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16. Januar 2009, 20:10 Uhr

Die Krönungsfahrt des Erlöser-Duos

Barack Obama auf den Spuren Abraham Lincolns: Wenige Tage vor der Vereidigung fährt der nächste US-Präsident mit dem Zug eine historische Route ab: Von Philadelphia nach Washington - um 220 Kilometer lang auf Tuchfühlung mit dem Volk zu gehen. Ein Traum für die Amerikaner, ein Albtraum für die Personenschützer. Von Niels Kruse

Obama, Barack Obama, Washington, Biden, Zug

Wandeln gemeinsam auf Abraham Lincolns Spuren: Barack Obama (r.) und Joe Biden© Jeff Heynes/Reuters

Barack Obamas Krönungsfahrt wird seinen Sicherheitschef vom Secret Sevice in den Wahnsinn treiben. Da ist sich der ehemalige Präsidentenbeschützer Ron Williams sicher. "Du annoncierst nicht vorher deinen Feinden: Ich fahre von Punkt A nach Punkt B nach Punkt C.", sagt der ehemalige Secret-Service-Mann im aktuellen stern. Hunderte von Leuten sind ausgerückt, um jeden Stein zwischen Philadelphia und Washington umzudrehen - auf einer Strecke von rund 137 Meilen, also 220 Kilometern.

Grund für den Ärger ist eine Reise Obamas, die Europäern etwas dick aufgetragen erscheinen mag. Es geht um eine "Whistle Stop Tour": Drei Tage vor seiner Vereidigung zum 44. Präsidenten der USA besteigt Obama in der 30st Street Station in Philadelphia einen Zug und fährt Richtung Wilmington im Bundesstaat Delaware. Dort, vor den Toren der Millionenstadt, wohnt sein künftiger Vizepräsident Joe Biden. Zusammen mit ihm geht es weiter nach Baltimore, bevor beide am Montag nach Washington kommen, wo die Bahnfahrt in der Union Station endet.

Obama, Barack Obama, Washington, Biden, Zug

Die Route von Barack Obama und seinem Vize Joe Biden© stern.de-Infografik

Ein richtiges Ziel hat dieser Trip nicht - vielmehr soll er eine Geste an die Bevölkerung sein. Obamas Team hat 40 Durchschnitts-Bürger aus dem ganzen Land eingeladen, die den künftigen Präsidenten auf der Fahrt in die Hauptstadt begleiten. "Wir wollen eine Gruppe verschiedenster Menschen zusammenbringen, die alle für unser großartiges Land stehen", heißt es in der Einladungs-E-Mail des Präsidententeams. Unter den Gästen wird auch Matt Kuntz sein, den Obama bereits im August vergangenen Jahres einmal getroffen hatte. Kuntz, ein ehemaliger Elitesoldat, setzt sich für die Opfer von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) ein - eine psychische Erkrankung, die etwa unter Kriegsveteranen verbreitet ist. "Es ist schön zu wissen, dass sich der Präsident für das Schicksal von Soldaten mit PTBS interessiert", sagte Kuntz einer US-Zeitung.

Beim ersten Zwischenstopp in Wilmington werden zudem einige Freunde von Joe Biden zusteigen. Wie die Lehrerin Quincy Lucas, die sich seit Jahren gegen häusliche Gewalt einsetzt und hofft, darüber mit dem Präsidenten persönlich reden zu dürfen. Sein Vize kennt Teile der Strecke der "Whistle Stop Tour" übrigens ziemlich gut. Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern hat er nie in der Hauptstadt gewohnt, sondern fährt seit 35 Jahren jeden Tag aus seiner Vor- in die Hauptstadt mit der Bahn. Unter anderem auch, weil Biden gar kein Auto besitzt.

Gespräche mit seinen Gästen sind nur ein Teil der "Tour de Inauguration" Obamas, daneben wird er die eine oder andere Veranstaltung besuchen und die eine oder andere Rede halten. "Wir hoffen, so viele Amerikaner wie möglich in die Feiern einbeziehen zu können - all jene, die daran teilnehmen möchten, aber nicht nach Washington kommen können", sagte Emmett Beliveau, der Leiter von Obamas Komitee für die Amtseinführung.

