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Amsterdam pfercht Unruhestifter in "Abschaum-Dörfer"

Holland greift zu rabiaten Mitteln, um gegen Unruhestifter und Gewalttäter vorzugehen. Ab Januar sollen "anti-soziale Bürger" in spezielle Wohnviertel abgeschoben werden - den "Abschaum-Dörfern".

Von Niels Kruse

  Problemviertel in Amsterdam: Sie normalen Bürger ziehen weg, die bösen Buben kriegen eine "Fünf-Zimmerwohnung mit Garten zur Südseite".

Problemviertel in Amsterdam: Sie normalen Bürger ziehen weg, die bösen Buben kriegen eine "Fünf-Zimmerwohnung mit Garten zur Südseite".

Schon lange ist nicht mehr alles Friede, Freude, Eierkuchen im gelobten Multikulti-Holland. Beim Blick auf die vor- und vorvorvergangenen Wahlen, drängt sich beinahe der Eindruck auf, die Niederländer selbst sind von ihrem Image als liberales und weltoffenes Völkchen genervt. Abgenickt durch den Urnengang, konnten Hetzer wie der Rechtspopulist Geert Wilders die Regierungsparteien mit ihren reaktionären Ideen vor sich hertreiben. Und mittlerweile scheinen seine radikalen Ideen in der Gesellschaft angekommen zu sein: Zumindest sein Vorschlag, den "gesellschaftlichen Abschaum" (Motto: "Kehrt den Müll zusammen") in gesonderte Wohnviertel abzuschieben, will Amsterdam demnächst in die Tat umsetzen.

Der sozialdemokratische Bürgermeister der Metropole, Eberhard van der Laan, hat angekündigt, "anti-soziale Bürger" ab Januar in so genannte Siedlungslager unterzubringen, wie der englische "Telegraph" berichtet. Diese "Abschaum-Dörfer", benannt nach Wilders' Idee, bestehen aus Containern und sollen unter ständiger Polizeiaufsicht stehen. Grund für diese rabiate Maßnahme seien die jährlich 13.000 Beschwerden, die bei den Behörden wegen "unsozialen Verhaltens" eingingen, so die Zeitung weiter.

Kleinere Containersiedlungen gibt es bereits

Bereits jetzt schon existiert in der Hauptstadt eine Spezialeinheit, die die auffälligsten Unruhestifter in Problemvierteln ausfindig machen soll, um sie dann zu einem halbjährigen "Benimmkurs" zu verdonnern. Für den Fall, dass sie keine Besserung zeigen, droht ihnen der Rauswurf aus ihrer Wohnung, im schlimmsten Fall sogar Obdachlosigkeit. Auch kleine Sammlungen von bis zu zehn Containern gibt es bereits in Holland. Künftig können bedrohte Menschen per Hotline ihre verhaltensauffälligen Mitbürger verpfeifen.

"In den betroffenen Vierteln steht die Welt Kopf", sagte Amsterdams Stadtoberhaupt van der Laan. "Die Opfer von Belästigungen und Gewalt fliehen aus ihren Häusern und die Täter bekommen Fünf-Zimmer-Wohnungen mit Garten zur Südseite." Ein Sprecher des Bürgermeisters sagte, man habe aus der Vergangenheit gelernt. "Eine Nachbarschaft kommt mit einer Problemfamilie aus, aber wenn es mehr als eine ist, gerät die Situation außer Kontrolle."

"Kein Ghetto, keine Bestrafung"

Rund eine Million Euro will sich die Stadt die "Abschaum-Dörfer" kosten lassen. Die Container sind rudimentär ausgestattet, ihre Bewohner sollen dort bis zu einem halben Jahr leben. Die niederländische Zeitung "Het Parool" hat in den Archiven des Landes ein Vorbild für diese Form der Abschiebung gefunden. Schon im 19. Jahrhundert wurden ähnliche Versuche in den Orten Drenthe und Overijssel in der Nähe von Amsterdam gestartet – mit wenig Erfolg allerdings. Die Siedlungen verkamen schnell zu einem Hort der Gesetzlosigkeit. Doch von Ghettoisierung oder "No-go-Areas" will die Verwaltung nichts wissen. Der Sprecher sagte, der Zwangsumzug sei keine Strafe, die "Spezialwohneinheiten" hätten vielmehr das Ziel, den Menschen gutes und sozialverträgliches Benehmen beizubringen.

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