Deutschland gibt 15 Millionen Euro für Mali

29. Januar 2013, 10:03 Uhr

Der Militäreinsatz in Mali wird von Deutschland mit noch mehr Geld unterstützt. Für die Bundesrepublik könnte das Engagement in dem Konflikt allerdings riskant werden: Die Terrorgefahr steigt.

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Sie hoffen auf bessere Zeiten: Bewohner des malischen Städtchens Léré, das vom Konflikt in Mitleidenschaft gezogen wurde.©

Deutschland wird für den afrikanisch geführten Militäreinsatz im Krisenstaat Mali zusätzlich 20 Millionen Dollar (rund 15 Millionen Euro) zur Verfügung stellen. Dies verlautete aus Regierungskreisen in Berlin. Offiziell soll die Summe bei einer internationalen Geberkonferenz bekanntgegeben werden, die am Dienstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begann.

Die Afrikanische Union (AU) hat bereits angekündigt, sich mit 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) an der Gesamtsumme zu beteiligen. Die Europäische Union gibt 50 Millionen Euro, woran Deutschland nochmals beteiligt ist. Zudem will die EU Militärausbilder entsenden. An der Konferenz nehmen neben den Staaten der Afrikanischen Union Vertreter von rund 60 internationalen Partnern teil.

Einsatz in Mali verschärft Terrorgefahr

Bei den hiesigen Sicherheitsbehörden wächst nach Informationen der "Bild"-Zeitung derweil die Sorge, dass der Konflikt in Mali auch die Sicherheitslage in Deutschland verschärfen könnte. "Fanatisierte Einzeltäter oder Kleinstgruppen könnten das Engagement der Bundeswehr in Mali zum Anlass nehmen, Anschläge zu verüben", heißt es der Zeitung zufolge in einem internen Geheimpapier der Sicherheitsbehörden. Die Aktionen könnten dabei sowohl gegen deutsche Einrichtungen im Inland als auch im Ausland gerichtet sein.

Die Bundeswehr leistet mit zwei Transall-Flugzeugen logistische Hilfe für die in Mali kämpfenden Soldaten der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS und indirekt damit auch für die französische Intervention in dem westafrikanischen Land.

Dem internen Papier der Sicherheitsbehörden zufolge sind laut "Bild" etwa 50 Personen aus der islamistisch-terroristischen Szene in Deutschland in Terror-Camps weltweit gereist - unter anderem nach Mali, aber auch nach Libyen, Syrien und Somalia. Dort seien sie von Mitgliedern des Terror-Netzwerks al Kaida geschult worden, unter anderem in Nahkampftechniken sowie im Umgang mit Waffen und dem Bau von Bomben.

Von al Kaida erhielten die Betroffenen den Angaben zufolge auch konkrete Anweisungen für die Rückkehr in ihre Heimatländer. Die ausgebildeten militanten Islamisten sollten "autonome Terror-Zellen" in Deutschland bilden, um Anschläge auf markante Ziele verüben zu können. Zu den 50 Islamisten, die sich 2012 bereits in Terror-Camps ausbilden ließen, kommen nach Informationen der Zeitung noch einmal hundert deutsche Islamisten dazu, die bereits vorher eine paramilitärische Ausbildung absolvierten. Mehr als die Hälfte von ihnen sei inzwischen zurück in Deutschland.

"Frankreich wurde nicht gerufen, um in Mali zu bleiben"

Frankreichs Regierung betrachtet indes den eigenen Militäreinsatz in dem westafrikanischen Wüstenstaat als vollen Erfolg. "Wir sind dabei, die Schlacht zu gewinnen", sagte Präsident François Hollande Hollande am Montag in Paris. Wenige Stunden zuvor waren französische und malische Truppen in der legendären Wüstenstadt Timbuktu einmarschiert.

Dort fiel eine Bibliothek mit wertvollen historischen Manuskripten der Zerstörungswut von Islamisten zum Opfer. Über das Ausmaß der Verwüstungen lagen zunächst keine Erkenntnisse vor, ebenso wie über den Zustand der von Islamisten zerstörten Mausoleen islamischer Gelehrter. Die Grabstätten gehören zum Weltkulturerbe der Unesco.

