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Peking legt Ai Weiwei die Ausreise nahe

Chinas berühmtester Künstler Ai Weiwei traut sich als einer von wenigen, den Mund aufzumachen. Er denkt zwar an Flucht, will sein Land aber nicht verlassen - obwohl die Regierung ihn dazu ermuntert.

Von Janis Vougioukas, Shanghai

  Ai Weiwei mit den stern-Autoren Katja Gloger und Janis Vougioukas

Ai Weiwei mit den stern-Autoren Katja Gloger und Janis Vougioukas

Im vergangenen Jahr war er 81 Tage eingesperrt. Die chinesische Regierung wirft ihm Steuervergehen vor, außerdem die Verbreitung von Pornografie und den illegalen Tausch von ausländischen Währungen. Seit seiner Freilassung muss Ai Weiwei, der berühmteste Künstler des Landes, in Peking in der ständigen Angst leben, eines Tages wieder plötzlich zu verschwinden. Seinen Pass hat er seit der Haft im vergangenen Jahr immer noch nicht zurückbekommen.

Einschüchtern lassen hat sich der Regimekritiker bislang nicht von all den Repressalien. Im Gegenteil ist er so entschlossen wie nie, in der Heimat zu bleiben und für die Menschenrechte zu kämpfen. Offenbar haben die Pekinger Kommunisten offenbar genug von dem aufsässigen Künstler, der der Führung immer wieder die eigene Brutalität und Ungerechtigkeit vor Augen hält.

Ausreise aus "medizinischen Gründen" nahegelegt

Im Interview mit dem stern berichtet Ai, die Behörden hätten ihm indirekt die Ausreise ins Ausland angeboten. Das Wort "Exil" hätten sie dabei nicht benutzt, vielmehr sei ihm mitgeteilt worden, dass ein Antrag auf "medizinische Behandlung im Ausland" unter Umständen genehmigt werden würde, so der weltweit angesehene Künstler. Er werde das "Spiel" jedoch nicht mitspielen. Er frage sich allerdings gelegentlich, ob es eine Situation gäbe, in der er sein Land verlassen müsse.

Ai kennt die Risiken seiner Arbeit, in der die Pekinger Regierung eine Provokation und Bedrohung des Regimes sieht. Im vergangenen Jahr war er für 81 Tage eingesperrt worden. Dann wurde er plötzlich wieder freigelassen, allerdings mit der Auflage, sich ein Jahr lang weder in der Presse zu äußern noch die Stadt Peking zu verlassen. Offiziell ist er inzwischen wieder ein freier Mann. Doch vier seiner Mitarbeiter sind noch immer verschwunden.

Chinas Regimekritiker müssen damit rechnen, im Falle einer Ausreise nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren zu können. Alle Dissidenten, die sich in den vergangenen Jahren ins Ausland abgesetzt hatten, spielen in China heute keine Rolle mehr und sind aus den öffentlichen Diskussionen verschwunden.

Trotzdem haben sich in den vergangenen Monaten immer mehr Regimekritiker und Abweichler für die Flucht ins Ausland entschieden, darunter der Dichter und Friedenspreisträger Liao Yiwu, der inzwischen in Berlin lebt und der blinde Anwalt Chen Guangcheng. Im Jahr 2009 verbrachte der Shanghaier Menschenrechtsaktivist Feng Zhenghu drei Monate im Transitbereich des internationalen Flughafens von Tokio, weil ihn die chinesischen Behörden nicht mehr in seine Heimat zurücklassen wollten.

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