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26. September 2008, 08:43 Uhr

Wer kritisiert, der fliegt

Als Hugo Chavez zum Präsidenten von Venezuela gewählt wurde, hatte er versprochen, mit der 40 Jahre währenden Günstlingswirtschaft aufzuräumen. Heute umgibt er sich selbst nur noch mit ihm Wohlgesinnten. Wer das kritisiert, wie nun Human Rights Watch, wird des Landes verwiesen. Von Toni Keppeler

Die politischen Methoden von Venezuelas Präsident Hugo Chavez sind bei einer Studie von Human Rights Watch kritisiert worden© Denis Sinyakov/Reuters

Jose Manuel Vivanco weiß, dass ihn so manche Regierung überhaupt nicht schätzt. Aber so etwas wie Ende vergangener Woche ist ihm noch nicht passiert: Als der chilenische Lateinamerika-Chef der angesehenen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zusammen mit seinem Stellvertreter, dem US-Amerikaner Daniel Wilkinson, abends zurück in sein Hotel in Venezuelas Hauptstadt Caracas kam, warteten dort zwanzig bewaffnete Männer in militärischen Uniformen auf ihn. Sie sagten, sie wären in den Zimmern der beiden gewesen und hätten schon einmal für sie gepackt. Sie nahmen ihnen die Handys ab, so dass sie weder ihre Botschaften noch die internationale Presse informieren konnten. Dann wurden Vivanco und Wilkinson auf den Flughafen gefahren und in ein Flugzeug nach Brasilien gesetzt.

Am Tag zuvor hatte Human Rights Watch eine 270 Seiten starke Studie der Öffentlichkeit präsentiert. Sie trägt den Titel: "Ein Jahrzehnt Chavez - Politische Intoleranz und vergebene Chancen für die Verbesserung der Menschenrechtssituation in Venezuela". Das Buch ist kein Wut schäumendes Pamphlet gegen den Präsidenten, sondern eine akribische Untersuchung, an deren Ende Hugo Chavez nicht eben als lupenreiner Demokrat da steht. Im Vergleich mit den Kraftsprüchen von Chavez, der seine politischen Gegner alles nennt, vom Speichellecker über den Arschkriecher bis hin zum Mörder, hat Human Rights Watch seinen Report geradezu mit Samthandschuhen geschrieben. Doch der großmäulige Präsident teilt zwar gerne aus. Einstecken aber kann er nicht.

Zehn der höchsten Richter sympathisierten mit Chavez

Human Rights Watch ist ganz bestimmt kein rechter Stoßtrupp, der nur einen neosozialistischen Präsidenten madig machen will. Die in 70 Ländern vertretene Organisation geht in Lateinamerika vor allem mit dem rechten kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe hart ins Gericht und hat auch dessen Förderer George W. Bush in Washington nie geschont. Für Chavez in seinen ersten Präsidentenjahren hat sie gar lobende Worte übrig. Der Mann, der als Militär 1992 einen gescheiterten Putsch angeführt hatte und sechs Jahre später ganz demokratisch zum Staatschef gewählt worden war, habe seinem Land nach nur einem Jahr an der Macht eine für lateinamerikanische Verhältnisse vorbildliche Verfassung gegeben. Das bis dahin korrupte Justizsystem sei reformiert, der Oberste Gerichtshof ausgewogen besetzt worden: Zehn der höchsten Richter sympathisierten mit Chavez, zehn mit der Opposition.

Doch dann kam im April 2002 ein Staatsstreich. Ein Teil der Armee rebellierte, nahm Chavez gefangen und setzte ihn ab. Die alte Wirtschaftselite des Landes rief einen neuen Präsidenten aus. Die Regierung in Washington klatschte schon Beifall, da kam Chavez nach 40 Stunden mit Hilfe des anderen Teils der Armee zurück ins Amt. Seither denkt der Präsident nur noch im Freund-Feind-Schema: Wer nicht für ihn ist, der ist sein Gegner und Teil einer von Washington gesteuerten Verschwörung. Es geht Chavez nicht mehr um mehr Demokratie wagen, sondern nur noch um die Sicherung und den Ausbau der eigenen Macht. Dafür, sagt Human Rights Watch, habe er "systematisch alle Kontrollmechanismen abgeschafft, die seine eigene Verfassung vorschreibt".

Eine von der Regierung unabhängige Rechtssprechung gibt es im Venezuela von heute nicht mehr. Im Obersten Gerichtshof sitzen nur noch Günstlinge des Präsidenten, in tieferen Instanzen wurden mehr als 400 Richter entlassen. Die neu eingestellten haben ihr Amt nur vorläufig inne. Fällen sie missliebige Urteile, können sie von einem Tag auf den anderen nach Hause geschickt werden. Unabhängige Gewerkschaften werden von der Regierung mit neugeschaffenen und Chavez wohl gesonnenen Kooperativen und Genossenschaften ausgehebelt. Nach einem zwei Monate dauernden Streik im staatlichen Ölkonzern PDVSA Ende 2002 wurde die Hälfte der Belegschaft einfach entlassen.

Die Namen der Streikenden wurden auf Schwarzen Listen verbreitet, damit sie auch in Zukunft keine Arbeit mehr fänden. Im Mai 2007 ging es dem Fernsehsender RCTV an den Kragen. Unter dem fadenscheinigen Vorwand, man brauche die Frequenz für einen Regierungskanal, wurde RCTV die Lizenz nicht verlängert. Sicher: Der Sender hatte sich nicht seriösem Journalismus verschrieben, sondern der platten Propaganda der Opposition. Aber eine demokratische Regierung muss auch das ertragen können.

