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9. April 2008, 07:22 Uhr

IOC gegen Abbruch des Fackellaufs

Die Träger des olympischen Feuers haben auch in San Francisco einen Spießrutenlauf vor sich, mehrere tausend Sicherheitskräfte sollen beim Lauf für Ruhe sorgen. Auch in Buenos Aires, der nächsten Station, beginnen bereits Proteste. Doch das IOC will, dass die Flamme weiter um die Welt reist.

Hunderte demonstrierten am 8. April vor der chinesischen Botschaft in San Francisco© Robyn Beck/AFP

Nach internen Diskussionen haben sich die IOC- Mitglieder am Rande der olympischen Woche in Peking entschieden gegen einen vorzeitigen Abbruch des olympischen Fackellaufs ausgesprochen. "Ich habe mit unserem Präsidenten Jacques Rogge gesprochen. Er ist zu 100 Prozent überzeugt, dass es keine Änderungen bei der internationalen Route der Fackel geben wird. Aber wir überlegen uns Veränderungen für die Zukunft", sagte Mario Vazquez-Rana, Präsident der Vereinigung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees (ANOC). Am Mittwoch macht der Fackellauf Station in San Francisco, wo zahlreiche Protestaktionen erwartet werden.

Gunilla Lindberg, Vizepräsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) meinte: "Wir sollten genauso weitermachen wie geplant. Der Fackellauf muss die internationale Route beenden." Vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen wurde die Fackel erstmals auf Welttour geschickt. Die Organisatoren der Peking-Spiele veranstalten den als "Reise der Harmonie" angepriesenen Fackellauf sogar über 137.000 Kilometer durch 19 Städte außerhalb Chinas. Bei den kommenden Winterspielen 2010 in Vancouver ist geplant, dass die Fackel zwar im griechischen Olympia entzündet, aber danach nur noch in Kanada laufend zur Schau gestellt wird.

Bereits am Dienstagabend hatte IOC-Präsident Jacques Rogge im französischen Fernsehen Gerüchte in verschiedenen Medien zurückgewiesen, es werde ein frühzeitiges Ende des Fackellaufs in Erwägung gezogen. "Es ist ein Gerücht, das falsch ist. Es gibt keine Diskussion in diese Richtung."

Massives Aufgebot von Sicherheitskräften

San Francisco bereitete sich derweil mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf den Fackellauf vor. Einer der Läufer sagte seine Teilnahme aus Sicherheitsgründen ab, wie die Behörden in der US-Metropole mitteilten. Am Dienstag protestierten mehrere hundert Menschen friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik. Die Demonstranten marschierten durch die Straßen zum chinesischen Konsulat, viele trugen tibetische Flaggen.

Am Montag hatten drei Aktivisten mit einer spektakulären Aktion gegen die Pekinger Tibet-Politik protestiert: Sie kletterten auf die Golden Gate Bridge und hängten dort die tibetische Fahne auf sowie zwei Transparente auf mit der Aufschrift "Befreit Tibet 08" und "Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet". Die geplante 6,9 Kilometer lange Route des Fackellaufs werde möglicherweise noch geändert, erklärte Gavin Newsom, der Bürgermeister von San Francisco. Die Entscheidung liege bei der Polizei.

Zwischenfall in Buenos Aires

Auch in Buenos Aires, der nächsten Station des Fackellaufs, mobilisierten die Behörden schon Sicherheitskräfte: Mindestens 1200 Polizisten sollen zusammen mit 3000 zivilen Helfern dafür sorgen, dass die etwa 80 Läufer mit dem olympischen Feuer - darunter voraussichtlich auch der frühere Fußballstar Diego Maradona - die insgesamt 13 Kilometer lange Strecke ohne Störungen überstehen. Die argentinische Metropole ist die siebte von weltweit 21 geplanten Stationen des Fackellaufes.

© stern.de-Infografik

Stationen des Fackellaufs

Nie zuvor war das olympische Feuer am Rio de la Plata. "Es wird alles gut organisiert, und wir sind überzeugt, dass dies ein Grund der Freude und des Stolzes sein wird", sagte Bürgermeister Mauricio Macri bei einer Pressekonferenz. Zugleich rief er dazu auf, Sport und Politik nicht zu vermischen. "Wir sind für die Menschenrechte hier, in China und in Paris, aber ein Akt des Friedens darf nicht mit einem politischen Vorgang verwechselt werden", betonte der konservative Politiker.