Truman tingelte 35.000 Kilometer durchs Land

Obamas Bahnfahrt hat ein historisch gewichtiges Vorbild. Die gleiche Route hatte schon Abraham Lincoln 1861 genommen, um zu seiner Vereidigung als Präsident zu kommen. Die Wahl der Städte ist natürlich nicht zufällig gewählt. In Philadelphia wurde 1776 die Unabhängigkeit erklärt und in Baltimore wurde die Nationalhymne geschrieben. So eine "Whistle Stop Tour" - wenn auch auf anderen Strecken haben Tradition in den USA. Das Wort selbst bezeichnet eine Wunschhaltestelle. 1948 machte der damalige Präsident Harry S. Truman einen legendären Wahlkampf im Zug und legte dabei sagenhafte 35.000 Kilometer zurück. Auch Gerald Ford 1976 und Ronald Reagan 1984 winkten den Zuschauern an den Gleisen zu.

Etwas präsidiale Aufmerksamkeit erhoffen sich auch die Menschen, die an der Strecke auf Obama warten. Niemand weiß, wie viele genau es sein werden. Der Eisenbahnbetreiber Amtrak, der den Sonderzug zur Verfügung stellt, sowie der Secret Service, rechnen mit deutlich mehr als einer Million Neugieriger entlang der Route. Solche Massen hat es auf einer Zugfahrt schon einmal gegeben. 1968 als die Leiche des ermordeten Senators Robert F. Kennedy von New York nach Washington überführt wurde.

Diese Menschenmassen bereiten den Personenschützern Kopfzerbrechen. Sie Leute werden in Parkbuchten, an Haltestellen und auf Brücken entlang der Strecke stehen, um ihren künftigen Präsidenten zu bejubeln. Einige ehemalige Secret-Service-Leute bezeichnen Obamas "Whistle-Stop-Tour" deshalb auch offen als "Schnapsidee". Tausende von Polizisten und Sicherheitsleuten aus insgesamt 40 Bezirken müssen die Strecke absichern. Wie genau wird nicht verraten. Aus Sicherheitsgründen. Ron Williams erzählt im stern, dass der Secret Service für John F. Kennedys Cabrio ein schusssicheres Verdeck gefordert hatte, was der damalige Präsident aber nicht wollte - mit den bekannten Folgen. "Es muss immer erst etwas passieren", schimpft Williams. Doch Obama ficht das nicht an. Seine "Whistle Stop Tour" soll das erste Symbol für das sein, was er im Wahlkampf angekündigt hat: das Versprechen Amerikas zu erneuern.

