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China weist ausländische Studenten aus

Während der Olympischen Spiele in Peking dürfen ausländische Studenten offenbar nicht im Land bleiben. Mehrere zehntausend Menschen könnten davon betroffen sein. Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben bisher keine Kenntnis über mögliche Pläne Chinas.

Mehrere zehntausend ausländische Studenten in China müssen offenbar wegen der Olympischen Spiele in Peking im Sommer das Land verlassen. Im Juli und August müssten alle ausreisen, bestätigten mehrere Universitäten in Peking. "Selbst wer im nächsten Semester weiterstudiert, muss in den beiden Monaten ausreisen", sagte eine Sprecherin der Peking Universität. "Es ist bei allen Universitäten dasselbe. Die Anweisung kam von höherer Stelle." Es werde auch nicht wie sonst üblich kurzfristige Sommerkurse geben.

Die Behörden haben wegen der Spiele in Peking bereits die Vergabe von Visa an Ausländer massiv eingeschränkt. Die europäischen Handelskammern protestierten gegen die Verschärfung, die auch Geschäftsleute besonders träfen und "sehr negative" Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeiten habe.

Mehrere zehntausend Studenten betroffen

Rund 1300 deutsche Studenten studieren nach Angaben des Auswärtigen Amtes in China. Die Kurzstudiengänge mitgerechnet seien es 2700. Der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) schätzt die Zahl aller ausländischen Studenten derzeit auf mehrere zehntausend. Nach Zahlen des chinesischen Bildungsministeriums sollen 2007 sogar 190.000 ausländische Studenten China besucht haben.

Das Außenministerium in Peking konnte hingegen Angaben von zwei Universitäten in der chinesischen Hauptstadt nicht bestätigen, wonach die Studenten im Juli und August nicht bleiben könnten. "Ich habe nichts in dieser Hinsicht gehört", sagte ein Sprecher.

Das Außenministerium verteidigte hingegen die Einschränkungen für Touristen und Geschäftsleute. Im Vergleich zu anderen Ländern sei die Visavergabe noch "ziemlich bequem", sagte die Sprecherin Jiang Yu. "Ich glaube, es wird keine negativen Auswirkungen auf normale Geschäfts- und andere Aktivitäten haben."

Auswärtiges Amt prüft Pläne Chinas

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben bisher keine Kenntnis über mögliche Pläne Chinas, ausländische Studenten während der Olympischen Spiele auszuweisen. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, entsprechende Meldungen könne man nicht bestätigen. Derzeit prüfe man über die deutsche Botschaft in Peking ihren Gehalt.

In diplomatischen Kreisen hieß es zur Visa-Vergabe, die EU-Botschaften seien von Peking informiert worden. Nach chinesischer Darstellung gebe es keine Verschärfung der Visaregelungen, sie würden nur strikter als bisher angewandt und bisherige Vergünstigungen nicht mehr gewährt. So könnten Visa, die zur mehrfachen Einreise berechtigten, weiter ausgestellt werden, die Prüfung erfolge aber intensiver. Ein Visum könne unmittelbar nach der Ausreise neu beantragt oder auch in China selbst verlängert werden, hieß es unter Berufung auf die chinesische Darstellung.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte mit Zurückhaltung auf die jüngsten Restriktionen der chinesischen Olympia-Gastgeber gegenüber Ausländern. "Das sind Themen, die nichts direkt mit der Durchführung der Olympischen Spiele zu tun haben, deshalb können wir das nicht kommentieren", sagte IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau. Das IOC habe Versicherungen von den Olympia-Organisatoren, dass während der Spiele alles glatt laufen würde.

DPA/DPA

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