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13. Juli 2008, 18:55 Uhr

Mittelmeer-Gipfel voller Erfolg für Sarkozy

Die Bundeskanzlerin sprach von einem sehr guten Start, der Gastgeber strahlte übers ganze Gesicht und am Ende klappte es auch mit der Abschlusserklärung - der Gründungsgipfel der Mittelmeerunion ist für Frankreichs Staatschef und EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy zur Erfolgsstory geworden.

Gut gelaunter Gastgeber: Nicolas Sarkozy scherzt auf dem Pariser Mittelmeer-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel© Luca Dolega/EPA

Großer Erfolg für den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy: Schon an ihrem Gründungstag hat die Mittelmeerunion Schwung in den Nahost-Friedensprozess gebracht und der Zusammenarbeit der EU mit ihren südlichen Anrainern eine neue Dynamik gegeben. "Es war ein sehr guter Start", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Gründungsgipfel am Sonntag in Paris.

Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs aus Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten setzten sich dort auf Einladung des amtierenden EU-Ratspräsidenten Sarkozy an einen Tisch. Nach vierstündiger Debatte verabschiedeten sie einstimmig eine Abschlusserklärung, in der sie sich zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten bekennen, sich hinter die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen stellen und zu einer atomwaffenfreien Zone in Nahost aufrufen. "Dies ist ein sehr bewegender Moment, jetzt ist die Mittelmeerunion Realität", sagte Gastgeber und Initiator Sarkozy nicht ohne Stolz.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dankte Sarkozy für seinen Mut und seine große Entschlossenheit, trotz großer Kritik für sein Projekt gekämpft zu haben. "Dank Frankreich ist das Mittelmeer wieder im Herzen der europäischen Interessen."

Olmert: Unvergleichlicher Moment

Nur Libyen boykottierte den Gipfel. Die Tür für Staatschef Muammar Gaddafi bleibe aber offen, sagte Merkel. Die Mittelmeerunion führe zu einer neuen Stufe der Zusammenarbeit und gebe dem 1995 gegründeten Barcelona-Prozess eine ganz neue Dynamik. Die EU könne helfen, über eine bessere wirtschaftliche Entwicklung zu politischen Fortschritten beizutragen. 13 Milliarden Euro stünden für Strukturmaßnahmen zur Verfügung. Als erste Projekte wurden in Paris unter anderen die Säuberung des Mittelmeers bis 2020, neue Straßen in Nordafrika und Schifffahrtswege sowie der Aufbau von Solaranlagen in den Anrainerstaaten angestoßen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wertete den Gipfel als "einzigartige Gelegenheit" für die Beförderung des Friedensprozesses. Nach einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas sagte er: "Ich glaube, dass wir einer Einigung noch nie so nahe waren wie heute." Zur Mittelmeerunion sagte er: "Ich erinnere mich an keinen vergleichbaren Moment in den vergangenen Jahren, an dem sich so viele Länder in einem Verhandlungssaal versammelt haben, die arabischen Staaten zusammen mit der israelischen Führung."

Merkel trifft Assad zum ersten Mal

Bereits am Vorabend hatten Syrien und der Libanon einen großen Schritt zur Normalisierung ihrer Beziehungen gemacht. Nach einem Treffen des libanesischen Präsidenten Michel Suleiman und des syrischen Staatschefs Baschar Assad kündigte Sarkozy an, die beiden Nachbarstaaten wollten Botschafter austauschen - zum ersten Mal, seit sie in den 40er Jahren ihre Unabhängigkeit erlangten. Nun müssten den Erklärungen Assads Taten folgen, forderte Merkel. Sie traf sich in Paris zum ersten Mal mit dem syrischen Präsidenten zu einem bilateralen Gespräch. Auch mit Suleiman und Abbas sprach die Kanzlerin.

Die Mittelmeerunion wird von einer Doppelpräsidentschaft gelenkt, der jeweils mindestens ein Vertreter der EU und ein Vertreter der nichteuropäischen Länder angehören. Zunächst führen Sarkozy und der ägyptischen Präsident Husni Mubarak die Union. Über den Sitz des Leitungssekretariats sowie die Besetzung wichtiger Posten soll bis zum November entschieden werden.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Sarkozy vor, die Mittelmeerunion zur Förderung von Frankreichs Atomindustrie zu missbrauchen. Aus Protest dagegen befestigten Greenpeace-Aktivisten ein riesiges Atom-Symbol am Eiffelturm - genau in der Mitte der zwölf gelben EU-Sterne, die dort seit Beginn der französischen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli hängen.

AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
KunibertHurtig (14.07.2008, 09:07 Uhr)
Konstitution eines neuen Europa ...
? Ja! Erinnern wir uns, Rumsfeld sagte wir seien das „Alte Europa“, als wir, die Europäer (abgesehen von den Insulanern), den Krieg gegen den irakisch –terroristischen Feind mit Skepsis gegenübertraten und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (heute Gazprom) die Zweifel artikulierte.
Das amerikanische Fiasko in der Wiege der abendländischer Kultur, das über hunderttausend Menschen das Leben kostete, weil amerikanische Zauberbomben unterschiedslos unschuldige Zivilisten und aufsässige Terroristen (?) denaturierten, ist inzwischen augenscheinlich.
Die „Hilfe“, die amerikanischer Unternehmen wie „Blackwater“ dem irakischen Volk angedeihen ließen und lassen, geriert sich bei näherer Betrachtung als die Aktivität hemmungsloser Killer, gewinnsüchtiger Semikrimineller und konzeptloser „Weltpolitik“ zur Sicherung amerikanischen Öldurstes. Wir könnten noch weiter schreiben über die Folgen amerikanischen Hegemonialstrebens, aber das ist in dieser Zeitschrift zur Übersättigung schon dargestellt worden.
Doch jetzt haben sich Schleusen geöffnet, die europäische oder französische Geheimdiplomatie aufgestoßen haben. Syrien und der Libanon sitzen an einem Tisch und denken über eine Sinn gebende Zukunft nach. Israel erwägt diplomatische Beziehung zum Erzfeind Syrien. Ist das die Abendsonne amerikanischer Weltpolitik, deren Schattenwurf das „gelobte Land“ in Finsternis zu tauchen droht? Der Mittelmeerraum als atomwaffenfreie Zone lässt keinen Raum für die Drohgebärden kleiner Staaten, deren wirtschaftliche Kraft zum Selbsterhalt nicht ausreicht.
Seit dem 13.07.2008 sind ALLE Machtkalküle republikanischer Ölinteressen obsolet. Amerikanische Ölsäufer sehen sich nunmehr konfrontiert mit den Sonnenanbetern des „Alten Europas“, die in der Sahara ihre Wasserstofftempel in FRIEDEN und zukünftigem Wohlstand der Mittelmeeranrainer errichten werden.
Der französische Präsident Sarkozy hat in vorausschauendem Kalkül und sicher in Abstimmung mit den europäischen Partnern den libyschen Beduinen Gaddafi als Staatsgast empfangen, was von grenzdebilen Postatlantikern als Kniefall vor einem diktatorischen Ölpotentaten gegeißelt wurde, sich aber in der aktuellen Situation als genialer Schachzug erweist und die Kritiker ad absurdum führt.
Am potemkinschen Dollartempeldauer weichen damit die Fundamente auf, wie der Boden, auf dem New Orleans noch steht, aber stetig versinkt. Keine Versicherung wird den Untergang aufhalten! Konsequenterweise sollte der Ölpreis sich auf Hektoliter beziehen, da Barrel zukünftig als veraltetes Maß anzusehen ist.
Ägypten als Kontrolleur des Suezkanals und Algerien/Marokko sowie Europa als Kontrolleure der Straße von Gibraltar verfügen über exponierte Stellungen im mediterranen Seehandel. Das bedeutet für die Zukunft, dass transatlantische Marineoperationen der Erlaubnis der MU (Mediteranian Union) bedürfen, was hegemoniales Streben sinnvoll einschränkt.
Ob unter diesem Blickwinkel ein Angriff auf den angeblich atomwaffenbewehrten Iran möglich/sinnvoll sein kann, sei angezweifelt. Summa summarum sei postuliert: Das „alte Europa“ und seine neuen Freunde gehen einer Zukunft entgegen, die Öl nur noch für die chemische Produkte benötigt und unter diesen Bedingungen ist ein Ölpreis von 100€/Hektoliter sicher angemessen und wird dann noch 10.00 Jahre halten... nur im HUMMER verbrennen sollten wir es nicht mehr, meinen...
Kuni und aikz
Countryjoe (14.07.2008, 08:20 Uhr)
Demokratie?
Wieder einmal wurde in einem gerade einmal pseudodemokratischen Verfahren massiv in das Selbstbestimmungsrecht der europäischen Völker eingegriffen und die Überfremdung einen entscheidenden Schritt voran gebracht. Man fragt sich, welche (persönlichen) Vorteile sich die Eurokraten davon versprechen.
salonikki (14.07.2008, 08:08 Uhr)
Talk Show
Keine Aufregung! Dieses Treffen wird wie alle vorherigen ausgehen wie das Hornberger Schiessen. Unter den Beteiligten gibt es, mit geringen Ausnahmen, so gut wie keine Affinitaet, und wenn es ans Zahlen geht wird keiner mehr dabei sein. Die"Annaeherung" von Syrien und Israel ist das Ergebnis von monatelanger Vermittlungstaetigkeit der Tuerkei, und der neue Club Med hat dazu zilch beigetragen.
manesse (13.07.2008, 23:45 Uhr)
@Gazda
Was schreiben Sie denn da? Der Beck war doch gar nicht auf dem Gipfel!
Gazda (13.07.2008, 21:40 Uhr)
War doch schon immer so.
Wer in der Innenpolitik nicht mehr glänzen kann, weil man (Frau) rat und planlos ist, versucht in der Außenpolitik zu glänzen.
BerndHH (13.07.2008, 21:31 Uhr)
Wer ist Merkel ? Die Konfliktdame?
Frau Merkel kann nur solange zufrieden sein, wie es einen Nahostkonflikt gibt.
Ich kann mich nicht erinnern, dass diese Dame sich für Frieden zugunsten aller Nahostländer eingesetzt hat. Und wie sie auf die Idee kommt von Syrien "Taten" zu fordern, bleibt mir ein Rätsel. Ausgerechnet diese zweifelhafte Person ...
davidherzig (13.07.2008, 20:22 Uhr)
sarkozy: verräter der französischen ideale!
jetzt hat der sarkozy es geschafft: er schliesst sich mit staaten zusammen, die von despoten regiert werden (bsp. ägypten, syrien), das islamische scharia-recht über die gleichberechtigung und frauenrechte stellen (bsp. marokko)oder schlicht kriegsgebiete sind (israel/palästina).
nachdem die eu de facto in der sackgasse ist, will man mit der mittelmeerunion ein neues gebilde schaffen, dass zum untergang verdammt ist. jedenfalls kann man wieder munter geld verlochen....
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