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16. Juni 2011, 13:11 Uhr

Gestatten, Aiman al Sawahiri, Al-Kaida-Boss

Es ist, als wäre al Kaida ein Großkonzern: Nach dem Tod des alten Chefs hat das Terrornetzwerk jetzt hochoffiziell den Nachfolger präsentiert: Aiman al Sawahiri, bin Ladens früheren Vize. Ein Porträt. Von Manuela Pfohl

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Ein seltenes Dokument: Osama bin Laden und Aiman al Sawahiri auf einem Foto, das auf den 8. November 2001 datiert ist.© DPA

So vorsintflutlich die Gotteskrieger auch erscheinen mögen, wenn sie sich vor irgendwelchen Höhlen in den afghanischen Bergen zeigen: Die in den Achtzigern gegründete Terrorgruppe al Kaida ist zumindest in ihrem harten Kern ein hierarchisch organisiertes Unternehmen, in dem auch die Führungsmannschaft klar strukturiert ist. Fällt der Chef aus - wie Osama bin Laden nach seinem Tod Anfang Mai -gibt es auch einen Nachfolger. Und der wurde jetzt ganz offiziell bekanntgegeben. Aiman al Sawahiri, einst bin Ladens Stellvertreter, soll das neue Gesicht des radikalen Islamismus sein. Das geht zumindest aus einer Botschaft hervor, die am Donnerstag auf einer einschlägigen Islamisten-Website im Internet veröffentlicht wurde. Darin heißt es, das "Generalkommando" von al Kaida habe nach ausführlichen Debatten beschlossen, dass al Sawahiri der Nachfolger bin Ladens werden solle. Überraschend kommt das nicht. Viele Experten gehen davon aus, dass bin Laden das "operative Geschäft" schon vor längerem an den Ägypter übergeben hatte.

Ein Hardliner mit Ambitionen

Verlässliche Informationen über den 1951 in Ägypten geborenen al Sawahiri gibt es kaum. Sicher ist nur, dass der Mediziner nach Stipvisiten bei mehreren Untergrundorganisationen Ende der siebziger Jahre zum "Islamischen Dschihad" stieß, einer radikalen islamistischen Gruppe, deren Führer er wurde. Ihr Ziel: Ein Staatsstreich und die Errichtung der "islamischen Ordnung" in Ägypten. Der Plan flog auf und al Sawahiri kam für drei Jahre in Haft. Ende der achtziger Jahre ging er nach Afghanistan und schloss sich den Mudschahedin an. Er wurde die rechte Hand bin Ladens, erklärte mehrfach die USA zum Hauptfeind und rechtfertigte die Anschläge von 2001.

Währenddessen lag sein Hauptinteresse jedoch weiterhin im Kampf gegen die ägyptische Regierung. Er gilt als Drahtzieher mehrerer Anschläge auf ägyptische Politiker. Der damalige Präsident Mubarak entging nur zufällig einem Attentat, das der "Islamische Dschihad" 1995 zusammen mit der "Dschamaa al Islamiyya" in Äthiopien verübte.

Al Sawahiri und der Zorn im Nahen Osten

Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass der seit etwa 2000 untergetauchte Al-Kaida-Mann, der seitdem wie bin Laden nur noch über Videobotschaften zu seinen Anhängern sprach, nach wie vor gute Kontakte zu den Radikalislamisten in Ägypten unterhält. Immer wieder hatte er die "Verwestlichung" der Regierungen in der arabischen Welt angeprangert und gefordert, dass notfalls auch mit Gewalt strenge islamische Ordnungen an ihre Stelle treten müssten. Seit 2007 steht al Sawahiri auch deswegen auf der Terroristenliste der USA ganz oben.

Geheimdienstler sind sicher, dass al Kaida schon vor der Revolution radikale Islamisten in Ägypten unterstützte. Käme es nach den Wahlen, die für September in Ägypten vorgesehen sind, zu einem Sieg der bislang stärksten Oppositionskraft, der fundamentalistischen Muslimbrüder, deren Mitglied al Sawahiri immerhin eine Zeit lang war, besteht die Gefahr, dass al Kaida nicht nur einen strategisch wichtigen Rückzugsort in der arabischen Welt findet. Die Organisation könnte sich die derzeitige Instabilität des Nahen Ostens und die Unzufriedenheit vieler Menschen, die von den Umwälzungen nicht profitieren, auch zunutze machen, um eine ganz neue Generation von Dschihadisten für den Terror gegen den Westen zu rekrutieren.

Heiliger Krieg gegen die "ungläubigen Invasoren"

Für ihr Engagement im Nahen Osten spricht die jüngste Erklärung von al Kaida. Darin heißt es: "Wir loben die arabischen Revolutionen in Ägypten, Tunesien, Libyen, im Jemen, in Syrien und in Marokko, und wir ermutigen auch die anderen muslimischen Völker, ihre korrupten Regime zu stürzen." Und: "Wir bereiten uns vor für den Heiligen Krieg gegen die ungläubigen Invasoren und an ihrer Spitze die Kreuzfahrer aus den USA und ihr Mündel Israel sowie gegen jeden Herrscher, der sie unterstützt."

Von Manuela Pfohl
 
 
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