Von Niels Kruse
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
DerExperte (19.01.2009, 07:03 Uhr)
@Julian2225 (18.1.2009, 6:19 Uhr)
Quote:
..... habe ihn auch gewaehlt aber ich weiss das ich eigentlich bloss das kleinere Uebel gewaehlt habe, andere werden das erst nach Jahren begreifen. Aber so sind se die Amis, die haben auch 3Jahre gebraucht um mitzubekommen das der Irak Krieg "unjust" war und das die WMD's in Bush's Keller versteckt sind!
>
Obama ist der richtige mann zur richtigen zeit am richtigen platz. Es gab keine alternativen. mc cain ist dumm und ein kriegsidiot!
ich lebe in AZ und hoerte seinen schiet an erster stelle. Er hat in seiner gesamten zeit als senator
nichts wesentliches fuer AZ getan -und wenn die eigene AZ Gov. gegen Mc cain ist das sagt schon ne menge! Die welt kann aufatmen das Mc nicht president wurde. Obama verlaengert das leben der Erde um 100 jahre! MC haette es verkuerzt. Immer wenn man seine wut ansah und wie er seine zunge raustreckte weil er nichts mehr wusste - und sein Jo der Plumber ist ein idiot und heute irgendein reporter - scheint einfach zu sein reporter zu werden - grosse schnauze reicht!
nicht wahr stern?
DerExperte (19.01.2009, 05:26 Uhr)
@gmathol
Deinen Kommentar musst du erstmal beweisen. Biden und gegen Russland und fuer Zionisten? Wo kommt das her. Ich hoffe das Obama nicht in allem auf Abraham Lincolns spuren wandelt! Das wuerde einen Buergerkrieg geben - wenn er erschossen wird. Die zions haben Gaza punktgenau ueberfallen und punktgenau aufgehoert da man nicht weiss wie Obama gehandelt haette - einmal im amt. Die Zeitungen sind voll das die zions aufhoeren wollen - aber keine schreibt was wirklich los ist. Alles schleimer einer Kultur die Deutschland bei den eiern haelt! Und Ihr heimat deutsche lasst euch das stillscheigend gefallen das geschichte einseitig verdreht wird!!
Es gab ein land vor den zions - und der rest ist geklaut! Obama sieht mehr Wahrheit als Luege!
chatahootchee (18.01.2009, 22:44 Uhr)
ERSTAUNLICH
das Geschwafel der Nicht-Amerikaner nur wenige Wochen nach der Show an der Siegessaeule. Noch nicht im Amt, schon geht das 'Ami-Bashing' weiter. Ist es eine Lernkurve oder nur uebliche Praxis?
Egal ob man ihn gewaehlt hat oder McCain die Stimme gab, dieser Mann wird der Praesident der USA sein. Und man sollte ihm eine Chance geben sowie die noetige Unterstuetzung. Reden wir mal in 100 Tage darueber.
AttaTroll (18.01.2009, 11:10 Uhr)
Aufwachen
Pathetische Inszenierungen, großspurige Gesten, viel hohles Geschwafel und nichts dahinter - das ist Obama. Wer hier allen Ernstes "Change" erwartet, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Wie lange wird es dauern, bis dieser Mensch entzaubert ist? 100 Tage? Oder nur vier Wochen? Von einem "Erlöser-Duo" kann keine Rede sein - ganz im Gegenteil: Weil die Erwartungen in Obama viel zu hoch sind, wird er wohl eher zu einer einzigen Enttäuschung werden.
Dirk_37 (18.01.2009, 10:34 Uhr)
@julian
Naja, die WMD´s hat Papa Bush doch selber verscherbelt, die sollten nicht als Ladenhüter im Keller liegen:-)
Ihr Ethikansatz ist interessant, leider haben Sie Recht: traue keinem Politiker, gleich welcher Farbe (damit meine ich die Partei;ein Schelm, wer Böses dabei denkt)
Morgen geht´s wieder in die USA, habe die Obamania dort selber miterlebt. Mal sehen, schlimmer kann es kaum kommen. Sicherlich hat er moralisch bessere Ansätze wie der Ex-Alkie G.W. . Ob alles durchsetzbar ist was Obama will, darf bezweifelt werden. Aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, lassen Sie uns doch Obama erst mal anfangen zu laufen!
Und die Wahl des kleineren Übels ist auch hier oftmals die übliche Vorgehensweise, nur mit etwas mehr Auswahl...mfG Dirk
Oluja (18.01.2009, 09:48 Uhr)
Sehr lustig
"Die Krönungsfahrt des Erlöser-Duos"
Erlöser? LACH!, ist Obama Jesus oder was?, wohl kaum, ganz m Gegenteil, er und sein Stab hängen an den Puppenfäden der mächtigen Zionlobbys, Hochfinanz und Öl- und Waffenindustrie wie alle US Präsidenten der letzten Jahrzehnte und er wird IHRE Interessen weltweit durchsetzen und IHREN Befehlen folgen.
Julian2225 (18.01.2009, 06:19 Uhr)
@Dirk
JA Dirk, von Obama ueber Oskar zu Angela ist es nur einen Steinwurf, denn alle haben den gleichen Beruf und die gleiche Ethik! Im Endeffekt kommt es auf das gleiche heraus.
Und wie sie wissen, wer hoch will kann auch sehr tief fallen und das wird mit Obama nicht sehr lange dauern. Ich selbst habe ihn auch gewaehlt aber ich weiss das ich eigentlich bloss das kleinere Uebel gewaehlt habe, andere werden das erst nach Jahren begreifen. Aber so sind se die Amis, die haben auch 3Jahre gebraucht um mitzubekommen das der Irak Krieg "unjust" war und das die WMD's in Bush's Keller versteckt sind!
Dirk_37 (18.01.2009, 02:11 Uhr)
@julian
Mit Rattenfänger meinen Sie wahrscheinlich Oskar Lafontaine, da hätten sie eindeutig Recht:-) MfG Dirk
Dirk_37 (18.01.2009, 02:10 Uhr)
@gmathol
Welche Pressekonferenz meinen Sie? Ich wundere mich nur über die Grammatik ihrer "Zitate":-)
Von Biden habe ich noch nicht gehört, er wolle Russland angreifen...
Abgesehen davon sollten wir alle erst mal warten, bis sie im Amt sind und nicht schon vorher alles in der Luft zerreissen.
Bitte um Aufklärung,mfG Dirk
Thomas2 (17.01.2009, 10:35 Uhr)
Die verkörperte Hoffnung
Dies wird der bewegendste Moment
seit dem Fall der Mauer.
Was Obama dann bewegen kann wird
sich zeigen.Das Prinzip Hoffnung
ist da erstmal wichtig.
Hauptsache er überlebt und wird nicht umgebracht.
Das würde einen Bürgerkrieg heraufbeschwören.
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