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Regierungschef Thaci in Bedrängnis

Die Vorwürfe sind unglaublich: Serbischen Kriegsgefangenen sollen im Kosovo Organe entnommen worden sein. Regierungschef Thaci war angeblich an den finsteren Machenschaften beteiligt. Nun meldet sich die frühere Chefanklägerin Del Ponte zu Wort.

Der alte und designierte neue Regierungschef des Kosovos, Hashim Thaci, gerät immer mehr in Bedrängnis. Nach Vorwürfen des Organhandels hat die frühere Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Carla del Ponte, internationale Ermittlungen gefordert. Die juristischen Schritte dürften jedoch nicht im Kosovo oder in Albanien erfolgen. "Die haben ja schon gesagt, dass alle unschuldig sind", betonte die heutige Botschafterin der Schweiz in Argentinien am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wegen der schweren Vorwürfe wird die Bildung eines Kabinetts nach den Parlamentswahlen im Kosovo immer schwieriger. Eine Koalition mit Thaci sei ausgeschlossen, sagte Spitzenpolitikerin Rada Trajkovic von der Serbischen Einheitsliste.

Nach einem Bericht des Schweizer Europarats-Abgeordneten Dick Marty soll Thaci jahrelang am Handel mit Organen serbischer Kriegsgefangener beteiligt gewesen sein. Thaci sei nach dem Kosovo- Krieg Ende der 90er Jahre Chef einer mafiaartigen Gruppe gewesen, die auch Morde und andere Verbrechen begangen habe. Die Kosovo-Regierung wies den Bericht zurück. Del Ponte sagte: "Die Ermittlungen müssen zeigen, ob es wirklich Beweise für diese Vorwürfe gibt." Dafür komme die EU-Kosovo-Mission Eulex infrage, die dafür aber entsprechend ausgestattet werden müsste.

Bei einer Pressekonferenz in Paris bekräftigte Marty die Mafiavorwürfe gegen Thaci. Mit seinem Bericht habe er zeigen wollen, "dass Verbrechen begangen wurden, die bis heute ungestraft geblieben sind". Vorwürfe über verbrecherische Handlungen und Menschenrechtsverletzungen seien bekannt gewesen. "In Privatgesprächen wurde das zugegeben, doch aus politischen Gründen hat man es vorgezogen zu schweigen."

Del Ponte sagte, sie habe nach Ende ihrer Tätigkeit als Chefanklägerin "erschüttert" erfahren, dass Beweisstücke für die mögliche Entnahme von Organen in Albanien beim Tribunal verschwunden seien. "Es waren Blutproben, Lappen, Fotos und Ähnliches aus dem gelben Haus in Rribe in Nordalbanien", erinnert sich Del Ponte. "Es war uns damals klar, dass in dem Haus etwas Medizinisches stattgefunden hatte."

Die Anfangsermittlungen des Tribunals seien damals dann ins Stocken geraten, weil Albanien die Zusammenarbeit einstellte. "Wir hatten von Massengräbern mit möglichen Opfern von Organentnahmen in Albanien gehört, und ich wollte das untersuchen lassen, aber die albanischen Behörden sperrten sich", sagte Del Ponte. Zudem hätten Zeugen die Aussage verweigert. "Sie hatten Angst, weil mehrere unserer Zeugen ermordet worden waren", sagte Del Ponte.

Del Ponte sagte, sie habe die Gerüchte über Organhandel zunächst für unwahrscheinlich gehalten: "Ich dachte, das ist doch nicht möglich." Spezialisten hätten ihr aber versichert, dass die Entnahme von Organen medizinisch nicht so schwierig sei, sondern die Konservierung der Organe.

Die Serben, mit deren Beteiligung in der neuen Regierung Thaci fest gerechnet hatte, gaben ihm am Donnerstag einen Korb. Fast alle Parteien verlangten wegen angeblich massiver Wahlfälschungen durch Thacis PDK-Partei Neuwahlen. Die zweitplatzierte LDK forderte sogar eine komplette Neuwahl. Dagegen hielt sich die EU mit einer Bewertung zurück. "Wir warten, dass der Wahlprozess abgeschlossen wird", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel.

DPA/DPA
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