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13. Juni 2011, 08:41 Uhr

Erdogan sucht Bündnis für neue Verfassung

Wahlsieger Tayyip Erdogan will der Türkei eine neue Verfassung geben. Nachdem seine AKP die nötige Zweidrittelmehrheit verfehlt hat, bietet er den anderen Parteien Verhandlungen an.

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Strahlender Wahlsieger: Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan steht nach seinem Triumph bei den Parlamentswahlen vor seiner dritten Amtszeit© Umit Bektas/Reuters

Nach dem Sieg seiner Partei bei der türkischen Parlamentswahl will Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan schnell die Arbeit an einer neuen Verfassung beginnen. Dazu wolle er in Verhandlungen die Zustimmung der anderen politischen Kräfte suchen, kündigte Erdogan an.

Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt seine islamisch-konservative Partei AKP auf 50 Prozent der abgegeben Stimmen, gut drei Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. Die für eine Änderung der Verfassung im Alleingang nötige Zweidrittelmehrheit verpasste die AKP jedoch.

"Die Botschaft ist, dass wir dies zusammen mit den anderen Kräften machen sollen", sagte Erdogan am späten Sonntagabend vor jubelnden Anhängern in Ankara. "Wir werden auch die Parteien anhören, die nicht im Parlament vertreten sind. Wir werden die umfangreichsten Verhandlungen führen", sagte er. "Jeder wird Bürger erster Klasse sein."

Erdogan-Gegner in Sorge

Auch die laizistische CHP legte auf 25,9 Prozent zu. Die rechtsnationalistische MHP lag bei 13 Prozent, die Kurdenpartei BDP stand bei 6,5 Prozent. Ihre Politiker waren als unabhängige Kandidaten gestartet, um die in der Türkei geltende Zehnprozenthürde für das 550 Sitze zählende Parlament zu umgehen.

Erdogans politische Gegner sehen einen möglichen weiteren Machtzuwachs der AKP mit Sorge. Sie erwarten, dass die Partei die Arbeit an einer neuen Verfassung auch zur Zementierung ihrer Macht nutzen wird.

Die Arbeit an einer neuen Verfassung sei nach der Wahl die wichtigste Aufgabe, hatte Erdogan erklärt. Dies gilt auch als weitere Wegmarke in den Bemühungen der Türkei um einen Beitritt zur EU. In den vergangenen Jahren ist die Türkei in den Verhandlungen kaum vorangekommen. Innenpolitisch kann Erdogan aber vor allem den Aufschwung der Wirtschaft für sich verbuchen.

Ehrgeizige Großprojekte angekündigt

Für die kommenden Jahre hat Erdogan große Projekte angekündigt. In Istanbul will er zwei neue, erdbebensichere Vorstädte bauen und einen Kanal zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer, um den Bosporus zu entlasten. Praktisch zinsfreie Kredite sollen Geschäftsleute zu Investitionen ermuntern und Familien den Hauskauf ermöglichen. Bis 2023 soll sich die Wirtschaftskraft der Türkei verdreifachen, lautet das erklärte Ziel der AKP.

kng/DPA
 
 
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