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8. Mai 2011, 09:56 Uhr

Topterrorist a.D. schwelgte in Erinnerungen

Ein alter Mann mit Decke um die Schultern vor dem Fernseher: Die US-Regierung hat Videos aus dem Versteck von Osama bin Laden präsentiert. Darauf schaut er sich seine alten Drohvideos an.

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Osama Bin Laden: Ein alter Mann, in eine Decke gehüllt vor dem Fernseher© REUTERS/Pentagon/Handout

Beschlagnahmte Videos des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden belegen nach Meinung der US-Regierung, dass der Topterrorist bis zuletzt eine starke Rolle im Netzwerk gespielt hat. Regierungsvertreter kommentierten am Samstag in US-Medien anonym die tonlosen Clips, die das Pentagon an eine Reihe von Journalisten gezielt verteilt hatte. Nach Meinung der Regierung beweisen die Filme, dass bin Laden bis zuletzt Anschläge der Terrororganisation und ihrer verbündeten Gruppen im Jemen und in Somalia geplant und dirigiert hat.

Was die Ermittler zu diesem Schluss bringt, ist allerdings unklar, zumal die Öffentlichkeit das, was in den Filmen bin Ladens gesagte wird, nicht erfahren soll. Die Videos gäben keinen Aufschluss über den Verbleib von bin Ladens Stellvertreter und möglichem Nachfolger Ayman al Zawahri, hieß es.

Bin Laden, wie man ihn nicht kannte

Die von der US-Regierung freigegebenen Aufnahmen, die am Samstag über mehrere amerikanische TV-Kanäle flimmerten, seien bei dem Übergriff auf das Versteck bin Ladens im pakistanischen Abbottabad sichergestellt worden. Auf den Bildern ist ein bin Laden zu sehen, wie ihn die Öffentlichkeit bislang nicht kannte.

Einer der insgesamt fünf Videoclips zeigt den alt anmutenden Al-Kaida-Chef mit grauem Haar und Bart. Gebeugt sitzt er mit einer Decke über den Schultern und einer Strickkappe auf dem Kopf vor dem Fernseher. Mit einer Fernbedienung in der Hand betrachtet er seine eigenen Filme, während er gelegentlich nickend vor- und zurückwippt. Seinen linken Arm setzt er nicht ein. Nach Meinung der Ermittler könnte dies darauf hindeuten, dass eine Schussverletzung bleibende Behinderungen hinterlassen hat. Bin Laden sitzt in einem kargen Raum mir kahlen Wänden. Sein altmodischer TV-Apparat ist mit einem Decoder verbunden. Unklar ist, ob der Raum zu seinem Anwesen in Abbottabat gehört, wo ihn US-Spezialkräfte in der Nacht zum Montag überwältigten und töteten.

Videobotschaften ohne Ton

Medienwirksamer präsentiert sich bin Laden in einer bis zu seinem Tod nicht ausgestrahlten Videobotschaft an die USA, in der er nach Ermittlerinformationen gegen den Kapitalismus wettert. Für das Video hat er sich Haare und Bart schwarz gefärbt. Er wirkt geschminkt. Weitere Filme zeigen, wie der Al-Kaida-Chef für Videobotschaften übt.

Das Pentagon hatte am Samstagmittag eine Reihe ausgewählter amerikanischer Journalisten zu einem Briefing eingeladen, um Kopien der Filme auszugeben. Der Ton der Botschaften soll geheim bleiben. Das Material gehört zu den über Hundert Audio- und Videodokumenten, die die US-Spezialkräfte beim Sturm auf bin Ladens Anwesen nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sichergestellt hatten.

Ein Telefongespräch zuviel

Aus Ermittlerkreisen in Washington drang unterdessen an die Öffentlichkeit, dass ein privates Telefonat die Fahnder auf die Spur des Topterroristen geführt hat. Demnach erregte ein Handy-Gespräch von bin Ladens Kurier mit einem alten Freund die Aufmerksamkeit des US-Geheimdienstes. Der Freund habe den Kurier Abu Ahmed al Kuwaiti gefragt, wo er denn so lange gesteckt habe. Daraufhin habe dieser geantwortet: "Ich bin wieder bei den Leuten, bei denen ich früher war."

Als die Agenten dieses Gespräch mitgehört hätten, sei ihnen klar gewesen, dass es eine heiße Spur sei, so die "Washington Post" - ungeachtet der strengen Vorsichtsmaßnahmen des Bin-Laden-Teams. Auf dem Gelände in Abbottabad, auf dem sich der Topterrorist versteckt hielt, gab es weder Telefon- noch Internet- oder TV-Leitungen. Mitarbeiter des Al-Kaida-Chefs seien zum Telefonieren 90 Minuten weit weg gefahren. Erst dann hätten sie die Batterien in ihre Handys gelegt, berichteten US-Medien.

swd/DPA
 
 
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