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18. Mai 2009, 20:03 Uhr

Schon wieder ein Gandhi

Die Familie Nehru-Gandhi hat in Indien einen ähnlich tragisch-glamourösen Status wie die Kennedys in den USA. Ihre Mitglieder führten Indien in die Unabhängigkeit und standen immer wieder an der Spitze des Landes. Nun tritt wieder ein Gandhi ins Rampenlicht: Rahul.

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Politisches Talent mit großen Ahnen: Rahul Ghandi wirbt in traditioneller Kleidung für die indische Kongresspartei© Ajay Verma/Reuters

Die Parlamentswahlen in Indien haben einen neuen Star am Polit-Himmel auf dem Subkontinent geschaffen. Zum überwältigenden Sieg der Kongresspartei hat der 38-jährige Rahul Gandhi maßgeblich beigetragen. Im fast unerträglich heißen indischen Sommer widmete er all seine Energie dem Wahlkampf für jene Partei, mit der seine Familie seit der Unabhängigkeit des Landes untrennbar verbunden ist. 87.000 Kilometer, so rechnete die "Times of India" aus, soll er kreuz und quer durch die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt gereist sein, um für Stimmen für den Kongress zu werben. Besonders die vielen Millionen jungen Inder sprach der aufstrebende Politiker an, der als künftiger Premierminister-Kandidat seiner Partei gehandelt wird.

Ruhmreiche Ahnen

Sollte der als schüchtern und freundlich geltende Junggeselle eines Tages das Amt des Regierungschefs bekleiden, wäre er das vierte Mitglied der mächtigen Nehru-Gandhi-Dynastie auf dem Posten. Sein Urgroßvater Jawaharlal Nehru war Indiens erster Premierminister nach der Unabhängigkeit 1947. Seine Großmutter Indira Gandhi regierte das Land mit Unterbrechungen, bis sie 1984 einem Anschlag zum Opfer fiel. Rahul Gandhi war 14 Jahre alt, als sie ermordet wurde. Sieben Jahre später wurde sein Vater Rajiv Gandhi bei einem Attentat getötet - auch er hatte zuvor Indien regiert. Rahul Gandhis italienischstämmige Mutter Sonia Gandhi lehnte das Amt des Premierministers zwar ab, führt aber seit 1998 die traditionsreiche Kongresspartei.

Der Nehru-Gandhi-Clan ist nicht mit der Ikone der Unabhängigkeitsbewegung, Mahatma Gandhi, verwandt. Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru standen aber gemeinsam an der Spitze jener Bewegung, die die britische Kolonialmacht zur Freigabe Indiens bewegte.

Das Kabinett winkt

Rahul Gandhi studierte zwischenzeitlich im britischen Cambridge, arbeitete bei einer Consulting-Firma in London und kehrte 2002 in seine Heimat zurück. Zwei Jahre später begann seine politische Karriere. Für seine Hobbys - dazu zählt er Tauchen, Squash, Lesen und Fliegen - dürfte ihm sein politisches Engagement inzwischen wenig Zeit lassen. 2004 gewann Rahul Gandhi erstmals einen Parlamentssitz, er ist einer der Generalsekretäre der Partei und führt außerdem die Jugendorganisation der Kongresspartei. Premierminister Manmohan Singh hat bereits angekündigt, ihn zu bitten, diesmal einen Kabinettsposten zu übernehmen. Es dürfte ein weiterer Schritt auf Rahul Gandhis Weg an die Spitze sein.

Hunderte Kongress-Anhänger feierten am Samstag vor dem Hauptquartier der Partei in Neu Delhi. Kongress-Sprecher Dwivedi sagte: "Es war ein Mandat für UPA-Chefin Sonia Gandhi, für die von Manmohan Singh angeführte UPA-Regierung, und ein Mandat für die Führung von Rahul Gandhi."

