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10. Februar 2009, 06:30 Uhr

Livni siegt - Netanjahu will regieren

Knapper geht es kaum: Die Regierungspartei Kadima hat die Wahlen in Israel mit einem Sitz Vorsprung gewonnen. Doch wer regieren wird, ist offen - denn neben Kadima-Chefin Zipi Livni sieht sich auch Oppositionsführer Benjamin Netanjahu als Sieger. Für eine Mehrheit braucht er die Unterstützung der rechten Parteien, und die sind nicht abgeneigt.

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Mit einem Sitz vorn: Die Kadima-Partei von Außenministerin Zipi Livni© Uriel Sinai/AP

Aus den israelischen Parlamentswahlen ist die Regierungspartei Kadima von Außenministerin Zipi Livni nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit nur einem Sitz Vorsprung als stärkste Kraft hervorgegangen. Dennoch kann Oppositionsführer Benjamin Netanjahu nach einem Rechtsruck eine Regierungskoalition aus sechs Parteien mit einer Mehrheit von 65 der 120 Abgeordnetenmandate bilden. Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen lag Livnis Kadima-Partei am Mittwochmorgen mit 28 Sitzen vor dem rechtsorientierten Likud Netanjahus, auf den 27 Sitze entfielen. Im Vergleich zur Wahl vom März 2006 verschlechterte sich die Kadima um ein Mandat, während der Likud 15 hinzugewann.

Präsident Schimon Peres wird nach Vorlage des amtlichen Endergebnisses in acht Tagen entweder Livni oder Netanjahu mit der Regierungsbildung beauftragen. Beide Parteivorsitzenden erhoben nach dem knappen Ausgang Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten. Vor Verkündung des Endergebnisses müssen noch die Stimmen der israelischen Soldaten sowie von Diplomaten und Seeleuten im Ausland ausgezählt werden.

Das Zünglein an der Waage

Mitentscheidend, ob Livni oder Netanjahu eine Regierungskoalition bilden können, ist jetzt vor allem das Verhalten des Vorsitzenden der ultra-nationalen Einwandererpartei Israel Beitenu (Israel Unser Haus), Avigdor Lieberman. Die Partei gewann 15 Sitze. "Wir haben den Schlüssel zur nächsten Regierung in der Hand", sagte Lieberman. Er kündigte am Morgen nach der Wahl an, dass seine Partei Beratungen darüber aufnehmen wolle, welchen Kandidaten sie dem Staatspräsidenten zur Regierungsbildung empfehlen sollen.

Liebermann, der eine rechte Regierung bevorzugt, macht den Beitritt seiner Partei zu einer Regierungskoalition vom Sturz der radikal-islamischen Hamas-Organisation im Gazastreifen abhängig. Es werde mit seiner Partei weder eine Waffenruhe noch direkte oder indirekte Gespräche mit der Hamas geben, sagte Lieberman. "Es ist wahr, dass Zipi Livni überraschend gewonnen hat, aber wichtiger ist, dass das rechte Lager eine klare Mehrheit gewonnen hat", sagte Lieberman.

Schas-Partei will Netanjahu unterstützen

Oppositionsführer Netanjahu begründete seinen Machtanspruch mit den starken Zugewinnen seines Likuds und des rechten Lagers. "Das sendet die klare Botschaft, dass das Land einen Wandel will", sagte der 59-Jährige auf der Wahlparty des Likud in Tel Aviv. "Mit Gottes Hilfe werde ich die nächste Regierung führen... Das Land will einen Wechsel und einen anderen Weg unter Führung des Likud einschlagen. Unser Weg hat gewonnen und wir werden das Land führen", sagte Netanjahu in einer Art Siegesrede.

Einen Partner hat Nentanjahu bereits sicher: Die strengreligiöse Schas-Partei hat am Mittwoch ihre Unterstützung für den Likud-Vorsitzenden Benjamin Netanjahu bei einer möglichen Regierungsbildung bekräftigt. Der israelische Rundfunk meldete, der Schas-Vorsitzende Eli Jischai wolle sich gegen Mittag bereits zu Gesprächen mit Netanjahu treffen.

