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Deutsche Soldaten zu fein für türkische Toiletten?

Kulturschock oder Schikane eines Nato-Partners? Die Bundeswehr erneuert ihre Kritik an den vermeintlichen Missständen, denen deutsche Soldaten in der Türkei ausgesetzt sind. Die Gastgeber sind empört.

  Deutsche Soldaten haben sich über die Einsatzbedingungen in der Türkei beklagt.

Deutsche Soldaten haben sich über die Einsatzbedingungen in der Türkei beklagt.

Die türkische Armee hat die Vorwürfe aus Deutschland wegen einer angeblich schlechten Behandlung und Unterbringung des Patriot-Kontingents der Bundeswehr zurückgewiesen. Die Klagen entsprächen nicht der Wahrheit, erklärte der Generalstab in Ankara am Sonntagabend. Den angeblichen körperlichen Übergriff eines türkischen Generals gegen deutsche Feldjäger habe es nie gegeben, erklärte die Armeeführung. Der Kommandeur des deutschen Kontingents für den Patriot-Einsatz in der Türkei, Marcus Ellermann, hingegen sprach am Montag erneut von Problemen bei der Zusammenarbeit mit der Türkei.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), hatte das Thema am Wochenende angestoßen und von Spannungen zwischen deutschen und einheimischen Soldaten berichtet. Er sprach darüber hinaus von unhaltbaren hygienischen Zuständen in der Kaserne der Deutschen im Stationierungsort Kahramanmaras. Schilderungen, die zum Teil auch von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigt wurden.

Toilettenfrage eskaliert

"Wir stellen fest, dass die türkische Seite die eine oder andere Berührungsangst hat", sagte Ellermann am Montag dem Radiosender MDR Info. Die Bundeswehrsoldaten wünschten sich ihrerseits jedoch sehr, von einem Austausch mit den türkischen Soldaten zu profitieren. Ellermann zeigte sich zuversichtlich, dass die Beziehung zwischen den Truppen besser würden und sich beide Seiten dafür einsetzten.

Zu den hygienischen Mängeln am Einsatzort sagte Ellermann, die Vorwürfe des Wehrbeauftragten Königshaus seien berechtigt. Die sanitären Anlagen seien alt, verdreckt und würden nur unregelmäßig gereinigt. Es müsse jedoch berücksichtigt werden, dass der Einsatz auch für die Türkei recht kurzfristig erfolgt sei. "Die türkische Seite tut aber alles, um die Bedingungen kurzfristig zu verbessern", betonte der Kommandeur.

Der türkische Generalstab wies die Vorwürfe zurück. Für die Reinigung der Toiletten in den Unterkünften der Bundeswehr-Soldaten seien die Deutschen selbst zuständig. Das Bundeswehr-Kontingent habe inzwischen mithilfe der türkischen Armee eine zivile Reinigungsfirma mit der Aufgabe betraut.

Alles nur ein Missverständnis?

Zu der angeblichen Rangelei zwischen dem türkischen General und den deutschen Feldjägern erklärte der Generalstab, die Berichte über einen körperlichen Übergriff entbehrten jeder Grundlage. Der türkische General habe die deutschen Soldaten wegen der Sperrung eines Zufahrtsweges bei Ministerbesuchen Ende Februar lediglich gewarnt. Bei einem Treffen beider Seiten am 28. Februar habe die deutsche Seite eingeräumt, es habe Missverständnisse bei der Erteilung des Befehls an die Feldjäger gegeben. Das Bundeswehr-Kontingent habe sich bei der türkischen Seite entschuldigt.

Auch die Berichte über eine "wenig hilfreiche" Einstellung der türkischen Gastgeber in der Kaserne in Kahramanmaras wies der türkische Generalstab zurück. Für die Gäste seien Unterkünfte renoviert und Container-Unterkünfte bereitgestellt worden, die aber trotz Fertigstellung bis zum Wochenende von den Deutschen immer noch nicht genutzt würden.

Türkei: Keine Rede von Kontaktsperre

Auch könne von einer Kontaktsperre zwischen deutschen und türkischen Soldaten keine Rede sein, hieß es in der Erklärung des Generalstabs. Viele Bereiche der Kaserne würden gemeinsam genutzt. Zudem seien zehn türkische Soldaten mit Fremdsprachenkenntnissen eigens für den Kontakt zu den Deutschen abgestellt worden.

Bestätigt wurde lediglich ein Bericht über das Verbot, deutsche Fahnen und Ortsschilder in dem türkischen Kasernengelände zu zeigen. Nur vor der Einsatzzentrale sei eine deutsche Fahne zusammen mit den Flaggen der Türkei und der Nato genehmigt worden.

Der Sprecher von Verteidigungsminister de Maizière wies in Berlin darauf hin, dass die offenen Fragen vor Ort angesprochen würden. Regierungssprecher Seibert sagte: "Dort wo Probleme sind, werden sie ausgeräumt." Deutschland und die Türkei seien NATO-Partner, hätten aber unterschiedliche Traditionen.

kng/DPA/DPA

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