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16. Dezember 2006, 09:51 Uhr

Florida setzt Todesstrafe aus

34 qualvolle Minuten lang rang Angel Nieves Diaz mit dem Tod, nachdem man ihm die Giftspritze gesetzt hatte. Nun zieht Floridas Gouverneur Jeb Bush die Konsequenzen aus der verpfuschten Hinrichtung: Er setzt im gesamten US-Bundesstaat die Todesstrafe aus.

Angehörige trauern nach der Hinrichtung um den verurteilten Mörder Angel Nieves Diaz© Phil Sandlin/AP

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, hat wegen einer schweren Panne bei einer Hinrichtung die Vollstreckung aller Todesstrafen für die kommenden Monate ausgesetzt. Es drohe sonst die Verletzung der Verfassungsrechte, sagte der Bruder des Präsidenten, George W. Bush, laut dem Sender MSNBC am Freitagabend (Ortszeit) in Miami. Eine Menschenrechtsorganisation reichte überdies umgehend Klage beim Obersten Gerichtshof Floridas ein.

34 Minuten Todeskampf

Mit einer Giftspritze war am Mittwoch der 55-jährige Angel Nieves Diaz hingerichtet worden, der erst nach sichtlich qualvollen 34 Minuten gestorben war. Die Injektionsnadeln seien falsch gesetzt wurden. Der 55-Jährige erhielt am Mittwoch daher eine zweite Dosis der tödlichen Chemikalien. Diaz war vor 27 Jahren zum Tode verurteilt worden. Er hatte eine Barangestellte ermordet.

In der Regel dauern Hinrichtungen mit der Giftspritze in Florida weniger als 15 Minuten, der Häftling wird nach drei bis fünf Minuten bewusstlos. Diaz bewegte sich aber offenbar nach 24 Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen. Nach Angaben des ärztlichen Leichenbeschauers durchstießen die Injektionsnadeln seine Venen, statt die tödlichen Stoffe in die Blutbahn weiterzuleiten. An beiden Armen habe Diaz dadurch rund 30 Zentimeter lange chemische Verbrennungen erlitten, sagte William Hamilton. Ob Diaz starke Schmerzen erlitten habe, wollte Hamilton nicht sagen. Dazu werde er sich erst äußern, wenn die Autopsie beendet sei, sagte der Mediziner.

Bislang lägen erst vorläufige Ergebnisse vor, weitere Tests könnten noch mehrere Wochen dauern. Gouverneur Bush erklärte, es werde vorerst keine Hinrichtungen mehr geben, bis eine von ihm nach Diaz' Tod eingesetzte Kommission zur Verwendung der Giftspritze am 1. März ihren Abschlussbericht vorgelegt habe.

Kalifornischer Richter stoppt Giftspritzen

In Florida sitzen 374 Häftlinge in der Todeszelle, in diesem Jahr wurden vier Hinrichtungen vollzogen. Im Jahr 2000 hatte der Staat die Giftspritze eingeführt. Die Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl wurden damals gestoppt, nachdem zwei Todeskandidaten bei der Hinrichtung Feuer gefangen hatten. In den vergangenen Jahren wurden 20 Verurteilte mit der Giftspritze getötet.

In Kalifornien entschied ein Bundesrichter am Freitag, die dort verwendete Giftspritze sei möglicherweise verfassungswidrig. Die Verfassung verbiete grausame und außergewöhnliche Bestrafungen, so Richter Jeremy Fogel in San Jose. Fogel verhängte zugleich ein Moratorium für Hinrichtungen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
peter.zoe (16.12.2006, 20:50 Uhr)
Was für ein Armutszeugnis..........
......die modernste Nation der Welt, selbsternannte Retter der Welt, tötet Menschen!
Frohe Weihnachten, America.
Repsol (16.12.2006, 18:48 Uhr)
Ist das gerecht?
Nach 27 Jahren Gefängniss !!! wird das Urteil erst vollstreckt, das muss man sich mal vorstellen.
Bei uns in Deutschland bekommt für einen Doppelmord nur 5 Jahre und 6 Monate. Was ist bei uns eigentlich ein Menschenleben wert???
Kathrein (16.12.2006, 16:04 Uhr)
Todesstrafe wird ausgesetzt.
Zu diesem Tatsachenbericht fällt einem nun wirklich nichts mehr ein. Schlimmer wie im Krimi. An beiden Armen 30 cm lange chemische Verbrennungen, das müssen doch tierische Schmerzen gewesen sein. Man kann nur hoffen, dass die Klage der Menschenrechtsorganisation nicht im Sande verläuft. Wenn schon in Amerika die Todesstrafe nicht abgeschafft wird, dann nicht auch noch derart brutale Pannen. Jeder Mensch, auch ein zum Tode verurteilter Schwerverbrecher hat das Recht auf ein menschenwürdiges Ende seines Lebens. Ich war, bin und werde immer gegen die Todesstrafe sein.
 
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