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Iranische Twitter-Nutzer lachen über Netanjahu

Wenn sie könnten, würden Iraner Jeans tragen, sagt Israels Ministerpräsident Netanjahu. Da ihnen das gar nicht verboten ist, ergießt sich jetzt der Spott iranischer Twitterer über den Regierungschef.

Von Oliver Noffke

  Eine Bildmontage mit Benjamin Netanjahu wird unter iranischen Twitter-Nutzern verbreitet. Ursprünglich enthielt das Motiv statt der Jeans eine Bombe, die das Gefahrenpotenzial des Iran veranschaulichen sollte.

Eine Bildmontage mit Benjamin Netanjahu wird unter iranischen Twitter-Nutzern verbreitet. Ursprünglich enthielt das Motiv statt der Jeans eine Bombe, die das Gefahrenpotenzial des Iran veranschaulichen sollte.

Vor etwa einem Jahr warnte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UN-Vollversammlung die Welt vor einem atomar bewaffneten Iran. Sein Appell war eindringlich, die verwendeten Stilmittel jedoch eigenartig. Mit der Comic-Zeichnung einer Bombe wollte er das Gefahrenpotenzial des Iran verdeutlichen. Dabei wirkte er wie eine Figur aus einem Austin-Powers-Film.

Dass Netanjahu mit seiner Hardliner-Rhetorik nicht gegen den neuen freundlichen Ton aus Teheran ankommt, sollte ihm selbst klar sein. Mit Hassan Ruhani steht dem Land ein Präsident vor, der sich grundlegend von seinem Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad unterscheidet. Statt der Personifizierung des irrlichternden Bösewichts wünscht Ruhani allen Juden ein schönes Neujahrsfest per Twitter, obwohl der Dienst im Iran zu diesem Zeitpunkt offiziell gesperrt war. Er leugnet nicht den Holocaust und telefoniert persönlich mit Barack Obama. In einem Interview mit CNN präsentierte er sich zudem durchaus selbstkritisch.

Ruhani fand bisher stets den rechten Ton. Was Netanjahu in einem Gespräch mit der persischen Ausgabe der BBC nicht gelang. In dem Interview kritisiert er das Verständnis der iranischen Führung von Demokratie. Nur ein kleiner Kreis erlesener Kandidaten sei von den religiösen Führern zu der Wahl im April diesen Jahres zugelassen worden. 700 Politiker hätten jedoch antreten wollen, so Netanjahu.

Bis zur Schlaghose und nicht weiter

Dann fällt allerdings ein eigenartiger Satz: "Ich glaube, wenn es nach dem Willen des iranischen Volkes ginge", so Netanjahu, "würden die Menschen Jeans tragen, sie hätten westliche Musik und freie Wahlen." Eine Äußerung, die nun für Kopfschütteln, aber auch für Belustigung bei iranischen Twitter-Nutzern sorgt. Zwar gibt es im Iran Kleidungsvorschriften, Frauen dürfen zum Beispiel nicht ihr Haar offen tragen und sollten auf hautenge Kleidung verzichten, Jeans sind den Iranern allerdings nicht verboten.

Neben Bildern von Kleiderschränken oder Jeansgeschäften finden sich unter Hashtags wie #JeansIran auch private Fotos von Iranern - in Jeans. Ob beim Beten, beim Spielen mit den Kindern, zu Hause oder unterwegs, sie tragen die blauen Hosen aus dem robusten Baumwollstoff. Auch der Auftritt mit der Comic-Bombe wird dankbar aufgenommen. In einer Montage zieht Netanjahu jetzt die rote Linie über eine Schlaghose.

An spitzen Kommentaren fehlt es nicht. So schreibt der Nutzer Ahmad Path: "Ha ha, Netanjahu weiß nicht, dass Iraner Jeans tragen. Woher will er dann wissen, dass sie Atombomben bauen?"

Ernste Töne

Es gibt aber auch durchaus ernste Töne. So erinnert ein Nutzer mit einem Bild an Neda Agha-Soltan, die junge Demonstrantin, die während der Proteste gegen die Wahl von Ahmadinedschad im Juni 2009 von paramilitärischen Milizen bei einem Protestmarsch erschossen wurde. Das Foto der Sterbenden ging um die Welt. Darauf sind auch Ersthelfer zu sehen. Sie tragen Jeans. Neda wurde kurz darauf zum Symbol des demokratischen Widerstands, ihr Name, der so viel wie "Stimme" heißt, zum Schlachtruf.

Zwar wirken Netanjahus Warnungen nach den freundlichen Worten aus Teheran ziemlich ungelenk, das letzte Wort der politischen Linie Irans liegt allerdings nicht bei Präsident Ruhani, sondern bei dem konservativen religiösen Führer, Ajatollah Chamenei. Und dieser kritisierte offen Ruhanis Charmeoffensive gegenüber den USA.

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