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5. Februar 2008, 20:06 Uhr

Beim Haus des Sargmachers links

"Es ist Zeit für einen schwarzen Präsidenten...", sagt Oma Sarah, die 83-jährige Großmutter von Barack Obama, dem Kandidaten für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten. stern.de hat sie besucht in ihrem Dorf im kenianischen Busch. Hier sehen Sie das Video einer besonderen Begegnung.

Zoom

Barack Obamas Großmutter Sarah posiert für den Fotografen mit einem Wahlplakat ihres Enkels© Roberto Schmidt/AFP

Barack Obama ist ein Shootingstar. Erst seit wenigen Jahren ist er US-Senator, jetzt hat er Chancen, im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten sogar Hillary Clinton zu schlagen. Dabei begeistert Obama vor allem durch sein Charisma, seinen jugendlichen Esprit, durch Optimismus. Anhänger vergleichen ihn gern mit John F. Kennedy - selbst Kennedys Tochter. Gewinnt Obama die Vorwahlen, hat er gute Chancen, der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Dabei liegt ein Teil von Obamas Wurzeln unendlich weit entfernt von der Hochglanzwelt des US-Vorwahlkampfes: im kenianischen Busch. Von dort stammt sein verstorbener Vater, dort lebt immer noch seine Großmutter, die 83-jährige Sarah.

Seine Mutter Ann "war weiß wie Milch", schreibt Obama in seiner Autobiografie "Träume von meinem Vater". Sie stammte aus einer Kleinstadt in Kansas, lernte an der Universität von Hawaii Barack Hussein Obama kennen, einen lebensdurstigen Austauschstudenten aus Kenia, der als Kind noch die Ziegen in seinem Heimatdorf Alego hüten musste. Das milchweiße Mädchen und der pechschwarze Student aus Afrika heirateten. Ihren Sohn nannten sie Barack. "Der Gesegnete."

Traurige Wahrheiten des Vaters

Das Kind war gerade zwei, als sein Vater die Familie verließ, um nach Afrika zurückzugehen. Nur noch einmal traf er ihn wieder. Und erst Jahre nach dem Tod seines Vaters durch einen Autounfall 1982 erfuhr Barack Obama die traurigen Wahrheiten über dessen Alkoholismus, die anderen Frauen. Und er erfuhr, dass er in Afrika zahlreiche Geschwister hat.

Ein Team des Fernsehsenders RTL hat die Großmutter nun im Auftrag von stern.de besucht. Mehr als zehn Stunden dauerte die Fahrt mit dem Auto von der kenianischen Hauptstadt Nairobi aus, die Wegbeschreibung las sich abenteuerlich: Über den Äquator rüber, beim Haus des Sargmachers links, nach rund 20 Kilometern geht's dann in den Busch.

"Oma Sarah" empfängt das deutsche Fernsehteam

"Oma Sarah" ist im Westen Kenias mittlerweile eine Berühmtheit: Sie scheint die Prominenz zu genießen und empfängt das Team aus Deutschland warmherzig. Das bringe frischen Wind in die Arbeit auf der Farm, berichtete sie. Ansonsten habe die Karriere des berühmten Enkelsohnes aber nicht viel verändert für sie. "Ich muss weiter all meine Pflichten hier auf der Farm erledigen", sagte sie. Die Umstände sind einfach. Es gibt nicht einmal fließend Wasser, sondern nur einen Brunnen. Dafür hängt im Wohnzimmer das handsignierte Wahlplakat des Enkels. "Habari", steht da - "für Mama Sarah in Liebe, Barack." Besonders stolz ist Sarah auf ein Foto aus dem Jahr 1985. Es zeigt Barack bei seinem ersten Besuch in Kenia, nachdem sein Vater hier bei einem Autounfall ums Leben kam. Das Grab des Vaters ist nur ein paar Meter entfernt. Die Wahlkampfchancen ihres Enkels bewertet die Großmutter positiv: "Ich glaube fest daran: Wenn Gott will, wird er Barack zum Amt des Präsidenten führen. Es ist Zeit, dass Amerika nach all den weißen Präsidenten von einem schwarzen regiert wird", sagte sie. Auf Sarahs Farm würde sich zwar auch nicht viel ändern, wenn ihr Enkel in das Weiße Haus einzöge, aber er könnte als Vorbild dienen, sagte sie. "Sein Beispiel zeigt den Menschen hier, dass es sich lohnt, zu lernen und seinen Träumen zu folgen."

fgü/glo
KOMMENTARE (1 von 1)
 
manesse (05.02.2008, 20:56 Uhr)
Die Hautfarbe
ist doch kein Qualitätsmerkmal für einen Präsidenten. Das ist doch völlig egal. Ebensowenig ist es von politischer Bedeutung, ob der nächste us-amerikanische Präsident vielleicht eine Präsidentin ist.
Was mich stört, ist der Kult, der um sogenannte Shootingstars gemacht wird, um Leute mit predigerhaftem Ton und dem, was man heutzutage "Visionen" nennt. Kommt das alles zusammen, wird fix das Adelsprädikat "Charisma" verpasst, um die angeblich charismatische Figur allen Zweifeln und kritischen Nachfragen zu entheben. Für mich sind das alles Begriffe, die in der Politik keine Rolle spielen sollten. Unerfahrenheit ist nämlich gerade in der Politik keine Tugend. Was Unerfahrenheit, Unbildung und Unbedarftheit anrichten können, haben die Amerikaner acht Jahre lang mit dem jetzigen Präsidenten erleben dürfen. Ich finde, dass nach dem Schlamassel, das Bush innen- wie außenpolitsch angerichtet hat, nun jemand mit Erfahrung, Intelligenz, Solidität und Know-how ins Weiße Haus einziehen sollte. Nur so kann der Flurschaden, den Bush auf ganzer Linie hinterlassen hat, mühsam und in Kleinarbeit wieder behoben werden. Es handelt sich ja dieses Mal um keinen normalen Regierungswechsel, vielmehr um die Nachfolge auf den schlimmsten Versager im Amte seit Jahrzehnten. Es dürfte damit klar sein, wer meines Erachtens ins Weiße Haus gewählt werden sollte: niemand anderes als Frau Clinton.
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