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17. Oktober 2007, 15:26 Uhr

Die Heimkehr der Benazir Bhutto

Acht Jahre lang musste sie ihrer Heimat fernbleiben, nun steht Benazir Bhutto, Ex-Regierungschefin von Pakistan, vor der Rückkehr. Für Präsident Musharraf, seit dem Militärputsch 1999 an der Spitze des Staats, könnte sie eine wertvolle Bündnispartnerin werden.

Benazir Bhutto auf einer Pressekonferenz in Dubai© Kamran Jebreili/AP

Die Bühne ist bereit: Nach acht Jahren im Exil kehrt die frühere pakistanische Regierungschefin Benazir Bhutto in ihre Heimat zurück. Bei ihrer für Donnerstag erwarteten Rückkehr werden Hunderttausende Anhänger die 54-Jährige auf den Straßen von Karachi feiern. Wegen Morddrohungen muslimischer Extremisten wird es ein riesiges Polizeiaufgebot zum Schutz der Politikerin geben, die als erste Frau eine moderne islamische Nation regiert und damit Geschichte geschrieben hat.

Bhuttos Rückkehr bedeutet einen wichtigen Schritt auf dem Weg Pakistans zurück zu einer zivilen Regierungsform. Seit dem Putsch von 1999 steht Militärchef Pervez Musharraf an der Spitze des mächtigen und bevölkerungsreichen islamischen Staates. Beobachter vermuten, dass Musharraf nach der Parlamentswahl im Januar ein politisches Bündnis mit Bhuttos Partei anstrebt. Den Weg dafür ebnete Musharraf Anfang Oktober, indem er Bhutto Amnestie gewährte. Ihr wurde Korruption vorgeworfen. Allerdings hat der Handel mit Musharraf Bhuttos Image als Verteidigerin der Demokratie einige Kratzer verpasst.

Bhuttos Anhänger erhoffen sich mehr Arbeitsplätze

Musharraf, der die größten Oppositionsparteien jahrelang unterdrückt hat, kommt mit der Einladung Bhuttos zu einer Rückkehr einer Forderung des wichtigsten Verbündeten USA nach. Washington tritt dafür ein, dass die Gemäßigten in Pakistan ihre Kräfte bündeln, um den immer größer werdenden Einfluss islamistischer Scharfmacher einzudämmen. Musharraf will sein Amt als Armeechef aufgeben, wenn seine umstrittene Wiederwahl zum Präsidenten vom 6. Oktober vom Obersten Gerichtshof anerkannt wird. Außenpolitisch wird Bhutto ebenso wie Musharraf für ein enges Bündnis mit den USA eintreten und das militärische Vorgehen gegen die Kämpfer der Taliban und al Kaida im Grenzgebiet zu Afghanistan unterstützen. Innenpolitisch erhoffen sich die Anhänger von Bhutto mehr Arbeitsplätze, soziale Reformen und mehr Freiheiten.

Bhutto entstammt einer reichen Familie. Ihr Vater war der charismatische Sozialist Zulfiqar Bhutto, der pakistanischer Präsident und Regierungschef war. Er wurde 1977 von General Zia ul-Haq gestürzt und zwei Jahre später hingerichtet. Bhutto kämpfte gegen die Militärherrschaft, stand mehrmals unter Hausarrest und lebte im Exil. Nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin 1988 verkündete ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) ein soziales Wohlfahrtprogramm, das "Essen, Kleidung und Obdach" für alle Pakistaner bringen sollte. Dieser Hintergrund erklärt, warum Bhutto trotz ihrer elitären Herkunft eine besondere Wirkung auf die verarmten Massen hat. Bhutto war von 1988 bis 1990 und dann wieder von 1993 bis 1996 Regierungschefin. Überschattet wurden ihre Amtszeiten von Vorwürfen der Korruption und des Amstmissbrauchs. Um nach einem Korruptionsurteil der Verhaftung zu entgehen, verließ sie 1999 Pakistan und lebte danach im Exil in London und Dubai.

Kämpferin für Modernität und Bildung

Mit Rücksicht auf die islamischen Sitten kleidet sich die Frau, die in Harvard und Oxford studiert hat, in traditionelle Shalwar Kameez, weite, pyjamaartige Anzüge. Ihren Kopf bedeckt sie stets mit einem Schal. Trotz dieser islamkonformen Kleidung und ihres Einverständnisses mit einer arrangierten Hochzeit tritt Bhutto für die Modernisierung ihres Heimatlandes ein. "Ich weiß, dass ich ein Symbol bin für das, was die sogenannten Heiligen Krieger von Taliban und Al Kaida am meisten fürchten", schrieb Bhutto im April im Vorwort ihrer Autobiografie "Tochter des Ostens". "Ich bin eine politische Führerin, die dafür kämpft, Modernität, Kommunikation, Bildung und Technologie nach Pakistan zu bringen."

Es gibt aber auch Bürger, die an ihren guten Absichten zweifeln. Unvergessen sind bei vielen Pakistanern die Korruptionsvorwürfe gegen ihren Mann Asif Ali Zardari, der den Spitznamen "Mr. 10 Prozent" verpasst bekam, weil er im Gegenzug für die Vermittlung von Staatsaufträgen die Hand aufgehalten haben soll. "Jeder weiß doch, was Zardari damals gemacht hat, als sie an der Regierung war", erklärt Jan Khan, ein Wachmann aus Islamabad. Bhuttos Versprechungen seien "einfach nur Slogans, und wir wissen nicht, ob sie jemals erfüllt werden."

Stephen Graham/AP
 
 
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