. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. September 2008, 10:27 Uhr

Das kann ja Haider werden

Am Wahlsonntag droht Österreichs Demokratie ein Déjà-vu: Die FPÖ ist wieder da. Der neue Frontmann Heinz-Christian Strache kopiert seinen Vorgänger - und gilt als noch radikaler. Von Claus Hecking, Mürzzuschlag

Hat die rechtspopulistische FPÖ aus dem Tief geführt: Heinz-Christian Strache© Dominic Ebenbichler/Reuters

Nachts in einer einsamen Gasse möchte man den drei Glatzköpfen nicht begegnen. Ihr Anführer trägt einen Schlagring an der Halskette, auf dem Arm seines Kumpels prangt eine "88"-Tätowierung, der Dritte begrüßt seine Freunde mit drei gespreizten Fingern: dem "Kühnen-Gruß" der Neonazis.

Doch fürchten muss sie der Rentner mit dem Tirolerhut neben ihnen an diesem lauen Septemberabend nicht: Hunderte Menschen haben sich auf dem Stadtplatz der steirischen Gemeinde Mürzzuschlag versammelt. Sie stehen zusammen, Biedermann und die Brandstifter, trinken Freibier, lauschen dem Redner auf dem Podium.

"Missbrauchssystem für die Zuwanderer"

Und Heinz-Christian Strache enttäuscht sie nicht. "Die Regierung hat ein Missbrauchssystem für die Zuwanderer geschaffen", ruft der Chef der rechtspopulistischen FPÖ. "Seit drei Jahrzehnten geht das so: Tore auf - komme nur, wer will!"

Straches Kopf wird rot, seine Stimme überschlägt sich: "Es gibt Hunderttausende, die kein Deutsch lernen, nicht arbeiten, nur abkassieren!" Und dann applaudieren sie: der Pensionär, die Kahlköpfe, die Mutter mit Kinderwagen, das Studentenpärchen.

Die Freiheitlichen, wie sie sich nennen, sie sind wieder da. Die Partei, die Ausländer von der Sozialversicherung ausschließen, eingebürgerten Zuwanderern die Staatsbürgerschaft bei fehlenden Deutschkenntnissen entziehen und Minarette und Kopftücher im öffentlichen Raum verbieten will.

Ganz Europa in Aufregung

Zur Jahrtausendwende haben sie schon einmal ganz Europa in Aufregung versetzt, als sie unter ihrem Frontmann Jörg Haider in die Regierung aufstiegen und die EU die politischen Beziehungen zu Österreich einfror. Dann fielen sie in der Wählergunst. Haider sprang ab und gründete seine eigene Partei, das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Die FPÖ stand vor dem Aus.

Jetzt feiert sie ihre Wiederauferstehung, mit alten Parolen und neuem Führer: Heinz-Christian Strache. Zwischen 17 und 20 Prozent verheißen ihr die Umfragen für die Parlamentswahlen am Sonntag. "Wir erleben gerade ein Déjà-vu", sagt der Politikberater Thomas Hofer. "Die FPÖ inszeniert sich wieder nach dem Haider-Rezept - mit Erfolg."

Regierungsbildung kaum ohne FPÖ

Sie machen es ihm aber auch leicht, die "Systemparteien", wie sie Strache nennt. Die Große Koalition hat sich Ende Juni nach 18 Monaten Selbstzerfleischung aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen. Seither lassen Sozial- und Christdemokraten keine Gelegenheit aus, dem einstigen Partner zu schaden. Ergebnis: Beide Volksparteien liegen in den Umfragen unter 30 Prozent. Bleibt es so, kommen sie bei der Regierungsbildung kaum an der FPÖ vorbei. "Eine weitere Große Koalition kann man dem Wähler nach diesem Wahlkampf kaum verkaufen, wenn es eine andere rechnerische Lösung gibt", sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier. Nur 15 Prozent aller Österreicher wünschen sich noch einmal Rot-Schwarz.

Strache schlachtet dieses Dilemma gnadenlos aus. "Für was haben die Würtschtln zig Millionen Euro für Neuwahlen ausgegeben, wenn danach die Große Koalition weitergeht?", ruft er über den Stadtplatz. "Das ist eine ganz miese, schäbige Geschichte."

So hat auch Jörg Haider einmal gewütet - Strache gibt sich alle Mühe, sein einstiges Idol zu kopieren. Er stellt sich als moderner Robin Hood dar, als Kämpfer für die Rechte des Volkes gegen die abgehobenen Eliten, wie einst Haider. Er polemisiert gegen die Regierung, die Zuwanderer und die EU.

Er trägt den Pullover wie sein früheres Vorbild

Er ist genauso sonnengebräunt, manchmal trägt er gar den Pullover so über den Schultern wie sein früheres Vorbild. Und er hat den gleichen Wahlkampfslogan: "SIE sind gegen IHN, weil ER für EUCH ist."

Wie einst Haider. "Das ist geistiges Eigentum der FPÖ", sagt Strache, als er darauf angesprochen wird. Die Wahlkampfstrategen kupfern auch bei anderen Politikern ungeniert ab. So posiert "Stra-CHE", wie er sich nennt, auf seiner Homepage mit Baskenmütze und Stern, wie einst Che Guevara - er sieht sich auch als Sozialrebell.

  zurück
1 2
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Kärnten Haider schiebt Asylbewerber eigenmächtig ab

Rechtspopulist Jörg Haider sorgt wieder für Wirbel: Weil er eigenmächtig Asylbewerber aus seinem Bundesland abschieben ließ, prüft Österreichs Innenministerin Maria Fekter nun eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung. Haiders Sprecher keilte zurück: Die Ministerin sei eine "Schutzmantelmadonna krimineller Ausländer". mehr...

Regierungskrise Österreichs Kanzler gibt auf

Politischer Paukenschlag in Wien: Die rot-schwarze Regierungskoalition in Österreich ist nach nur eineinhalb Jahren gescheitert. Beide Koalitionsparteien sprachen sich für baldige Neuwahlen aus. Kanzler Alfred Gusenbauer will daran jedoch nicht mehr als Spitzenkandidat antreten. mehr...

Große Koalition Österreich sinniert über Geheimpapier

In Österreich hat die Regierungskrise einen neuen Höhepunkt erreicht. Ursache des Ärgers ist ein Geheimpapier der ÖVP, das jetzt in den Medien auftauchte. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, SPÖ, brach seinen Urlaub ab, um den Koalitionspartner zur Rede zu stellen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe