17. Juni 2012, 19:34 Uhr

Sozialisten holen absolute Mehrheit

Den ersten Hochrechnungen zufolge triumphieren die französischen Sozialisten auch bei der Parlamentswahl. Damit kann Hollande, was Merkel nicht mehr kann: durchregieren.

Bei der Parlamentswahl in Frankreich haben die Sozialisten die absolute Mehrheit erreicht. Laut ersten Hochrechnungen zweier Institute kamen die Sozialisten und ihre engsten Verbündeten nach der Stichwahl am Sonntag auf mindestens 312 Sitze. Die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung liegt bei 289 Sitzen. Der neue sozialistische Präsident Francois Hollande kann sich damit auch auf eine politische Mehrheit im Parlament stützen - und im zentralistisch oragnisierten Frankreich "durchregieren". Diese Möglichkeit hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2009 auch, zumindest kurz - vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen hatten FDP und CDU auch eine Mehrheit im Bundesrat. Die französischen Grünen, die bereits zusammen mit den Sozialisten regieren, können zudem mit 18 bis 24 Sitzen rechnen und haben damit den Fraktionsstatus erreicht. Die Linksfront sehen die Institute bei neun bis elf Sitzen. Die konservative UMP des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy und Verbündete dürften zusammen zwischen 212 und 234 Parlamentarier stellen sowie die rechtsextreme Front National mindestens einen - und zwar für Marion Maréchal-Le Pen die Enkelin des Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen. Die 22-jährige Jurastudentin gewann den südfranzösischen Wahlkreis Carpentras. Sie ist damit seit 14 Jahren die erste Abgeordnete, die für die FN ins Parlament einzieht.

Ségolène Royal durchgefallen

Ségolène Royal (58), einstige sozialistische Präsidentschaftskandidatin und Ex-Partnerin von Präsident François Hollande, hingegen muss sich Sorgen um ihre politische Karriere machen. In ihrem Wahlkreis La Rochelle unterlag die einstige Partei-Ikone nach eigenen Angaben Olivier Falorni, einem ortsansässigen Abweichler aus den eigenen Reihen.

Ihr Ex-Mann Hollande kann nach dem Wahlerfolg am Montag gestärkt zum G20-Gipfel in Mexiko aufbrechen, wo um die Mittel zur Bewältigung der europäischen Schuldenkrise gerungen wird. Hollande will Steuern erhöhen und Staatsausgaben anpassen. In einer Reihe von Euro-Fragen vertritt er andere Ansichten als Bundeskanzlerin Angela Merkel - unter anderem fordert er Eurobonds und ein Wachstumsprogramm.

lk/AFP
 
 
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