Hollande lobte die Effektivität der französischen Armee, der es gelungen sei, die Offensive der islamistischen Rebellen innerhalb von wenigen Tagen zu stoppen. Er bekräftigte die Absicht, die französischen Truppen so schnell wie möglich wieder aus dem westafrikanischen Land abzuziehen. "Frankreich wurde nicht gerufen, um in Mali zu bleiben", sagte Hollande. Es sei Aufgabe der Afrikaner, dass Mali seine territoriale Integrität wiedergewinne, vor allem auch im von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden.

"Ich bin wieder frei!"

Der Nachrichtensender al Dschasira berichtete, die französischen Einheiten hätten sich bei ihrem Siegeszug beim Einmarsch in wichtige Städte wie Gao oder Timbuktu stets hinter die malischen Einheiten eingereiht. Dadurch sollte bei der Bevölkerung der Eindruck entstehen, dass die Regierungsarmee die Orte zurückerobert hätten.

Ein Reporter des Senders berichtete, dass die Rebellen vielfach "schlicht verschwunden" seien, sich möglicherweise in Nachbarländer abgesetzt hätten, um zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukehren.

"Ich bin wieder frei", jubelte ein Bewohner von Timbuktu nach Angaben des Senders RFI. "Ich darf wieder reden, ich kann wieder machen, was ich will." Auf den Straßen seien "Horden von Kindern" unterwegs, während Frauen wieder unverschleiert spazieren gingen. "Nach einem Jahr der Unterdrückung herrscht in Timbuktu wieder ein starkes Gefühl der Freiheit."

USA planen Drohnenbasis

Die USA planen eine Drohnenbasis in Nordwestafrika, um Gruppen des Terrornetzwerkes al Kaida sowie islamische Extremisten in der Region besser überwachen zu können. Zunächst sollten von dem Drohnenstützpunkt aber nur unbewaffnete Überwachungsmissionen starten, berichtete die Tageszeitung "New York Times" am Montag. Zu den möglichen Standorten zählten Regierungsmitarbeiter das im Osten an Mali grenzende Niger sowie das südlich von Mali gelegene Burkina Faso. Die Drohnen könnten so schnell wie möglich die von Frankreich geführte Mission in Mali unterstützen, hieß es.

Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) war am Montag die Lage in Mali ein Hauptthema. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begann am Dienstag eine Geberkonferenz für Mali. Dabei wollen die afrikanischen Länder und rund 60 Partner die Mittel für den geplanten afrikanisch geführten Militäreinsatz (Afisma) in dem Krisenland aufbringen. Die Europäische Union werde sich mit 50 Millionen Euro an der Mission beteiligen, sagte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs. Die Afrikanische Union selbst will 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) beisteuern.

Deutschland schickt dritte Tansall-Maschine

Deutschland will die logistische Hilfe für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen in Mali ausweiten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte am Montagabend einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", wonach die Entsendung eines dritten Transall-Transportflugzeugs nach Mali geplant ist. Die Bundeswehr transportiert seit einer Woche afrikanische Soldaten nach Bamako.

Kurz vor der Geberkonferenz gewährte der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Land einen Kredit von 18,4 Millionen Dollar. Das Geld solle dem Land erlauben, sich von der Rezession zu erholen und die wirtschaftliche Stabilität wiederherzustellen, teilte der IWF mit. Der Leiter der IWF-Mission in Mali, Christian Josz, sagte, seine Organisation hoffe, dass andere Geber durch die Entscheidung ermutigt würden, ebenfalls Hilfen für Mali zuzusagen. Japan erfüllte diese Hoffnung bereits, in dem es dem Land und anderen Staaten der Sahel-Zone 120 Millionen Dollar (89 Millionen Euro) Unterstützung zusagte. An diesem Dienstag soll in Addis Abeba auf einer Konferenz Geld für die afrikanische Eingreiftruppe MISMA gesammelt werden.

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