Dagegen sagte Livni vor jubelnden Anhängern in Tel Aviv, die Menschen hätten sich für die Kadima entschieden. Sie forderte Netanjahu auf, einer Regierung der nationalen Einheit unter ihrer Führung beizutreten. "Alles, was wir jetzt tun müssen, ist die richtige Sache; die Entscheidung der israelischen Bürger zu respektieren und einer Regierung der nationalen Einheit unter unserer Führung beizutreten", sagte Livni an die Adresse Netanjahus.

Arbeitspartei mit großen Verlusten

Größter Verlierer der Wahl ist die Arbeitspartei von Verteidigungsminister Ehud Barak, die bislang der Regierungskoalition angehörte. Sie verliert 6 ihrer bislang 19 Mandate und wird nur noch die viertstärkste Kraft in der Knesset. Die ultra-religiöse Schas-Partei liegt mit 11 Mandaten knapp dahinter.

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat sagte, Israel habe "für einen Zustand der Lähmung gestimmt". Er äußerte sich besorgt, dass die neue israelische Regierung "ungeachtet ihrer Zusammensetzung nicht in der Lage sein wird, den Friedensprozess mit den Palästinensern oder Syrien voranzutreiben".

Hamas: "Terroristen gewählt"

Fausi Barhum von der radikalen Palästinenserorganisation Hamas sagte, der Wahlerfolg von Lieberman, Livni und Netanjahu zeige, "dass die Zionisten die radikalsten Terroristen gewählt haben". "Wir haben es nun mit drei Köpfen zu tun, die für Radikalismus und Terror stehen", sagte Barhum.

Ungeachtet des schlechten Wetters mit Regen und Orkanböen lag die Wahlbeteiligung nach Angaben des Wahlkomitees bei 65,2 Prozent der rund fünf Millionen Wahlberechtigten. Dies war etwas mehr als bei der Wahl vor drei Jahren, als 63,5 Prozent an die Urnen gingen.

Es waren die 18. Parlamentswahlen in der gut 60-jährigen Geschichte des Staates Israel und die fünften binnen eines Jahrzehnts. Zur Auswahl standen 33 Listen, nachdem eine kleine Fraktion in letzter Minute ausgeschieden war. Die israelischen Wähler mussten ein Jahr vorzeitig an die Urnen, weil die Regierungskoalition im Zuge der polizeilichen Ermittlungen gegen den scheidenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert wegen Korruptionsverdachts auseinandergebrochen war.