Jedoch wurde schon Macris Pressekonferenz von einem Mann, der sich als Vertreter einer Organisation Freies Tibet bezeichnete, unterbrochen. Jorge Aníbal Carcavallo kündigte an, die Fackel solle in Buenos Aires zwar nicht wie in Paris gelöscht werden, aber es werde "überraschende Aktionen" geben. Dabei gehe es darum, sich für eine "Kultur des Friedens und für die Befreiung Tibets" einzusetzen, sagte Carcavallo weiter.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Gerhard_Kemme (09.04.2008, 16:57 Uhr)
Bitte Sport statt Propaganda
Gäbe es die Proteste nicht, dann würde das olympische Feuer umgeben von der Flagge Rotchinas der Weltbevölkerung als Werbegag der sehr umstrittenen Herrschaft einer einzigen Partei gezeigt werden und diese Form von Diktatur stärken. Man könnte sich jetzt die Veranstaltung der olympischen Spiele in sehr unterschiedlichen Ländern vorstellen . Aber eigentlich ist es nie völlig unproblematisch dann Fackel und Flagge des entsprechenden Landes durch andere Nationen zu tragen. Warum konzentriert man sich nicht ausschließlich auf Sport, d.h. das olympische Feuer wird von Griechenland aus direkt an den Austragungsort gebracht und dort geht es dann um Medaillen und die Sportler?
MfG Gerhard Kemme
sachsenwini (09.04.2008, 13:06 Uhr)
@ kepe … Diese „andere“ Frage hast Du Dir ja schon selbst beantwortet

Diese Fackelwächter im Trainingsanzug sind wahrscheinlich Chinesische Sicherheitskräfte. Offensichtlich hat auch Chinas Geheimdienst nicht geschlafen und sich auf diese gut organisierten Provokationen vorbereitet.
.
So reisen Pekings Bodyguards und die Organisatoren der Kämpfer für die Menschenrechte von Fackellauf zu Fackellauf und werden sich inzwischen schon näher kennen gelernt haben.
kepe (09.04.2008, 11:34 Uhr)
Ich hatte noch eine andere Frage
Weiss jemand, wer diese komischen Männer in den niedlichen weiss-blauen Trainingsanzügen sind? Ich habe auf einigen Fotos gesehen, dass sie handgreiflich gegen Demonstranten vorgingen und war etwas verwundert. Wenn jemand gegen Demonstranten vorgeht, dann wohl die Polizei des entsprechenden Landes und nicht irgendwelche Fackel-Beschützer-Mitläufer aus China. Die haben doch gar kein Recht dazu. Dachte ich. Ich bin doch etwas nachdenklich geworden und habe mal das Netz bemüht, hier ein kleines Zitat: "Die Feuerschützer sollen laut "Mirror" zu einer Elitetruppe des chinesischen Militärs gehören. Einige sollen aus Einheiten der gefürchteten "Fliegenden Drachen" rekrutiert worden sein, andere vom "Schwert Südchinas", einer Anti-Terror-Einheit, bei der es so brutal zugehen soll, dass einige Rekruten während der Ausbildung umkommen. Die Zeitung zitiert einen "europäischen Militär" zu den Ausbildungsstandards der Spezialeinheit: "Viele Rekruten sterben innerhalb weniger Wochen. Sie ist blutig und brutal." Doch auch nach Angaben chinesischer Medien sind die Mitglieder der Truppe Militärpolizisten, die in China für die Bekämpfung von Unruhen und die innere Stabilität zuständig sind. Zehntausende der "Wujing", wie die bewaffnete Volkspolizei auf Chinesisch heißt, sind unlängst in Tibet und in den angrenzenden Regionen gegen Demonstranten vorgegangen." Zitatende ..... Noch Fragen? Ich habe keine mehr. "Fliegende Drachen", "Schwert Südchinas" ..... das zieht mir echt die Schuhe aus.
sachsenwini (09.04.2008, 11:29 Uhr)
Die Tibeter werden für eine schäbige Politik missbraucht.

