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Paris-Attentäter spielte Xylofon auf der Bühne des Bataclan

Wie raffiniert und zynisch die Pariser Attentäter bei den Anschlägen vorgingen, belegt ein Bericht des französischen Innenministeriums. Von der Auswahl der Ziele bis zur technischen Ausstattung überließen sie nichts dem Zufall.

Bataclan Bühne

Das Bataclan in Paris: Neue Einzelheiten über die Anschläge kommen ans Licht

Salah Abdeslam ist der einzige überlebende Attentäter der Anschläge von Paris im November 2015. Er wurde am Freitag nach monatelanger Fahndung festgenommen und befindet sich in einem Hochsicherheitsgefängnis bei Brüssel in Haft. Wie sein Anwalt mitteilen lässt, will sich Abdeslam gegen eine Auslieferung nach Frankreich wehren. Unterdessen werden neue Details über Planung und Abläufe der Anschläge in der französischen Hauptstadt bekannt.

Ein 55-seitiger Bericht des französischen Innenministeriums , der der "New York Times" vorliegt, belegt die kühle Planung und den Zynismus der Attentäter. "Trefft jeden und alles" – so zitiert der Bericht den Terroristen Boubacar a-Hakim, einen Drahtzieher unter den französischen Dschihadisten. Jeden und alles – und eben nicht mehr nur symbolische Ziele wie das jüdische Museum in Brüssel. Die Anschläge von Paris seien die erste Reaktion auf diese unmissverständliche Aufforderung gewesen.

Paris-Attentäter mit "sadistischem Lachen"

Im Bataclan hätten die Attentäter demnach wahllos um sich geschossen, auch auf am Boden liegende Opfer. Zwischendurch habe einer der Attentäter auf der Bühne gestanden und mit einem "sadistischen Lachen" Xylofon gespielt, berichten Augenzeugen. Dabei soll es sich um Samy Amimour, einen früheren Busfahrer, handeln.

Ibrahim Abdeslam, Salahs Bruder, habe sich dagegen noch mit einem Lächeln bei den Gästen im Bistro "Comptaire Voltaire" entschuldigt, bevor er sich mitten im Lokal in die Luft sprengte. Wie Ermittler später feststellten, handelte es sich bei den Sprengstoffrückständen seiner Bombe um Triacetontriperoxid (TATP), ein hochexplosives Gemisch aus Schwefelsäure, Wasserstoffperoxid und dem Lösungsmittel Aceton. Leicht zu kaufende Komponenten, die in Abflussreinigern oder Nagellackentfernern enthalten sind. Nach Erkenntnissen der Ermittler würden IS-Terroristen seit Ende 2013 mit TATP-Bomben trainiert. In Paris wurde dieser Sprengstoff an allen Tatorten verwendet.

Im Bataclan hätten die Täter zudem versucht, mit den Handys ihrer Geiseln ins Internet zu kommen – was ihnen allerdings kaum gelungen sein soll. Auch die Polizei hätten sie mit den Handys kontaktieren wollen. Einer der Terroristen im Bataclan habe nach Angaben einer 40-jährigen Überlebenden einen Laptop dabei gehabt, auf dessen Display ungewöhnliche Linien und Zeichen zu erkennen gewesen seien – ein möglicher Hinweis auf eine Verschlüsselungssoftware, die der IS für die Anschläge verwendet haben will.

Weiterer Komplize der Täter in Belgien gefasst

Derweil ist ein weiterer Komplize der Attentäter nach Angaben der belgischen Ermittler identifiziert worden. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag in Brüssel mitteilte, handelt es sich um den 24-jährigen Najim Laachraoui, der bisher unter dem falschen Namen Soufiane Kayal bekannt gewesen sei. Unter dem Namen Kayal war ein Haus in Auvelais bei Namur im Süden Belgiens angemietet worden, das zur Vorbereitung der Anschläge vom 13. November diente.

Die Fingerabdrücke des weiterhin flüchtigen Laachraoui seien in dem Haus in Auvelais sowie in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek gefunden worden, die auch von der Zelle benutzt wurde, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es zudem, an Sprengstoffen, die bei den Pariser Attentaten eingesetzt worden seien, seien DNA-Spuren Laachraouis gefunden worden.

tim
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