Überraschungserfolg der Traditionspartei

Nach ihrem unerwarteten Erdrutschsieg bei der Wahl in Indien rechnet Sonia Gandhis Kongresspartei mit einer schnellen Regierungsbildung in der größten Demokratie der Welt. Die indische Traditionspartei ging am Sonntag davon aus, die wenigen für eine Mehrheit fehlenden Stimmen im Parlament problemlos zu erhalten. Kleinere Parteien signalisierten Unterstützung für eine vom bisherigen und künftigen Premierminister Manmohan Singh geführte Regierung. Kongress-Chefin Sonia Gandhi rief zur Geschlossenheit auf. "Die Wahl liegt nun hinter uns, und die harte Arbeit muss beginnen", sagte sie bei einem Spitzentreffen der Partei.

Mit 206 Sitzen erzielte die Kongresspartei ihr bestes Ergebnis seit fast 20 Jahren. 1991 hatte die Partei 244 der 543 Wahlkreise gewonnen. Kongress-Sprecher Tom Vadakkan sagte, er rechne damit, dass die neue Regierung innerhalb von einer Woche ihre Arbeit aufnehmen werde. Sonia Gandhi betonte: "Wir können jetzt damit beginnen, die Kongresspartei wieder zu ihrer Rolle als natürliche Regierungspartei in Indien zurückzuführen." Nach Auszählung beinahe aller Stimmen gewann die Kongress-geführte Vereinte Fortschrittsallianz (UPA) 262 Sitze. Für die absolute Mehrheit fehlen damit nur zehn Sitze. Die hindu-nationalistische BJP erlebte ein Wahldebakel.

Premierminister Manmohan Singh sagte bei dem Spitzentreffen der Partei in Neu Delhi nach Angaben von Kongress-Sprecher Janardhan Dwivedi, die neue Regierung werde ihre Arbeit vor dem Hintergrund einer weltweiten Rezession und ernster Probleme in den umliegenden Ländern beginnen. Der Friedensprozess mit Pakistan liegt seit den Anschlägen von Mumbai (Bombay) auf Eis. In Pakistan führt die Armee eine Offensive gegen die Taliban, die ihren Einfluss ausgedehnt haben. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka hat tausende Zivilisten das Leben gekostet. Nepal befindet sich in einer Regierungskrise.

Die größte Demokratie der Welt

Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent. 428 Millionen der 714 Millionen indischen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Indien ist mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt. Die Wahl hatte am 16. April begonnen. Aus organisatorischen und aus Sicherheitsgründen war die Abstimmung auf fünf Wahltage verteilt worden. Wählerumfragen - die sich bereits bei der Abstimmung 2004 als unzuverlässig erwiesen hatten - hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der UPA und der NDA vorausgesagt.

2,1 Millionen Sicherheitskräfte waren zur Absicherung der Wahl eingesetzt. Knapp 50 Menschen kamen trotzdem gewaltsam ums Leben, die meisten davon bei Anschlägen und Angriffen maoistischer Gruppen. An den meisten Wahltagen blieb die Abstimmung allerdings vergleichsweise friedlich. Die Maoisten hatten ebenso wie radikale Muslime im indischen Teil Kaschmirs zum Wahlboykott aufgerufen. Die Stimmen wurden am Samstag von knapp 60.000 Helfern in mehr als 1000 Wahlzentren ausgezählt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Countryjoe (19.05.2009, 06:25 Uhr)
Seltsame Demokratie
Hat was von einer erblichen Demokratie oder einer demokratischen Monarchie. Sehr seltsam jedenfalls und sicherlich für den westlichen Verstand unbegreiflich.
utospatz (18.05.2009, 20:53 Uhr)
Werden dann heilige Kühe nicht mehr
gemolken? Werden dann Kinder auf der Straße nicht mehr verhungern? Lepra-Kranke ohne Trinkwasser dahinvegetieren? Was für eine UNO! Der Name Gandhi ist eigentlich ein Befehl. Ich glaube niemandem mehr!
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