, um sich selber zu profilieren, um Einfluss, Macht und Geld zu gewinnen. Und man sieht ja, sie fungiert als Heldin dieser neuen Anti-Obama Bewegung. Diese Bewegung zeichnet sich nicht durch Inhalte, sondern durch einen tief sitzenden Hass gegen den "sozialistischen" Obama aus. Palin weiß nur zu gut, daraus Kapital zu schlagen, und sie hat in den letzten Wochen sicherlich die ein oder andere Million einstreichen können.
Johann58 (08.02.2010, 19:17 Uhr)
Sarah Palin
ist keine Skandalnudel, sie ist einfach nur die Hockey-Mom wie sie sich jeder Amerikaner vorstellt. Ihre Ideale liegen im Mittelalter und ihre Ansichten und ihr Glaube ist aus der Zeit der Pilgrim Fathers. Sie hat etwas kaum zu glaubendes geschafft, einen Mann als Gouverneur abgeloest aus der eigenen Partei, der sogar recht beliebt war. dafuer wird sie von vielen heute noch bewundert. Dass McCain mit ihr als vizepraesidentschaftskandidatin ein Eigentor geschossen hat wurde ihm viel zu spaet klar.

Als Obama gewaehlt wurde habe ich wirklich geglaubt die amerikanischen Waehler waeren erwachsen geworden. Bei denen die sich nun hinter Palin und Limbaugh versammeln habe ich das Gefuehl die leben irgendwie im 18. Jahrhundert und Wyatt Earp kommt gleich um die Ecke.

Fuer die neuen Teaparty Fuzzies ist George W. Bush immer noch der Groesste und die Wirtschaftskrise ist von Obama inszeniert.

Randbemerkung;
Obama wurde 2009 und nicht 2008 zum Praesidenten.

BrigitteB (08.02.2010, 19:14 Uhr)
Kleiner Bevoelkerungsanteil grosser Einfluss?
Die Tea-Party-Bewegung mag uns als absolute Spinner erscheinen, was mir Sorgen macht, ist, dass die Konservativen in den USA und grade eben jene Fanatiker besser organisiert zu sein scheinen als ihr linker Counterpart. Und so koennten sie mehr Einfluss gewinnen als ihnen vom Bevoelkerungsanteil zusteht.
auwei (08.02.2010, 16:48 Uhr)
@seatlellite
Ich hätte mich von dem Vorurteil nur allzugerne getrennt. Und wenn Sie sagen, schräge Tea-Party-Vögel sind nur eine kleine MInderheit und werden auch nur von einer solchen ernst genommen - dann fällt es mir umso leichter. Danke (keine Ironie).
Seattlelite (08.02.2010, 16:44 Uhr)
@ auwei & Arioffz
Geistige Tiefflieger gibt es nicht nur in den USA. Und in Deutschland leben auch einige Leute auf einem fremden Stern, besonders wenn es um die USA geht. Vorurteile lassen sich halt nur schwer beseitgen.
Eine nicht unerhebliche Mehrheit der Amerikaner nimmt Palin ueberhaupt nicht ernst und macht sich ueber sie lustig. Viele hoffen, dass sie sich als Kandidatin in 2012 aufstellen laesst, denn dann waere Obamas Wiederwahl so gut wie gesichert.
Und der Wahlkampf waere sehr, sehr unterhaltsam.
Lankwitzer (08.02.2010, 16:40 Uhr)
Das Letzte
Diese Palin ist ja wirklich das Allerletzte und wer die Zicke wählt, genauso.
wahrheit29 (08.02.2010, 14:15 Uhr)
Skandalnudel Palin
Die Skandalnudel Palin will Obama schaden. Wenn es um die Macht geht ist den Republikanern nichts heilig und sie erlauben es, daß eine solche unqalifizierte und verufene Person den Präsidenten angreift. Welch Sumpf tut sich da auf.....
hamburg123 (08.02.2010, 13:52 Uhr)
Versammlung voller Verschwörungstheoretiker
Anders kann man diese "Tea-Party-Bewegung" nicht bezeichnen. Passend dazu natürlich, dass Obamas Geburtsurkunde gefälscht ist und er eigentlich überhaput kein Amerikaner ist....Unglaublich!
auwei (08.02.2010, 13:44 Uhr)
Obamas Wahlsieg
...hat mich kurz irritiert, aber jetzt stimmen die alten Vorurteile wieder - ein nicht unerheblicher Teil der US-Bürger lebt auf einem fremden Stern. Und der ist weit befremdlicher als der Melmac.
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