Doch Chavez ist, was Kritik an ihm und seinem Regierungsstil angeht, ein cholerisches Sensibelchen. Egal, ob ihn die Opposition mit Holzhammermethoden angreift oder ob ihn Menschenrechtsanwälte mit feiner Feder kritisieren - er reagiert immer gleich. Kritiker zu Hause lässt er gerne mit absurden Gerichtsverfahren überziehen. Ausländer schmeißt er einfach raus. Damit beweist er nur, dass die Studie von Human Rights Watch recht hat: Es geht um politische Intoleranz in Venezuela.

Von Toni Keppeler
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
verdad (28.09.2008, 23:21 Uhr)
der volk hat wieder gewonnen
ole, ole, ole, ole die wahre Demokratie hat wieder in Ecuador gewonnen der Volk hat wieder gewählt und die neue Konstitution von Rafael Correa mit der 80 Prozent von Wahler gewonnen etsch!
verdad (28.09.2008, 20:45 Uhr)
was vergessen
wollte ich schreiben: ich mochte am nächstes über diese Verbrecher lesen
verdad (28.09.2008, 20:43 Uhr)
freunden von busch
ich mochte am nächstes über alvaro uribe die so viele Leute und Stämmen verschwunden lassen hat und über alan garcia aus peru die auch durch seine Regierung viele bauern gestorben haben und das Wasser und die Länder von viele Stämmen an die große ausländische konserne verkauft oder verkaufen will wo er persönlich eine Provision bekommt
verdad (27.09.2008, 23:55 Uhr)
respektlosigkeit
Jose Manuel Vivanco ist nur eine Diener von der USA, das hat selbst die Presidentin von Chile anerkannt, er hat in diese presse Konferenz fiele lüge verbreitet hat und die Verfassung und unsere Regierung verletz hat wie ich sagte unsere Politik ist anderes als die europer und usa ihr sollen uns endlich unsere ding in ruhe machen lassen wir wollen mit euch nicht weiter runter gehen wie wir immer gemacht haben, und sowieso interessiert uns nicht was ihr da sagt wir erlauben keine egoistisch Einmischungen mehr wir werden selbst unsere Differenzen regeln und so weiter starke gewinnen und genau das macht euch angst ich freue mich auf unsere Zukunft da sind wir endlich frei von eure macht
chapultepec (26.09.2008, 20:59 Uhr)
a remarkable capacity
meine Rede. Genau deswegen ist Uribe für die etablierten Medien unsichtbar obwohl er soviele Menschen jährlich umbringen lässt wie die argentinische Junta während ihrer Diktatur.
Ich frage mich wie die dt. Regierung wohl reagieren würde, wenn es sich herausstellen würde, dass Rußland, China oder Iran Gruppen finanzieren würde, die bereits versucht hätten (und beinah geschafft), die deutsche demokratisch gewählte Regierung zu stürzen
Da wäre der dritte Weltkrieg bereits ausgebrochen
"The nationalist not only does not disapprove of atrocities committed by his own side, but he has a remarkable capacity for not even hearing about them" George Orwel, Notes on Nationalism
nightmare_online (26.09.2008, 17:03 Uhr)
Und da sieht mal mal wieder ...
das Linke, selbst unter Druck, und bei ständiger Bedrohung durch den mächtigen Nachbarn im Norden, sich doch anders verhalten als Rechte.
Die fangen nicht einfach mal so einen Krieg an, oder errichten Lager wo sie Leute foltern und so weiter. Apropos Lager: Der ausgewiesene HRW-Mann müsste doch auch für Guantanamo zuständig sein. Hat er das eigentlich ne Einreisegenehmigung? wohl eher nicht. Nachher stört er noch jemand beim Foltern. Ach nee, das heisst ja gar nicht Foltern, wenn die USA das machen. So ist da eben: Sobald die Rechten beteiligt sind, gibts Krieg und Folter. Sind Linke in der Regierung, wird ein Mann ausgewiesen.
Gisella (26.09.2008, 14:59 Uhr)
was sonst
vegefranz??? Kriegsverbrecher? Sie diktieren doch dem Volke-"auf gehts in den Krieg"-oder wie oder was??? Im übrigen stehen die USA auch auf dieser"Watchliste"-regarding Human Rights Violations.
vegefranz (26.09.2008, 14:48 Uhr)
Abitur auf gesamtschule??
Kind, überlegt doch noch mal bitte, was ein Diktator ist?
520i (26.09.2008, 14:38 Uhr)
Vergleiche
Mal vergleichen, was hier mit Systemkritikern passiert. Nicht nur die Regierung haut drauf, die Milliardärspresse ebenso.
Wo ist der Unterschied? Achja, richtig. Chavez ist Sozialist, da muss ja gebasht werden. Gell, liebe Familie Mohn / Bertelsmann?
Gisella (26.09.2008, 14:22 Uhr)
@once known
diskutiere endlich über die Artikel und kritisiere nicht immer andere Beiträge. Auch Bush und seine Konsorten sind Diktatoren und haben unzählige Menschen auf dem Gewissen -getötet durch unnötige Kriege und Folter. Aber eines ist sicher, das Öl vom Chavez nehmen sie in Washington dankend an-schon mal gehört, dass Chavez billig Öl an notleidende US Bürger abgibt- vielleicht Propaganda, aber was soll es. So , und jetzt kannste wieder über mich herfallen.MFG
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