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Türkei zählt auf deutsche Unterstützung

Zur Abwehr möglicher Angriffe aus Syrien setzt die Türkei auf die Unterstützung aus Berlin. Auch an dem Vorhaben, eine Flugverbotszone im Norden Syriens zu verhängen, hält Ankara fest.

  Hofft auf Unterstützung der Kanzlerin: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem Besuch in Berlin Ende Oktober

Hofft auf Unterstützung der Kanzlerin: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem Besuch in Berlin Ende Oktober

Nach Wochen heftiger Kämpfe unmittelbar an der türkisch-syrischen Grenze richtet sich der Blick der Türkei nun auch auf Deutschland. Mit modernster Luftabwehr sollen deutsche Soldaten das Staatsgebiet des Nato-Partners gegen feindliche syrische Kampfjets oder anfliegende Raketen schützen. Dazu sollen die Bundeswehr und niederländische Soldaten im Süden Anatoliens mit "Patriot"-PAC-3-Raketen Stellung beziehen.

"Leider gibt es in Syrien Chemiewaffen und noch aus der Sowjet-Ära auch die dafür nötigen Trägerraketen", sagt der türkische Staatspräsident Abdullah Gül. "Die Türkei ist Mitglied der Bündnisses seit 1952. Das Verteidigungskonzept der Nato ist umfassend und unteilbar."

Ankara erwartet die Solidarität des Bündnisses, auch wenn die Stationierung der "Patriot"-Raketenabwehrsysteme, die Ankara schon in den Golfkriegen 1991 und 2003 anforderte und erhielt, zunächst vor allem politische und psychologische Bedeutung hat.

Türkei auf politischem Schlingerkurs

Eines syrischen Angriffs könnte sich die Türkei, die über die zweitgrößte Nato-Armee nach den USA verfügt, selbst erwehren. Auf bisherige Verletzungen der insgesamt fast 900 Kilometer langen Grenzlinie - mehrfach schlugen Granaten in der Türkei ein - hat Ankara mit Artilleriefeuer reagieren lassen. Verbündete bescheinigen der Türkei ein maßvolles Vorgehen.

Die syrischen Kämpfe erstrecken sich auch deshalb bis unmittelbar an die Grenze, weil die Türkei den Aufständischen sicheren Unterschlupf im Kampf gegen das Regime und Nachschubwege gewährt. Nicht immer war zudem klar, ob syrische Regimetruppen oder Rebellen in die Türkei gefeuert haben. Politiker in Ankara warnen, dass unterschiedliche Kräfte das Land in einen Sumpf ziehen wollen.

Angesichts der internationalen Uneinigkeit im Syrien-Krieg blieb der Türkei zuletzt nur ein politischer Schlingerkurs. Ankara unterstützt syrische Rebellen und ist dabei bemüht, sich völkerrechtlich nicht ins Unrecht zu setzen. Berichte über Waffenlieferungen an die Rebellen oder Ausbildungsprogramme hat das Außenministerium dementiert. Selbst humanitäre Hilfe für innerhalb Syriens vertriebene Menschen wurde schon demonstrativ an der Grenze abgeliefert mit Hinweis auf internationales Recht.

Keine Unterstützung für Flugverbotszone

Eigentlich will die Türkei die Einrichtung einer Flugverbotszone in Nord-Syrien als Voraussetzung für eine Schutzzone, in der Flüchtlinge von internationalen Organisationen versorgt werden können. Gebetsmühlenartig haben türkische Politiker diese Forderung in den vergangenen Monaten vorgetragen, ohne dafür die nötige internationale Unterstützung zu bekommen.

Die Stationierung der "Patriots" aus Deutschland solle aber nur der Verteidigung der Türkei dienen, versichert der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu. Von der Schutzzone ist zuletzt kaum noch die Rede gewesen, obwohl die Türkei den Plan weiter verfolgt. Aber: "Unser grundlegendstes Ziel und unsere Verantwortung gilt dem Schutz unseres Staates und unserer Bürger. Und dafür sind wir ja auch in der Nato", sagte Davutoglu.

steh/Carsten Hoffmann, DPA/DPA
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