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
AtticusFinch (11.02.2009, 13:11 Uhr)
Dieter37
Ich glaube Sie haben sehr wenig kapiert. Das die Hamas die Auslöschung Israel will ist mir durchaus klar. Ist Ihnen denn klar, woher dieser Hass kommt. Ist Ihnen bewusst, dass die Palästinenser kein Mitspracherecht haben, sytematisch diskriminert werden und unter ständiger Furcht vor Übergriffen vereinzelter, gelangweilter Israelis leben müssen. Sowohl die Mehrzahl der Palästinenser als auch der Israelis will Frieden, doch der kann nicht durch Dominaz oder Auslöschung erreicht werden. Sobald die Palästinenser einen eigenen, souveränen Staat haben und Israel statt Waffengewalt zum Dialog aufruft, findet sich für die Forderungen der Hamas auch keine Mehrheit in der Bevölkerung mehr. Die Schuld am derzeitigen Zustand kann man nicht auf eine Seite schieben.
Dieter37 (11.02.2009, 12:52 Uhr)
@ AtticusFinch (11.2.2009, 10:31 Uhr)
- haben sie noch immer nicht kapiert, dass die Hamas keinen Frieden will ?
Den Islamisten geht es um die völlige Vernichtung Israels - und nur darum !
Daraus machen die ja nicht einmal ein Geheimnis ! Ich möchte mal Ihre Reaktion sehen, wenn Israel oder ein anderer Staat die Vernichtung von islamischen Staaten anstreben würde. Anlässe für solche Hassreaktionen haben die Islamisten bisher ja genügend geliefert !
Prato61 (11.02.2009, 12:18 Uhr)
@Mensch.Student
Tut mir leid, aber ich kann die gebetsmühlenartigen Phrasen vom gestohlenen/besetzten Land in Palästina nicht mehr hören!!
Mit diesem pseudo-historischem Quark muss endlich Schluss sein.
Es kann kein Israeli was dafür, dass sie auf einem Land leben, dass syrische Großgrundbesitzer hinter dem Rücken ihrer palästinänsischen Kleinpächter, also ihren eigenen Leuten das Land weggenommen haben, um es den Juden zu verschachern. Aber so etwas will heute kein Mensch mehr hören.
Noch etwas: In Osteuropa gibt es große ehemals deutsche Gebiete, die von Tschechen, Polen und Russen unrechtmäßig "gestohlen" wurden und heute noch "besetzt" sind. Dürfen wir nun auch Raketen nach Prag, Warschau oder Polen feuern???
Es nützt niemand, wenn wir immer wieder alte Zustände heraufbeschwören. Fakt ist, es gibt den Staat Israel, er wurde von der UNO anerkannt, also hat er die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Staat.
Ebenfalls Fakt ist: Solange Israel nicht beginnt, die unrechtmäßigen Siedlungen der religiösen Fanatiker auflöst und deren Behausungen den Erdboden gleichzumachen, dürfte es äußerst schwierig sein, Ruhe in diesem Gebiet zu bekommen.
AtticusFinch (11.02.2009, 10:31 Uhr)
Dieter37, Prato61
Gott schütze Israel??? Oh Mann, einseitiger geht es wohl kaum. Wo liegt der Unterschied zwischen Zivilisten, die vereinzelt Raketen auf Siedlungen schießen und Soldaten, die großflächig mit geächteten Waffen zurückfeuern und enorme Kollateralschäden billigend in Kauf nehmen. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit, die Hamas hat aber angefangen. Wir sind hier nicht im Kindergarten. Beides ist nicht hinnehmbar, aber einer muss den ersten Schritt tun, und dazu ist in meinen Augen vorrangig Israel verpflichtet. Bei diesen Wahlergebnissen kann man aber wohl lange darauf warten.
Mensch.Student (11.02.2009, 10:05 Uhr)
@Prato61
Weder lebe ich auf besetzten/gestohlenem Land anderer, noch war ich jemals Mitglied einer Armee die bewusst auf Zivilisten und Kinder schiesst. Von daher wüsste ich auch nicht wie ich mich fühlen würde wenn ein paar Hinterhof-Raketen in meiner nähe landen welche von den Opfern abgeschossen wurden ...
Dieter37 (11.02.2009, 10:03 Uhr)
@Prato61 (11.2.2009, 9:35 Uhr)
- bin völlig Ihrer Meinung !
Bin verärgert, wie viele Antisimiten hier klar zum Ausdruck bringen, dass sie mit den faschistisch geprägten Islamisten konform gehen !
Deshalb noch einmal: GOTT SCHÜTZE ISRAEL !
Prato61 (11.02.2009, 09:35 Uhr)
Teilweise einseitige Kommentare
Leider gehört es scheinbar wieder zum guten Ton, einsitig über das Handeln und Tun der Juden/Israelis herzuziehen.
Es möge die Frage erlaubt sein, wie die zahlreichen Israel-Kritiker reagieren würden, wenn in Ihren Häusern und Gärten die Raketen des Nachbarn einschlagen würden. Bestimmt würden sie ihn freundlich auffordern, dieses zu unterlassen und sollte dem nicht nachgekommen werden, werden sie ihm auch noch die andere Backe hinhalten.
Selbstverständlich haben die Israelis in dieser Angelegenheit große Fehler begangen (z.B. Siedlungspolitik), aber normalerweise muss man jedem Staat das Recht zugestehen, sich selbst zu verteidigen.
Sollten wir nicht beginnen, uns mit den wahren Drahtziehern dieses Krieges zu beschäftigen? Beispielsweise mit dem Volksverhetzer in Teheran. Oder mit diesem Mullah im Libanon?
flyingfree (11.02.2009, 08:54 Uhr)
Pardon
Ich nehme "Terrorist" zurück, und ersetze ihn durch "Rassist", denn das trifft auf Lieberman zu.
flyingfree (11.02.2009, 08:50 Uhr)
Livni hat gewonnen
Das hilft aber nichts, wenn der Extremist Netanjahu, der Terrorist Lieberman und die Ultrarechten die Regierung stellen.
Administrator (11.02.2009, 08:47 Uhr)
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