Tibet wird auch nach aller Hetze gegen China und aller Provokationen gegen die internationalen Sportler kein eigener Staat werden. Es geht auch niemanden um Menschenrechte in Tibet oder China oder um das Schlachten von Haustieren.
.
Das wissen auch die Organisatoren dieser Inszenierung, und das ist auch gar nicht ihr Ziel.
.
Hier geht es einzig und allein darum, die aufstrebende Industriemacht China zu diffamieren.
miho22 (09.04.2008, 11:19 Uhr)
Nur Eröffnugsfeier boykottieren
Nach meiner Meinung sollte die Eröffnungsfeier und auch die Abschlußfeier boykotiert werden, da diese Feiern hauptsächlich Propagandaveranstaltungen Chinas sind. Die eigendlichen Spiele sollten, wie auch nach Meinung des Dalailama stattfinden. Ausserdem ist es vielleicht auch eine Chance die Tierquälereien, auf die mein Vorredner hingewiesen hat, publik zu machen.
CeeTo (09.04.2008, 11:16 Uhr)
sachsenwini
Das zeigt leider wie egoistisch du bist.
Du sitzt hier im schönen Deutschland, hast alles Rechte zu tun und zu lassen was du willst.
Was scheren dich da die Menschen in China die unterdrückt werden. Und da rede ich nicht alleine von Tibet. Sondern vom gesamten Volk.
Aber hauptsache du kannst weiter chinesisch Essen gehen? Das ist ja das wichtigste.
kepe (09.04.2008, 11:12 Uhr)
Wer auch immer was entscheidet
die Olympischen Spiele 2008 sind vorbei bevor sie begonnen haben. Ich habe als Kind und Jugendliche gern Olympia geschaut und hatte immer riesen Respekt vor den Sportlern, die ich im Fernsehen sehen konnte (was wusste ich schon über doping?), oft vor denen die als Letzte ins Ziel kamen, wussten sie doch von Beginn an, dass sie keine Chance hatten ... und trotzdem, dabei sein war wichtig.
Als die Spiele 2008 nach China gegeben wurden, habe ich mir sofort die Frage nach dem Sinn gestellt. Es hat wahrscheinlich niemand damit gerechnet, dass das "dumme Volk" oder die "schweigende Mehrheit" sich doch noch aufrafft und ein bischen zu Wort meldet, und zwar weltweit. Das ist auch ein Globalisierungseffekt. Ich habe mir jedenfalls keine Lust mehr die Spiele anzuschauen und sicherlich vergeht vielen Sportlern bereits die Lust überhaupt nach China zu reisen. In meinen Augen hat die Olympische Bewegung bleibenden Schaden genommen. Das ist sehr traurig.
CeeTo (09.04.2008, 11:08 Uhr)
-.-
eltalein
wie oft willst du das bitte noch schreiben. Das ist hier keine Werbeplattform.
Zum Thema: Mich erschreckt irgendwie dass das IOC mit aller Gewalt ein friedliches Olympia durchboxen will. Ich hätte gedacht sie haben auch einen sozialen Auftrag.
ICh bin nich für einen totalen Boykott der Spiele, aber man muss sich klar und deutlich positionieren und nicht so tun als wenn das einem alles am Arsch vorbeigeht.
Wie kann man in einem Land wo sehr viel Unrecht geschieht föhliche Spiele feiern?
-ich- (09.04.2008, 10:50 Uhr)
Olympia muss stattfinden!
Was würden eigentlich all die Tibet Unterstützer machen wenn Olympia gar nicht in China stattfinden würde?
Richtig, vermutlich gar nix.
Tibet wird seit 50 Jahren unterdückt und wo waren die Proteste in der Vergangenheit?
Erst DURCH Olympia wird das Tibet Problem doch wieder von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Und das ist gut so.
Olympia KANN eine Chance für Tibet sein, wenn man es auch für Proteste nutzt. Auch den Fackellauf. Woran sich die "freie" Weltpresse jedenfalls messen lassen muss, ist die Frage, wie sie mit dem Thema vor Ort umgehen werden. Sind die Proteste im Ausland groß genug, werden sie es in China nicht totschweigen können.
Wohnsiedlung (09.04.2008, 09:07 Uhr)
Freiheit ist ökologisch nicht sinnvoll
Jeder sichert sich sein Pöstchen, ohne Olympia kein IOC. Ich bedauere es, dass eine so gute Idee so Missbraucht wird. Diese ganze scheinheilige Geschwätz von wenn und aber, von Erwartungen, Prognosen und Meinungen ist unerträglich. Diese Leute wollen einfach nicht wahrnehmen, das es auch Bürger, in diesem Fall die Mehrzahl und unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturkreise, eine grundsätzlich andere Ansicht vertritt. Muss denn alles was geschieht in diesen unseligen Diskussionen enden. Es nicht zu ertragen!
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